Was wir wissen
* Das Unglück: In der Silvesternacht ist es im Walliser Ferienort Crans-Montana zu einem schweren Brand in der Bar «Le Constellation» gekommen. Diese hatte nach eigenen Angaben eine Kapazität von 300 Plätzen.
* Die Opfer: Nach Behördenangaben sind bei dem Feuer rund 40 Menschen ums Leben gekommen. 115 wurden verletzt, zahlreiche erlitten schwere Verbrennungen. 80 bis 100 Menschen befanden sich am Freitagmorgen weiter in kritischem Zustand. Etliche der Opfer waren junge Leute, und zahlreiche dürften aus dem Ausland angereist sein. Dutzende Schwerverletzte wurden per Rettungshelikopter in die beiden Schweizer Verbrennungszentren an den Universitätsspitälern Zürich und Lausanne transportiert. Auch Spitäler in Sitten, Visp, Martigny, Genf, Freiburg und Bern nahmen Verletzte auf. Polen kündigte an, 14 Verletzte in einer spezialisierten Einrichtung zu pflegen. Frankreich stellte 19 Betten bereit.
* Die Uhrzeit: Nach Angaben der Kantonspolizei Wallis brach das Feuer gegen 1.30 Uhr aus.
* Die Hintergründe: Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben von einem Unglück und nicht von einem Anschlag aus.
* Der Ablauf: Die Walliser Behörden sprechen von einem plötzlichen Brand, einem so genannten Flashover. Dieses sich plötzlich ausbreitende Feuer habe eine oder mehrere Explosionen ausgelöst. Unter einem Flashover wird der schlagartige Übergang von einem lokal begrenzten Feuer zu einem Vollbrand verstanden. Ein Brand kann beispielsweise bei einem Gerät in einem Raum beginnen. Staut sich Hitze an der Decke eines Raumes, breiten sich Rauchgase im Raum aus, und es wird sehr schnell mehrere hundert Grad heiss. Das kann dazu führen, dass schlagartig weitere brennbare Gegenstände gleichzeitig zu brennen beginnen und sich die Flammen rasend schnell ausbreiten. Ist es soweit, ist ein Überleben kaum noch möglich. Die Situation ist auch für ausgerüstete Feuerwehrleute lebensgefährlich.
* Die Rettungsarbeiten: Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) setzte nach dem Brandalarm in der Nacht zehn Helikopter, 40 Ambulanzen und über 150 medizinischen Rettungskräfte ein, um die Verletzten zu versorgen und in die verschiedenen Spitäler zu transportieren.
* Internationale Unterstützung: Bundespräsident Guy Parmelin sprach am Neujahrstag den Helferinnen und Helfern seine Anerkennung aus. Weiter dankte er allen Ländern, die den Schweizer Behörden ihre Unterstützung zusicherten. Italiens Aussenminister Antonio Tajani reiste am Freitag ins Wallis und lobte vor Ort die Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden.
* Die Reaktionen: Die Fahnen auf dem Bundeshaus wurden für fünf Tage auf Halbmast gesetzt. Verschiedene Kantone und Städte folgten dem Beispiel. Der Europarat in Strassburg setzte als Geste der Solidarität und Trauer die Schweizer Flagge auf Halbmast. In Crans-Montana nahmen am Neujahrsabend rund 400 Personen an einer Messe zu Ehren der Opfer der Brandkatastrophe teil. Die Zeremonie leitete der Bischof von Sitten VS, Jean-Marie Lovey. Auch am Freitag gedachten zahlreiche Passanten am Rand des komplett abgeriegelten Quartiers der Opfer. Auch international sorgte der verheerende Brand für Bestürzung. Zahlreiche Länder bekundeten ihre Solidarität mit der Schweiz.
Was wir nicht wissen
* Die Ursache: Was den Brand verursacht hat, ist unklar. Die Walliser Untersuchungsbehörden setzten alles daran, um die Hintergründe der Katastrophe auszuleuchten, sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud. Man wolle «so schnell und so umfassend wie möglich» Antworten auf die zahlreichen Fragen geben, die sich die betroffenen Familien stellten. Zum Hergang des Unglücks verfolge die Staatsanwaltschaft mehrere Hypothesen. Im Zentrum stehe, dass der ganze Raum Feuer gefangen habe und es dann zu einer Explosion gekommen sei. Mehrere Zeugen seien vernommen worden; zudem seien Mobiltelefone sichergestellt worden, die nun analysiert würden.
* Die Identität der Opfer: Über die Identität der Todesopfer und Verletzten ist wenig bekannt. Bestätigt wurden erst einzelne Namen, so gehört etwa der 16-jährige italienische Golfer Emanuele Galeppini zu den Verstorbenen. Die Identifizierung aller Opfer werde noch Zeit in Anspruch nehmen, sagte ein Walliser Polizeisprecher am Freitag zu Keystone-SDA.
(AWP)