Die Ermittler vermuten eine professionelle Aktion, die auf die Energieversorgung Mitteleuropas abzielte. Die TAL kommt aus Italien an der kärntnerischen Grenze in Kötschach-Mauthen (Bezirk Hermagor) nach Österreich.
Dort liegt eine erste innerösterreichische Pumpstation, an der auch Öl für die OMV-Raffinerie in Schwechat abgezweigt wird, das dann Richtung Wien weiterläuft. Die TAL-Pipeline selbst führt von Oberkärnten weiter nach Norden und überquert die österreichisch-deutsche Grenze bei Kufstein.
Doch kein Erdrutsch
An der Grenze zwischen Friaul und Kärnten, in einem schwer erreichbaren Gebiet, wurde ein Hochspannungsmast erheblich beschädigt, der zur Seite knickte. Zunächst wurde ein Erdrutsch als Ursache vermutet, doch Videoaufnahmen der RAI-1-Nachrichten Tg1 belegen die Vermutung, dass es sich um Sabotage handelte, wegen der nun auch ermittelt wird.
Laut Ermittlungen und Zeugenaussagen vor Ort ist der Strommast nicht durch natürliche Ursachen zu Boden gegangen. Die Basis des Mastes wurde offenkundig mit einer Brennschneidflamme abgetrennt. Die Aktion scheint darauf abgezielt zu haben, keinen sofortigen Zusammenbruch des Strommasts zu verursachen, sondern einen langsamen Kollaps, der die Versorgung der Pumpstationen des Ölpipelinesystems hätte unterbrechen sollen.
Die TAL-Pipeline ist 753 Kilometer lang und seit 1967 in Betrieb. Sie transportiert Rohöl vom Hafen in Triest nach Deutschland, Österreich und in die Tschechische Republik. Versorgt werden Raffinerien der OMV (Burghausen in Deutschland und Schwechat in Österreich), Bayernoil und Unipetrol (Tschechien), Gunvor und MiRO.
Die Betreibergesellschaft der TAL-Ölpipeline bestritt in einer Mitteilung am Samstag die Sabotage und erklärte, es habe sich um eine «normale technische Störung» gehandelt. TAL teilte mit, dass es im März zu einem «technischen Rückgang der Förderleistung» gekommen sei. So habe der Stromnetzbetreiber Terna am 25. März die Abschaltung einer Pumpstation in Paluzza bei Udine verlangt, um Reparaturen an einer beschädigten Stromleitung durchzuführen.
Ermittlungen wegen Sabotage
Die Staatsanwaltschaft Triest sieht die Lage anders und ermittelt wegen Sabotage. Die Untersuchung wurde den Carabinieri und der Polizei anvertraut und erfolgt in Zusammenarbeit mit den deutschen Geheimdiensten, wie friaulische Medien berichteten.
Es wird vermutet, dass hinter dem Angriff keine gewöhnlichen Vandalen stecken, sondern professionelle Saboteure, die möglicherweise mit abtrünnigen Geheimdiensten in Verbindung stehen. Bisher gab es kein Bekennerschreiben zur Sabotage.
(AWP)
