In Graubünden sei die Trockenheit in den Weinbergen gut spürbar, aber auf uneinheitliche Weise, sagt der kantonale Rebbaukommissär Walter Fromm gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Westlich von Maienfeld und östlich von Fläsch seien die Gebiete mit leichten Böden und entsprechend geringer Wasserspeicherfähigkeit der Trockenheit am stärksten ausgesetzt.

Die jungen Reben litten dort am meisten, da ihre Wurzeln noch nicht tief genug seien, führt der Experte aus. Der Blauburgunder (Pinot noir) reagiere auch am empfindlichsten auf Trockenstress, besonders während der Entwicklung der Beeren, während sich der Merlot als robuster erweise.

Um die Reben zu schützen, vermeidet man es, die Rebberge zu stark zu entlauben, um Sonnenbrand vorzubeugen, wie der Experte sagt. Die Winzer pflegten auch den Boden, um die Verdunstung einzuschränken, und passten die Begrünung an, um die Konkurrenz um das Wasser zu verringern. Wo es erlaubt sei, werde punktuell bewässert.

Tropfen für Tropfen

Ähnlich ist die Situation in Schaffhausen und im Thurgau: Die Lagen mit leichten und kiesigen Böden leiden, während die tiefgründigen Böden des Klettgaus verschont bleiben, wie Rebbaukommissär Hansueli Pfenninger sagt. Er ist zuständig für die beiden Rheinkantone und wirkt als Berater für den Kanton Zürich.

Auch hier seien die jungen Reben von der Trockenheit betroffen und müssten bewässert werden. Für die Sorte Müller-Thurgau könne die Trockenheit ein Problem darstellen, und sie schade dem Aromaprofil des Sauvignon Blanc.

Auf durchlässigen Böden greife man immer mehr zur Tröpfchenbewässerung, so Pfenninger. Damit werde ein Qualitätsverlust in Trockenperioden vermieden. Wie andernorts bleibe das Entlauben moderat, um Schatten zu gewährleisten.

Trockenheit als wertvoller Verbündeter

Paradoxerweise bietet der Wassermangel auch erhebliche Vorteile, da er das Risiko von Pilzkrankheiten reduziert, insbesondere von Mehltau, wie Fromm erklärt. Die Hitze begünstige zudem die Zuckerkonzentration.

Die Trauben blieben generell gesünder, da die Fäulnisrisiken geringer seien. Bis jetzt seien die Befälle im Jahr 2026 sehr moderat gewesen, und somit würden die Pflanzenschutzbehandlungen deutlich reduziert, pflichtet Pfenninger bei.

Die extremen Temperaturen nützten bis in die Zentralschweiz späten Rebsorten wie Merlot, Blaufränkisch oder Cabernet Sauvignon, sagt auch Nicole Theiler, Luzerner Rebbaukommissärin. Sie erinnert daran, dass die Rebe den Wassermangel dank ihrer tiefen Wurzeln besser toleriere als andere Kulturen.

Spitzenjahrgang in Aussicht

Die Hitzerekorde deuten auch auf eine frühe Lese hin. Entlang des Rheins sollte sie Ende August beginnen, wie 2003 und 2018. Im Kanton Zürich weist der Weinberg einen Vorsprung von ein bis zwei Wochen gegenüber dem langjährigen Mittel auf.

Die Prognosen für den Jahrgang 2026 klingen vielversprechend, sofern keine neuen Wetterextreme eintreten. In Graubünden werde das Jahr, wenn noch ein paar moderate Regenfälle fallen, dem hervorragenden Jahrgang 2018 gleichkommen, prognostiziert Fromm.

Gleiches gilt für Schaffhausen und den Thurgau - vorausgesetzt, die Reben leiden nicht übermässig unter Durst. Laut dem Verantwortlichen kündigt sich die Qualität als aussergewöhnlich an, vergleichbar mit 2018 oder gar 2003.

(AWP)