Was wir wissen
* Das Unglück: In der zweistöckigen Bar «Le Constellation» brach in der Silvesternacht gegen 01.30 Uhr ein Grossbrand aus.
* Die Opfer: Nach aktuellem Kenntnisstand kamen 40 Menschen ums Leben. Erst vier von ihnen wurden identifiziert, es handelt sich um zwei Schweizerinnen und zwei Schweizer im Alter zwischen 16 und 21 Jahren. Von den 119 verletzten Personen konnten bislang 113 formell identifiziert werden. Darunter sind 71 Schweizerinnen und Schweizer, 14 französische und 11 italienische Staatsangehörige.
* Der Zustand der Verletzten: Die meisten Patientinnen und Patienten befinden sich mit schweren Brandverletzungen in kritischem Zustand. In Walliser Spitälern werden rund 60 Menschen behandelt. Weitere rund 60 wurden in andere Schweizer Spitäler verlegt, darunter in die beiden Spezialkliniken für Brandverletzungen am CHUV in Lausanne und am Universitätsspital Zürich.
* Hilfe aus dem Ausland: Wegen der vielen Opfer mit schwersten Verbrennungen hat die Schweiz die Aktivierung des EU-Katastrophenmechanismus beantragt. Über dieses Verfahren koordiniert die Europäische Union Hilfe bei grösseren Katastrophen in Mitgliedsstaaten und gewissen Nicht-EU-Ländern. Insgesamt rund 50 Patientinnen und Patienten sollen innert weniger Tage in ausländische Fachkliniken verlegt werden, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und weitere Länder haben Hilfe angeboten.
* Der Brand: Die Walliser Behörden sprechen von einem plötzlichen Brand, einem sogenannten Flashover. Darunter versteht man den schlagartigen Übergang von einem lokal begrenzten Feuer zu einem Vollbrand. Hitze staut sich an der Decke eines Raumes, es breiten sich Rauchgase im Raum aus, und es wird innert kurzer Zeit mehrere hundert Grad heiss. Die Situation ist selbst für ausgerüstete Feuerwehrleute lebensgefährlich.
* Erste Erkenntnisse: Nach Abschluss der ersten Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft am Freitagabend eine Strafuntersuchung gegen das französische Betreiberpaar der Bar eröffnet. Den beiden werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud hatte am Freitag vor den Medien erklärt, alles deute darauf hin, dass das Feuer von «Wunderkerzen» ausging. Diese seien auf Champagnerflaschen angebracht gewesen und zu nahe an die Decke gekommen.
* Die Trauer: Die Fahnen auf dem Bundeshaus wurden am Neujahrstag für fünf Tage auf Halbmast gesetzt. Verschiedene Kantone und Städte folgten dem Beispiel. Der Bund schaltete auf seiner Website ein Kondolenzbuch auf. Am kommenden Freitag (9. Januar) ist in Crans-Montana eine Feier zu Ehren der Verstorbenen und Verletzten geplant.
Was wir nicht wissen
* Zahl der Gäste: Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Brandausbruchs in der Bar aufhielten, ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht abschliessend geklärt.
* Die Todesopfer: Die Identifizierung aller Toten ist wegen der starken Verbrennungen aufwendig. Die Kantonspolizei Wallis kündigte an, neue Informationen so bald wie möglich zu kommunizieren.
* Die nächsten Schritte: Die Ermittler legen ihren Fokus nun unter anderem auf den Lärmschutz-Schaumstoff, der an der Decke angebracht war. Generell untersuchen sie laut Staatsanwaltschaft insbesondere die Umbauten in der Bar, die verwendeten Materialien, die Betriebsgenehmigungen und die Sicherheitsvorkehrungen. Zu letzteren gehören Löschmittel, Brandschutzvorschriften und Evakuierungswege.
(AWP)