Auch das interne Frühwarnsystem solle verbessert werden, um Hinweise auf Fehler in Sendungen schneller zu erkennen und ihnen nachgehen zu können. Im Fernsehrat diskutierten die Mitglieder über den Umgang mit redaktionellen Fehlern und die Verantwortung des Senders.
Fehler in Beitrag des «heute journal»
In einem Beitrag für das ZDF-«heute journal» wurden Mitte Februar Videosequenzen gezeigt, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt und nicht als solche gekennzeichnet waren. Es ging um Einsätze der US-Migrationsbehörde ICE und Abschiebungen von Minderjährigen. Zum anderen wurde eine Szene mit realen Aufnahmen gezeigt, die jedoch aus einem anderen Kontext aus dem Jahr 2022 stammten und nicht von einem aktuellen ICE-Einsatz. Das ZDF entschuldigte sich später für den Fehler.
ZDF-Intendant Norbert Himmler sprach in der Sitzung des Gremiums von einem «gravierenden Vorgang». «Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut», sagte er. Auch mit entsprechender Kennzeichnung hätten die KI-Bilder in diesem Kontext nicht verwendet werden dürfen. Die Verstösse gegen Richtlinien und Standards seien so schwerwiegend gewesen, dass die für den Beitrag verantwortliche New-York-Korrespondentin abberufen worden sei. «Ein harter, aber meiner Ansicht nach an dieser Stelle auch sehr notwendiger Schritt», sagte Himmler.
Es habe auch grosse Mängel bei der Aufarbeitung des Fehlers am ersten Tag gegeben, sagte der Intendant. «Es hat einfach zu lange gedauert, bis die handwerklichen Fehler im »heute journal« vom 15. Februar und auch deren Tragweite erkannt wurden. Auch daraus müssen wir lernen und unsere Konsequenzen ziehen.»
Mehr «handmade» gegen KI-Zweifel
Chefredakteurin Schausten stellte die Bedeutung von selbstgedrehtem Material in den Fokus. «Denn wir drehen ja viel selbst im Inland und im Ausland.» Sie sehe eine Chance als öffentlich-rechtlicher Rundfunk, wenn man mit einer «stärkeren Betonung des Eigenmaterials» sagen könne, das sei alles «handmade».
Schausten sprach auch davon, dass es eine Lernkultur brauche, «in der Fehler schnell zugegeben werden und nicht erst noch mal Erklärungen gesucht werden». Man müsse diese Fehler dann anschliessend auch sehr konsequent aufarbeiten und korrigieren.
Das sind die fünf Handlungsfelder, die Chefredakteurin Schausten vorstellte:
1. Wissen zu Künstlicher Intelligenz im redaktionellen Zusammenhang systematisch und nachhaltig stärken
2. Ausbau der Kompetenzen zur Verifikation von Bildmaterial in den Redaktionen
3. Fremdmaterial wird nur im Rahmen einer verbindlichen Quellenhierarchie ausgestrahlt
4. Abnahmeprozesse für Beiträge an die Herausforderungen des Digitalen anpassen
5. Fehlerkultur stärken, in der Fehler transparent benannt, konsequent aufgearbeitet und korrigiert werden
Diskussion im Fernsehrat
Anschliessend debattierte der ZDF-Fernsehrat rund eine Stunde über den fehlerhaften Beitrag und den Umgang des öffentlich-rechtlichen Senders damit. Im Fernsehrat sitzen Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, er befasst sich unter anderem mit Programmbeschwerden.
ZDF-Fernsehratsmitglied Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), wies darauf hin, dass das vorsätzliche Fehlverhalten der Redakteurin von Dritten aufgedeckt worden sei und erst dadurch der Prozess vorangetrieben werden konnte. Und diese Dritten seien «wie ich den Kommentierungen in den Printmedien aber auch in Ihrer Personalversammlung entnehme, identifiziert worden als - ich will das mal salopp formulieren - aus der Schmuddelecke des deutschen Journalismus kommend.»
Kampeter bat Intendant und Chefredakteurin, bei der Aufarbeitung auch die Kritik von aussen zu berücksichtigen, auch wenn man sie nicht teilen müsse. Er betonte, dass es dabei nicht darum gehe, die Qualität der Kritiker zu bewerten, sondern Verantwortung zu übernehmen und die Ernsthaftigkeit der Sache anzuerkennen.
ZDF-Fernsehratsmitglied Nathanael Liminski, NRW-Medienminister (CDU), begrüsste den Massnahmenkatalog. Er finde ihn sehr überzeugend, weil damit auch die Grundsätzlichkeit des Vorfalls deutlich werde, sagte Liminski. Zugleich äusserte er Sorgen: Es dürfe keine Umgebung geben, in der «Qualität nicht mehr ganz so viel zählt, solange die Botschaft stimmt.» Wichtig sei, dass in den redaktionellen Abläufen genug Kontrolle stattfinde, damit nicht Bilder ausgewählt werden, nur weil sie zu einer Haltung passen.
Kontrolle bei Bildauswahl
Die stellvertretende Vorsitzende des Fernsehrats, Katrin Kroemer vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV), erklärte hingegen, dass es zum journalistischen Alltag gehört, Material zu einem Thema zu suchen. «Also wenn ich im Lokalen eine verstopfte Kreuzung darstellen will, wo es Ausbaupläne gibt, dann suche ich schon ein Bild, wo viele Autos drauf sind», sagte sie. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, beim ZDF würden Menschen arbeiten, denen egal sei, wie sie ihre eigene moralische Setzung hinterher mit Bildern unterlegen würden.
ZDF-Intendant Himmler ergänzte nach der Debatte: «Wir haben keine Botschaft zu vermitteln in unserer Nachrichtensendung. Wir haben zu sagen, was ist, und einzuordnen, was ist, und das durch Dinge zu belegen, die auch tatsächlich in Bild und Ton authentisch sind.»/hus/DP/jha
(AWP)
