Crans-Montana VS (awp/sda) - Nach dem verheerenden Brand in einer Bar in Crans-Montana VS sind noch Fragen offen - vor allem zu den Hintergründen. Was bisher bekannt ist und was nicht:

Was wir wissen

* Das Unglück: In der zweistöckigen Bar «Le Constellation» brach in der Silvesternacht gegen 01.30 Uhr ein Grossbrand aus.

* Die Opfer: 40 Menschen kamen dabei ums Leben. Bis Sonntagabend wurden alle identifiziert. 22 von ihnen waren Schweizer und 18 ausländische Staatsangehörige. 14 Jahre alt war das jüngste Todesopfer, 39 Jahre alt das älteste. Die Leichname wurden den Familien übergeben.

* Die Verletzten: Die Zahl der Verletzten ist von der Walliser Staatsanwaltschaft von 119 auf 116 korrigiert worden. Von den 116 verletzten Personen konnten inzwischen alle identifiziert werden. Darunter sind 68 Schweizerinnen und Schweizer, 21 französische und 10 italienische Staatsangehörige.

* Der Zustand der Verletzten: 83 der Patientinnen und Patienten waren am Montag noch hospitalisiert.

* Verlegungen ins Ausland: Insgesamt 38 verletzte Patientinnen und Patienten sind laut Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS) in ausländische Spitäler und Kliniken gebracht worden. Je sieben wurden nach Belgien und Deutschland verlegt, 16 Personen nach Frankreich und 8 Personen nach Italien.

* Hilfe aus dem Ausland: Wegen der vielen Opfer mit schwersten Verbrennungen hat die Schweiz die Aktivierung des EU-Katastrophenmechanismus beantragt. Über dieses Verfahren koordiniert die Europäische Union Hilfe bei grösseren Katastrophen in Mitgliedsstaaten und gewissen Nicht-EU-Ländern. 35 Patientinnen und Patienten wurden seit Freitag und bis Sonntagnachmittag in spezialisierte Kliniken in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien verlegt. Im Rahmen des Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union haben Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und zahlreiche weitere Länder Hilfe angeboten.

* Der Brand: Die Walliser Behörden sprechen von einem plötzlichen Brand, einem sogenannten Flashover. Darunter versteht man den schlagartigen Übergang von einem lokal begrenzten Feuer zu einem Vollbrand. Hitze staut sich an der Decke eines Raumes, es breiten sich Rauchgase im Raum aus, und es wird innert kurzer Zeit mehrere hundert Grad heiss. Die Situation ist selbst für ausgerüstete Feuerwehrleute lebensgefährlich.

* Erste Erkenntnisse: Nach Abschluss der ersten Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft am Freitagabend eine Strafuntersuchung gegen das französische Betreiberpaar der Bar eröffnet. Den beiden werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. In Untersuchungshaft kommen die Barbetreiber zunächst nicht. Und es gilt die Unschuldsvermutung. Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud hatte am Freitag vor den Medien erklärt, alles deute darauf hin, dass das Feuer von «Wunderkerzen» ausging. Diese seien auf Champagnerflaschen angebracht gewesen und zu nahe an die Decke gekommen. Die Gemeinde Crans-Montana beschloss am Samstag, als Zivilklägerin aufzutreten.

* Die Trauer: Die Fahnen auf dem Bundeshaus wurden am Neujahrstag für fünf Tage auf Halbmast gesetzt. Verschiedene Kantone und Städte folgten dem Beispiel. Der Bund schaltete auf seiner Website ein Kondolenzbuch auf. Am Sonntag (4. Januar) fand in Crans-Montana eine Messe im Beisein des Bischofs von Sitten, Jean-Marie Lovey, statt.

* Nationaler Trauertag: Am kommenden Freitag (9. Januar) ist in Crans-Montana eine Feier zu Ehren der Verstorbenen und Verletzten vorgesehen. Der französische Präsident Emmanuel Macron wird am Gedenkanlass für die Opfer der Brandkatastrophe teilnehmen. Zeitgleich plant der Bund einen nationalen Trauertag.

Was wir nicht wissen

* Zahl der Gäste: Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Brandausbruchs in der Bar aufhielten, ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht abschliessend geklärt.

* Die nächsten Schritte: Die Ermittler legen ihren Fokus nun unter anderem auf den Lärmschutz-Schaumstoff, der an der Decke angebracht war. Generell untersuchen sie laut Staatsanwaltschaft insbesondere die Umbauten in der Bar, die verwendeten Materialien, die Betriebsgenehmigungen und die Sicherheitsvorkehrungen. Zu letzteren gehören Löschmittel, Brandschutzvorschriften und Evakuierungswege.

(AWP)