Nach dem starken Anstieg um fast 40 Prozent im Jahr 2024 haben sich die Zahlen auf hohem Niveau stabilisiert, wie die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) und die Nichtregierungsorganisation Humanrights mitteilten.

Es sei schwer zu sagen, ob der Rassismus in der Schweiz wirklich zunehme, da es keine genauen Umfragen gibt, sondern es sich lediglich um Meldungen handle, sagt Nora Riss, Leiterin des Beratungsnetzwerks, im Gespräch mit Keystone-SDA. Für sie deuten diese Zahlen vor allem darauf hin, dass die Beratungsstellen immer bekannter werden und die Menschen vermehrt Rat suchen.

Laut einer Umfrage der Fachstelle für Rassismusbekämpfung (FRB) des Bundes gaben im Jahr 2024 17 Prozent der Wohnbevölkerung der Schweiz an, in den letzten fünf Jahren Opfer rassistischer Diskriminierung geworden zu sein.

Meistens in der Schule und am Arbeitsplatz

Nach Ansicht von Riss ist die grosse Mehrheit der Betroffenen zwischen 26 und 65 Jahre alt. Doch wie bereits 2024 ereigneten sich die erfassten Fälle am häufigsten im Bildungsbereich (22 Prozent), insbesondere in der obligatorischen Schulzeit. In diesem Bereich ging es mehrheitlich um Meldungen von Rassismus gegenüber Schwarzen (41 Prozent), gefolgt von antimuslimischem Rassismus (25 Prozent) und Fremdenfeindlichkeit (20 Prozent).

Mit 17 Prozent der gemeldeten Fälle liegt der berufliche Bereich an zweiter Stelle. Hier ist der stärkste Anstieg zu verzeichnen (plus 3 Prozentpunkte). Laut der EKR und Humanrights greifen Autoritätspersonen wie Arbeitgeber oder Lehrkräfte «bei rassistischen Vorfällen nicht systematisch ein und gewährleisten den Betroffenen keinen angemessenen Schutz».

Für Nora Riss lässt sich dieser Anstieg in den Institutionen durch fehlende interne Massnahmen erklären. Es bräuchte eine Kontaktperson, an die man sich anonym wenden kann und die für die Mediation zuständig ist, sagt sie.

Diese von den Organisationen dokumentierten Fälle rassistischer Übergriffe stellten nur die Spitze des Eisbergs dar, heisst es in der Medienmitteilung.

Starker Anstieg des antimuslimischen Rassismus

Die über alle Bereiche hinweg am häufigsten gemeldeten Diskriminierungsmotive sind nach wie vor Rassismus gegenüber Schwarzen (33 Prozent) und Fremdenfeindlichkeit (30 Prozent). Erneut sei ein deutlicher Anstieg der Fälle von antimuslimischem Rassismus zu beobachten (23 Prozent im Jahr 2025 gegenüber 17 Prozent im Jahr zuvor).

Laut Riss könnte dieser Anstieg vor allem dadurch erklärt werden, dass seit 2025 der Verband islamischer Organisationen in der Schweiz dem Beratungsnetzwerk beigetreten ist. Zudem würden Fälle von antimuslimischem Rassismus nur unzureichend gemeldet. «Viele Menschen kennen die Beratungsstellen nicht oder vertrauen ihnen nicht; vielleicht ändern sich diese Tendenzen», fügt sie hinzu.

Weitere Diskriminierungsgründe sind Rassismus gegenüber Menschen aus der arabischen Welt (9 Prozent), Rassismus gegenüber Menschen asiatischer Herkunft (8 Prozent) und Antisemitismus (5 Prozent).

(AWP)