Ein wichtiger Grund für den Rückgang ist die Normalisierung der Verbraucherpreise nach der Inflationskrise. Nach deren Höhepunkt hatte es im Jahr 2023 laut WSI 312 Arbeitskämpfe gegeben und rund 1,5 Millionen Arbeitstage waren ausgefallen. Die Gewerkschaften hatten damals für besonders hohe Abschlüsse gekämpft, um die Folgen der Inflation für die Beschäftigten zu dämpfen.

Gewerkschaften kämpfen um Tarifbindung

Ausserdem fanden 2025 in der dominanten Metall- und Elektroindustrie keine Tarifverhandlungen statt - diese Branche mit 3,7 Millionen Beschäftigten prägt die Streikstatistik sonst erheblich.

Erstmals untersuchten die Sozialwissenschaftler exakter die Ziele der Arbeitskämpfe. Rund die Hälfte drehte sich ausschliesslich um höhere Gehälter. In jedem vierten Konflikt (25 Prozent) kämpften Beschäftigte um die erstmalige Tarifbindung ihrer Unternehmen. «Gewerkschaften müssen somit einen erheblichen Teil ihrer Ressourcen dafür aufwenden, der Tarifflucht der Unternehmen entgegenzuwirken», schreiben die Studienautoren Thilo Janssen und Heiner Dribbusch.

Kurze Warnstreiks dominieren

Vor allem in der Industrie nehmen Konflikte um Umstrukturierungen zu. 14 dieser 20 Arbeitskämpfe entfielen auf die IG Metall, wie zum Beispiel bei Ford in Köln. Der längste unbefristete Streik 2025 war der 85-Tage-Kampf beim Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich , bei dem ein Sozialtarifvertrag erreicht wurde. Unbefristete Erzwingungsstreiks bleiben aber mit sieben Fällen (0,3 Prozent) die absolute Ausnahme. Es dominieren kurze Warnstreiks, die auf einen Betrieb beschränkt sind, mit einem Anteil von 70 Prozent.

Im internationalen Streikvergleich liegt Deutschland weiterhin im Mittelfeld. Zwischen 2015 und 2024 fielen hierzulande durchschnittlich 22 Arbeitstage pro 1.000 Beschäftigte aus. Finnland, Frankreich, Belgien und Kanada führen die Rangliste mit 92 bis 100 Tagen an./ceb/DP/zb

(AWP)