Das überraschend starke Abschneiden des rechtsgerichteten Senators Flavio Bolsonaro bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien treibt die Landeswährung Real kräftig an. Im Gegenzug stürzt der Dollar um 4,6 Prozent ab und rutscht unter die Marke von 5,00 Real pro Dollar. Der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro lag nach Auszählung von fast 99 Prozent der Stimmen vor dem linken Amtsinhaber Luiz Inacio Lula da Silva und zieht mit ihm am 25. Oktober in eine Stichwahl.
Umfragen vor der Wahl hatten Lula mit etwa drei Prozentpunkten vorn gesehen. Analysten erwarten auch eine Rally bei brasilianischen Aktien und Anleihen. «Wir erwarten eine starke Rally bei brasilianischen Vermögenswerten», sagte Thierry Larose, Portfoliomanager bei Vontobel. Bolsonaro hat sich mit einer marktfreundlichen Agenda gegenüber Investoren als «gemässigtere» Version seines Vaters präsentiert und eine strengere Kontrolle der öffentlichen Ausgaben, Privatisierungen sowie Steuersenkungen in Aussicht gestellt. «Es bleibt abzuwarten, ob sich Flavio Bolsonaro letztendlich als finanzpolitisch verantwortungsbewusster erweisen würde als Lula in einer vierten Amtszeit als Präsident», sagte Larose. «Die Märkte dürften ihm jedoch den Vertrauensvorschuss gewähren.»
Der in Frankfurt notierte MSCI Brazil ETF legt um mehr als 16 Prozent zu. Die Titel des staatlich kontrollierten Ölkonzerns Petrobras springen zur Handelseröffnung um mehr als vier Prozent nach oben. Auch brasilianische Auslandsanleihen legen zu, während die breiteren Rentenmärkte nervös reagieren. «Der Markt will Veränderung, er will Reformen, er will kein hohes öffentliches Defizit; mit der derzeitigen Regierung wird all dies so weitergehen», sagte Pedro Galdi, Anlageanalyst bei der Plattform AGF Investments, gegenüber Reuters.
(Reuters)

