Zuvor hatte der Volkswagen -Konzern für das zweite Quartal einen weiteren Gewinnrückgang gemeldet. In den Monaten April bis Juni ging das Konzernergebnis nach Steuern um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro zurück, wie Europas grösster Autobauer in Wolfsburg mitteilte. Es war der zehnte Rückgang beim Quartalsgewinn in Folge. Zudem verabschiedet sich VW vom bisher angepeilten Umsatzplus. Er soll nun bestenfalls stabil bleiben. Die VW-Vorzugsaktie verlor am Freitag in der Dax -Schlussgruppe 1,4 Prozent. In diesem Jahr hat das Papier damit mehr als 30 Prozent eingebüsst.
Im zweiten Quartal zog der Umsatz zwar um zwei Prozent auf 82,4 Milliarden Euro an, nach den ersten sechs Monaten ist die Bilanz damit aber bisher nur fast ausgeglichen. Das operative Ergebnis schrumpfte im Quartal um rund ein Zehntel auf 3,47 Milliarden Euro ab. Die Auslieferungen fielen konzernweit um fast 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge. Auf dem wichtigen Markt China ging es sogar um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge nach unten.
50.000 Stellen und 4 Werke auf dem Prüfstand
Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind, sagte Blume. Er plant daher neue Sparmassnahmen mit deutlichen Einschnitten: Bis zu 50.000 Stellen weltweit und vier Werke in Deutschland stehen auf dem Prüfstand - zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 bereits abgebaut werden sollen.
Der Konzern soll insgesamt auf eine Produktion von 9 Millionen Fahrzeugen jährlich getrimmt werden, rund eine Million weniger als derzeit und drei Millionen weniger als noch vor der Corona-Pandemie. Allein in Europa sollen noch einmal 500.000 Stück an Kapazität wegfallen. Die Zahl der Modelle soll um die Hälfte und die der verwendeten Komponenten gar um drei Viertel schrumpfen.
Blume sprach von der grössten Transformation der Konzerngeschichte. «Es geht hier nicht um ein reines Sparpaket, es ist das umfassendste und tiefgreifendste Transformationspaket, was wir je im Volkswagen-Konzern aufgesetzt haben.» Vom Betriebsrat kam umgehend Kritik: «Eine Debatte über Standortschliessungen und Personalabbau in historisch grossen Dimensionen ist nicht das neue Geschäftsmodell für den VW-Konzern», sagte ein Sprecher der Arbeitnehmervertretung.
Land und Arbeitnehmer protestieren
Vor zwei Wochen waren die Sparpläne erstmals im VW-Aufsichtsrat behandelt worden. Von Gewerkschaft und Betriebsrat kam dort bereits kräftig Gegenwind. Ebenso vom Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder im Aufsichtsrat stellt. In dem Gremium fielen die Pläne dann auch zunächst durch.
Im September solle es aber eine weitere Sitzung dazu geben, kündigte Blume an. Weitere dürften folgen. Schliesslich, so Blume, gehe es um «das umfassendste und tiefgreifendste Transformationspaket, was wir je im Volkswagen-Konzern aufgesetzt haben». Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass es bis Jahresende eine Einigung geben kann. «Da gehe ich schon fest davon aus, dass wir das in diesem Jahr machen müssen.»
Werksschliessungen nur letzte Option
Mit Blick auf mögliche Werksschliessungen in Emden, Zwickau, Hannover und bei Audi in Neckarsulm sprach Blume nur von einer letzten Option, die er gern vermeiden möchte. Für die vier Werke gebe es derzeit noch keine «wettbewerbsfähige Belegung» für die 2030er-Jahre. Doch, so Blume: «Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schliessen. Das ist immer die letzte Option.»
Rüstung sei eine Option. Und auch der Bau chinesischer VW-Modelle für den hiesigen Markt. Dabei gehe es aber nur um eigene Modelle von VW, die der Konzern bisher nur in China anbietet, nicht um eine Öffnung für Konkurrenten wie BYD oder Geely. Er denke nicht daran, sich Wettbewerber in die eigenen Fabriken zu holen, so Blume.
Bis 2030 sei ohnehin nicht mit Werkschliessungen rechnen. Denn derzeit würden die dort gebauten Modelle gebraucht, so der Blume bei einer Telefonkonferenz. «Es ist nicht realistisch, über Werkschliessungen bis 2030 zu reden.»
Noch keine Details zu Stellenabbau
Und die 50.000 Stellen, die weltweit zusätzlich wegfallen könnten? Blume sprach von einer bisher nur rechnerischen Grösse, die sich aus den angestrebten Kostensenkungen ergäbe. «Diese 50.000 sind zunächst erst mal theoretisch.» Jetzt werde «über die Marken, über die Gesellschaften und Regionen im Detail zu ermitteln, welche Personalanpassungen dort nötig und möglich sind».
Der Stellenabbau käme zu den bereits 2024 vereinbarten Einsparungen hinzu. Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche . Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
VW hatte zugesagt, den Abbau sozialverträglich zu gestalten, und setzt vor allem auf Altersteilzeit und Abfindungen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden bis 2030 ausgeschlossen.
Für Gespräche über eine Erweiterung dieser Jobgarantie bei der Kernmarke VW sei es noch zu früh, sagte Blume. Dafür müssten die Bedingungen stimmen. Zunächst müsse darüber gesprochen werden, wie Verwaltungs- und Arbeitskosten bei den Marken, den Töchtern und in den Regionen gesenkt werden könnten./fjo/men
(AWP)
