Die Zölle auf Schweizer Exporte nach Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay könnten wegen des Freihandelsabkommens erheblich gesenkt werden. Im Gegenzug würden mehr Fleisch und Weine aus diesen Ländern in die Schweiz importiert werden.
Nicht weniger als dreitausend Tonnen Rindfleisch und tausend Tonnen Geflügel zusätzlich könnten so die Schweizer Grenze passieren, wobei die Kontingente unter zwei Prozent des Gesamtverbrauchs liegen müssen.
Eine Kennzeichnung, «die funktioniert»
Die Ladenprodukte würde eine solche Erhöhung nicht revolutionieren, meint Hansjürg Jäger, Dozent für Agrarpolitik und Agrarmärkte an der Hochschule für Land-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Bern. Denn die Schweiz, die nicht autark sei, führe schon heute Produkte aus diesen Ländern ein.
Per Gesetz sind Händlerinnen und Händler dazu verpflichtet, mit der Kennzeichnung «» deutlich darauf hinzuweisen, wenn von ihnen verkauftes Fleisch gegen geltende Schweizer Standards - zum Beispiel den Einsatz von Hormonen oder Antibiotika - verstosse.
Keine Rückverfolgbarkeit in Restaurants
Die grösste Gefahr liegt woanders, und zwar im stark wachsenden Geflügelmarkt und dem Verzehr davon im Take-away-Segment. Die Schweiz ist laut dem letzten Agrarbericht bei Geflügel zu 60 Prozent autark. Weisses Fleisch hingegen muss muss in grossem Umfang importiert werden.
Dabei lässt die Rückverfolgbarkeit von Fleisch in Restaurants zu wünschen übrig, wie eine Untersuchung der Fédération romande des consommateurs (FRC) zeigt. Das Ergebnis: Konsumenten würden unwissentlich mit Antibiotika vollgepumptes brasilianisches Geflügel essen, beklagt Laurianne Altwegg, Leiterin für Landwirtschaft, Energie und Umwelt bei der FRC.
Das ist ein Problem, denn der Konsument würde dieses Fleisch wohl nicht wählen, wenn er richtig informiert wäre. Die im Abkommen vorgesehenen Kontingente seien zwar nicht riesig, es handle sich hier aber um eine verpasste Gelegenheit, die derzeit unbefriedigende Situation zu verbessern, erklärt sie.
Preisverfall bei Edelfleisch
Die Preise für diese Produkte könnten sinken. Die Landwirte haben sich bereits zu Wort gemeldet, um den Sektor zu schützen. Sie befürchten, dass die Preise für diese Produkte wegen des Abkommens sinken könnten.
Dominique Barjolle zeigt sich sehr besorgt um die Vergütung von Produzenten edler Fleischstücke von hochwertigen Fleischrassen, beispielsweise von Charolais-Rindern.
«Die Herkunft dieser Stücke aus dem Mercosur macht bereits mehr als vierzig Prozent der Einkäufe der Konsumenten in der Schweiz aus», erklärt die Ökonomin und Agronomin, die als Forschungsleiterin an der Universität Lausanne tätig ist. Und: «Dreitausend Tonnen zollfrei stellen einen Sog für dieses Fleisch dar und werden die Preise höchstwahrscheinlich deutlich nach unten ziehen.»
Gefahr für den Wein
Im Abkommen ebenfalls umstritten ist der Aspekt der Weinimporte. Schon heute haben Schweizer Winzer Mühe, über die Runden zu kommen. Sie befürchten nun, dass die deutlich günstigeren Weine aus Südamerika zu unlauterem Wettbewerb führen könnten.
(AWP)
