Was wir wissen
* Das Unglück: In der zweistöckigen Bar «Le Constellation» brach in der Silvesternacht gegen 01.30 Uhr ein Grossbrand aus.
* Die Opfer: Nach aktuellem Kenntnisstand kamen 40 Menschen ums Leben. Ihre Identität ist noch nicht bekannt. 119 Personen wurden hospitalisiert; 113 von ihnen konnten bislang formell identifiziert werden. Darunter sind 71 Schweizerinnen und Schweizer, 14 französische und 11 italienische Staatsangehörige. Bei vielen Opfern handelt es sich um junge Menschen.
* Der Zustand der Verletzten: Die meisten Patientinnen und Patienten befinden sich wegen schwerer Brandverletzungen in kritischem Zustand. In Walliser Spitälern werden rund 60 Menschen behandelt. Weitere rund 60 wurden in andere Schweizer Spitäler verlegt, darunter in die beiden Spezialkliniken für Brandverletzungen am CHUV in Lausanne und am Universitätsspital Zürich.
* Hilfe aus dem Ausland: Wegen der vielen Opfer mit Schwerstverbrennungen hat die Schweiz die Aktivierung des EU-Katastrophenmechanismus beantragt. Über dieses Verfahren koordiniert die Europäische Union Hilfe bei grösseren Katastrophen in Mitgliedstaaten und gewissen Nicht-EU-Ländern. Geplant sei die Verlegung von rund 50 Patientinnen und Patienten in ausländische Fachkliniken, teilten die Behörden am Freitag mit. Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und weitere Länder haben Hilfe angeboten. Die Verlegungen sollten «in den kommenden Stunden und Tagen» erfolgen, hiess es am Freitagabend.
* Der Brand: Die Walliser Behörden sprechen von einem plötzlichen Brand, einem sogenannten Flashover. Darunter versteht man den schlagartigen Übergang von einem lokal begrenzten Feuer zu einem Vollbrand. Staut sich Hitze an der Decke eines Raumes, breiten sich Rauchgase im Raum aus, und es wird innert kurzer Zeit mehrere hundert Grad heiss. Die Situation ist selbst für ausgerüstete Feuerwehrleute lebensgefährlich.
* Die Hintergründe: Die Ermittler verfolgten «alle, wirklich alle Spuren», versicherte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Freitag vor den Medien. Keine Hypothese werde ausgeschlossen oder vernachlässigt. Einige Verdachtsmomente hätten sich bereits bestätigt. So deutet laut Pilloud alles darauf hin, dass das Feuer von «Wunderkerzen» ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke kamen. Die Staatsanwaltschaft sicherte Spuren vor Ort und wertete Videoaufnahmen aus. Zudem befragte sie überlebende Gäste und die beiden französischen Barbetreiber.
* Die Trauer: Die Fahnen auf dem Bundeshaus wurden am Neujahrstag für fünf Tage auf Halbmast gesetzt. Verschiedene Kantone und Städte folgten dem Beispiel. Der Bund kündigte an, auf seiner Website ein Kondolenzbuch aufzuschalten. Am kommenden Freitag (9. Januar) ist in Crans-Montana eine Feier zu Ehren der Verstorbenen und Verletzten geplant.
Was wir nicht wissen
* Zahl der Gäste: Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Brandausbruchs in der Bar aufhielten, ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht abschliessend geklärt.
* Die Todesopfer: Die Identifizierung der Toten ist wegen der starken Verbrennungen aufwändig. Sie dürfte laut Behörden noch einige Tage oder sogar Wochen in Anspruch nehmen.
* Die juristischen Folgen: Im Fokus der Ermittler stehen laut Staatsanwaltschaft nun insbesondere die Umbauten in der Bar, die verwendeten Materialien, die Betriebsgenehmigungen und die Sicherheitsvorkehrungen. Zu letzteren gehören Löschmittel, Brandschutzvorschriften und Evakuierungswege. Danach wird die Staatsanwaltschaft prüfen, ob eine strafrechtliche Verantwortung besteht. «Falls dem so ist und diese Personen identifiziert und noch am Leben sind, wird ein Verfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eröffnet», sagte Generalstaatsanwältin Pilloud.
(AWP)
