Als Risiken nannte der Manager die schwankenden Energiepreise, die Unsicherheiten im Welthandel, hohe Staatsschulden und die hohen Preise von Vermögenswerten. «Auch wenn wir nicht vorhersagen können, wie sich diese Risiken und Unsicherheiten letztlich auswirken werden, sind sie doch erheblich», sagte Dimon laut Zwischenbericht am Dienstag in New York. Deshalb bereite die Bankspitze das Institut auf ein breites Spektrum von Rahmenbedingungen vor.

Zwar übertrafen die drei US-Banken mit ihren Geschäftszahlen klar die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten, doch an der Börse ging es für zwei von ihnen zunächst abwärts. Kurz nach Handelsstart in New York büssten die JPMorgan-Aktien knapp ein Prozent und die von Wells Fargo sogar fast sieben Prozent ein. Die Papiere von Citigroup legten hingegen um rund zwei Prozent zu.

Damit erging es den Anteilseignern ähnlich wie denjenigen von Goldman Sachs am Montag: Die Aktien der Investmentbank waren nach insgesamt überraschend guten Geschäftszahlen mit Kursverlusten aus dem Handel gegangen, nachdem die Bank einen unerwarteten Einbruch im Anleihehandel gemeldet hatte.

Von einem Rückgang konnte bei JPMorgan keine Rede sein. Im Anleihehandel sprangen die Erträge um mehr als ein Fünftel auf fast 7,1 Milliarden Dollar nach oben und übertrafen noch die Erwartungen von Analysten. Im Aktienhandel betrug der Zuwachs immerhin 17 Prozent. Konzernweit sprangen die bereinigten Erträge sogar um 10 Prozent auf 50,5 Milliarden Dollar in die Höhe.

Allerdings rechnet Dimon für dieses Jahr jetzt mit einem geringeren Zinsüberschuss als zuletzt. Dieser soll nun mit 103 Milliarden Dollar nur so hoch ausfallen wie ursprünglich gedacht, nachdem der Manager seine Prognose im Februar auf 104,5 Milliarden Dollar angehoben hatte.

Auch Wells Fargo aus San Francisco legte im ersten Quartal merklich zu. Die Erträge wuchsen im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 21,4 Milliarden Dollar, getrieben von höheren Zins- und Provisionserträgen. Obwohl die Bank mit 1,1 Milliarden Dollar mehr Geld für drohende Kreditausfälle zur Seite legte, sprang der Überschuss um 7 Prozent auf 5,25 Milliarden Dollar nach oben.

Wie JPMorgan-Chef Dimon erwähnte auch Wells-Fargo-Chef Charlie Scharf die drohenden Folgen der gestiegenen Ölpreise, die sich nach seiner Einschätzung erst nach einer gewissen Zeit auf die Wirtschaft auswirken dürften. Allerdings sei Wells Fargo für verschiedene wirtschaftliche Szenarien gerüstet, sagte er am Dienstag. Er zeigte sich daher zuversichtlich, dass die Bank über ihre Geschäftsfelder hinweg weiter wachsen kann.

Citigroup-Chefin Jane Fraser erwähnte die weltweite Krise in ihrer Kurz-Stellungnahme hingegen mit keinem Wort und sprach von einem aussergewöhnlichen starken Start ins Jahr. Angesichts der jüngsten Geschäftsentwicklung sehe sie die Bank auf sehr gutem Weg, in diesem Jahr wie geplant eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 10 bis 11 Prozent zu erzielen. Im ersten Quartal lag diese Rendite sogar bei 13,1 Prozent.

So wuchsen die Erträge der Bank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 24,6 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn sprang sogar um 42 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar nach oben. Die Betreuung von Fusionen und Übernahmen trieb die Gebühreneinnahmen deutlich nach oben.

Fraser hatte Citigroup eine harte Sanierung verordnet, Ende 2024 den Abbau von 20.000 Jobs angekündigt und dabei mehrere Führungsebenen gestrichen. Zudem trennte sich die Bank von Geschäftsteilen. Damit sieht sich die Managerin jetzt auf der Zielgeraden: «Wir haben die Endphase unserer Verkäufe erreicht, und 90 Prozent unserer Umbauvorhaben sind jetzt nah an ihrem Zielzustand.»/stw/err/he

(AWP)