Zu diesem Schluss kam eine Panel-Diskussion anlässlich des «Tags der pharmazeutischen Industrie», welchen der Pharmaverband Interpharma in Zürich durchführte. «Zehn Prozent des Schweizer BIP stammen aus unserer Industrie», sagte Patrick Hober, President International bei Novartis in der Diskussion. Novartis habe im vergangenen Jahr 4,7 Milliarden Franken in Forschung und Entwicklung in der Schweiz investiert, knapp mehr als die Hälfte der gesamten F&E-Ausgaben.
Gleichzeitig verschieben sich die globalen Kräfteverhältnisse rasant. «Der chinesische Anteil an der weltweiten Pharma-Pipeline stieg von 15 Prozent im Jahr 2020 auf 45 Prozent Ende 2025», so Horber. Das sei «eine enorme Beschleunigung».
Die Schweiz drohe hingegen, ins Hintertreffen zu geraten. «Der Wert von Innovation wird nicht auf dem Niveau anerkannt, das international üblich ist», kritisierte Horber. Wenn neue Therapien im Erstattungssystem zu wenig abgebildet würden, «wandern Investitionen ab - und das passiert bereits. Dann erreicht Innovation die Schweiz nicht mehr».
Umdenken gefragt
Ein Kernproblem sei, dass der Bund Reformbedarf zwar erkenne, aber nicht mit der nötigen Konsequenz handle. Die globale Dynamik in der Pharmaforschung lasse keine langen politischen Prozesse zu. Wenn die Schweiz zu zögerlich handle, bleibe der Standort langfristig auf der Strecke.
Horber bewertet die Haltung des Bundes bei der Preisgestaltung von Medikamenten als problematisch. Aus seiner Sicht versucht die Schweiz, gleichzeitig ein führender Standort für Life Sciences zu bleiben und dennoch die Preise immer weiter zu senken - zwei Ziele, die sich in der Praxis kaum vereinbaren lassen.
Er macht deutlich, dass die Behörden bei der Festlegung von Preisen zunehmend auf kurzfristige Kostendämpfung fokussieren, anstatt die Bedingungen für langfristige Innovation zu sichern. Wenn der Staat den Wert neuer Therapien nicht ausreichend berücksichtigt und den Wert von Innovation anerkenne, führt das aus seiner Perspektive faktisch dazu, dass Investitionen in der Schweiz unattraktiver werden.
Auch beim Zugang zu neuen Medikamenten verlangt Horber ein Umdenken. Der Bund müsse akzeptieren, dass die Schweiz im internationalen Umfeld nicht isoliert agieren könne. Andere Länder schüfen schnellere, innovationsfreundlichere Zugangsmodelle - die Schweiz hingegen verliere an Tempo. Dadurch rutsche die Schweiz bei Erstzulassungen und Markteinführungen ab, was wiederum weniger Studien und weniger Investitionen nach sich ziehe.
Swissmedic-Direktorin Vincenza Trivigno, welche ebenfalls am Panel teilnahm, wies die Kritik teilweise zurück und betonte, die Behörde habe ihre Prozesse bereits spürbar beschleunigt. Man arbeite sehr konkret daran, klinische Studien und Zulassungsverfahren weiter zu straffen. Gleichzeitig warnte sie davor, die Verantwortung allein bei Swissmedic zu suchen: Viele Verzögerungen entstünden im politischen Umfeld oder durch internationale Abhängigkeiten. «Wir können regulatorisch viel optimieren, aber gewisse Rahmenbedingungen liegen ausserhalb unseres Einflusses», so Trivigno.
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(AWP)
