Die Zahl der in der Region Zürich tätigen Banken ist zwar seit 2017 von 89 auf 78 Institute geschrumpft, sagte Kai Trümpler von Oliver Wyman am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Die Beschäftigung des gesamten Finanzsektors habe gemäss einer im Auftrag des Bankenverbands erstellten Studie des Beratungsunternehmens jedoch zugenommen.
Per Ende 2024 zählte der Sektor inklusive Versicherungen und anderer Finanzdienstleister mehr als 102'000 Vollzeitstellen. Das entspricht einem Anstieg von 12 Prozent im Vergleich zu 2015. Einschliesslich indirekter Beschäftigung belief sich die Zahl 2023 auf rund 180'000 Vollzeitstellen. Neuere Daten dazu liegen nicht vor.
Wichtige Steuerzahler
Auch beim Steuersubstrat bleibt die Branche laut Studie von grosser Bedeutung. Banken und Versicherungen tragen knapp die Hälfte zu den Unternehmenssteuereinnahmen der Stadt Zürich bei. Auf kantonaler Ebene liegt dieser Anteil bei rund 40 Prozent.
Der Finanzsektor generiert zudem gut 16 Prozent der gesamten regionalen Wertschöpfung. Damit bewegt sich Zürich auf Augenhöhe mit internationalen Finanzzentren wie London, Hongkong oder Luxemburg. Bezogen auf die Stadt Zürich liegt der Anteil sogar bei 26 Prozent.
Stabilität und Franken als Standortvorteile
Nach dem Verschwinden der Credit Suisse wurden zeitweise höhere Zahlen stellensuchender Banker gemeldet. Grosse Sorgen bereitet dies dem Geschäftsführer des Zürcher Bankenverbands, Christian Bretscher, allerdings nicht: «Der grösste Teil kommt bestimmt wieder unter», sagte er.
Auch jüngste globale Unsicherheiten - etwa geopolitische Spannungen oder Handelskonflikte - könnten dem Finanzplatz in die Hände spielen. «Der Schweizer Finanzplatz wird tendenziell gewinnen», so Bretscher. Als Vorteile nannte er die Stabilität und den starken Franken.
Handlungsbedarf identifiziert
Gleichzeitig ortet der Verband «erheblichen Handlungsbedarf». Insbesondere Investitionen in Technologie, Datenkompetenz und die Förderung von Talenten seien entscheidend. Andernfalls drohten geringeres Wachstum, sinkende Steuereinnahmen und ein Verlust von Arbeitsplätzen.
Zentral sei zudem die Sicherung der Standortattraktivität. Bretscher fordert deshalb eine «zielgerichtete Bankenregulierung mit Augenmass». Die Politik dürfe die Rahmenbedingungen nicht schleichend verschlechtern.
Kritisch äusserte er sich zu möglichen höheren Kapitalanforderungen für die UBS. Diese seien «unverständlich». Auch Aussagen aus der Finanzmarktaufsicht, wonach die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit nicht zu deren Aufgaben gehöre, bezeichnete Bretscher als «schon fast frivol».
ra/ys
(AWP)
