Eine zuvor vom Weltwirtschaftsforum (WEF) eingeleitete Überprüfung durch externe Anwälte wegen der Nähe von Brende zu Epstein habe gezeigt, dass keine weiteren Kontakte zum Sexualstraftäter bestanden hätten, als Brende bereits selbst offengelegt hatte. Das schrieb das WEF am Donnerstag in einem Communiqué.

Der CEO erklärte Anfang Februar, er habe 2018 während eines Besuchs in New York eine Einladung vom ehemaligen norwegischen Vize-Ministerpräsidenten und Uno-Gesandten für den Nahen Osten und Nordafrika, Terje Rød-Larsen, erhalten, «sich ihm zu einem Abendessen mit einer Person anzuschliessen, die als US-amerikanischer Investor, Jeffrey Epstein, vorgestellt wurde.»

An diesem Treffen hätten auch andere Führungspersönlichkeiten teilgenommen. Im darauffolgenden Jahr habe er an zwei ähnlichen Abendessen mit Epstein teilgenommen, gemeinsam mit weiteren Diplomaten und Wirtschaftsvertretern. Diese Abendessen sowie einige E-Mails und SMS hätten «den gesamten Umfang des Kontakts dargestellt», betonte Brende damals. Er habe keinerlei Kenntnis von Epsteins Vergangenheit und kriminellen Aktivitäten gehabt.

«Hätte ich seinen Hintergrund gekannt, hätte ich die ursprüngliche Einladung abgelehnt sowie jede weitere Einladung zu Abendessen oder andere Kommunikationsformen», sagte Brende damals. Der WEF-CEO räumte ein, er hätte «eine gründlichere Überprüfung von Epsteins Vergangenheit durchführen können» und bedauere, dies nicht getan zu haben.

Arbeit ohne Ablenkung

Die Kontakte wurden Brende nun zum Verhängnis - er gab am Donnerstag seinen Rücktritt als CEO bekannt. André Hoffmann und Larry Fink, die Co-Präsidenten des Forums, würdigten darin Brendes Engagement fürs WEF. Achteinhalb Jahre stand der Norweger dem Forum vor und führte es durch eine «entscheidenden Reformphase, die zu einem erfolgreichen Jahrestreffen in Davos führte», wie die Präsidenten schrieben.

Brende dankte am Donnerstag den Co-Präsidenten für ihre Unterstützung. Er sei stolz auf die gemeinsamen Erfolge, schrieb er. Doch es sei nun der richtige Moment für das WEF «dessen wichtige Arbeit ohne Ablenkung fortzusetzen», weswegen er sich zum Rücktritt entschieden habe.

Zwinggi wollte eigentlich in den Ruhestand

Die Co-Präsidenten gaben sogleich bekannt, dass der WEF-Direktor Alois Zwinggi ad interim das Amt des CEO übernimmt. Zwinggi wollte eigentlich bereits in diesem Jahr von seinem Posten zurücktreten - wird er 2026 doch pensioniert. Bereits im Januar gab er aber bekannt, aufgrund der Swissness zu verlängern. Zwinggi ist der einzige Schweizer in der WEF-Leitung.

«Ich muss nachsitzen», scherzte Zwinggi im Gespräch mit Keystone-SDA noch im Januar dieses Jahres. Er werde vermutlich bis 2028 beim WEF bleiben, hiess es damals. Grund dafür war die Zusammenarbeit zwischen dem WEF und der Schweiz. Als einziger Schweizer sehe er sich in einer Botschafterrolle. Ziel sei es, Stabilität zu vermitteln und die langjährige Kooperation mit nationalen und regionalen Behörden fortzuführen. Eine Nachfolge müsse zwingend aus der Schweiz stammen.

Neuer Direktor und CEO gesucht

Der WEF-Vorstand muss nun also einen neuen Schweizer Direktor und einen neuen CEO suchen. Diesen Führungswechsel gelte es zu überwachen, einschliesslich des Plans, einen ordnungsgemässen Prozess zur Bestimmung eines dauerhaften Nachfolgers voranzutreiben, schrieben Fink und Hoffmann weiter.

(AWP)