Überraschende Wende im Streit um die Wohnungskündigungen in den «Sugus-Häusern» beim Zürcher Hauptbahnhof: Das Mietgericht ist wegen nicht erfüllter Prozessvoraussetzungen nicht auf die Klage der Vermieterinnen der «Sugus-Häuser» gegen die Mieterinnen und Mieter von 26 Wohnungen eingetreten, wie das Gericht am Dienstag mitteilte.
Laut der Mitteilung das Gerichts haben es die Vermieterinnen versäumt, in ihrer Klage die Gegenparteien sowie den Streitwert genau zu bezeichnen. Dies sei jedoch zwingend, auch bei Verfahren um Kündigungen, die gegen eine Vielzahl von Mieterinnen und Mieter ausgesprochen wurden.
Kündigungen als missbräuchlich beurteilt
Für die betroffenen Mietparteien tritt nun deshalb der Entscheidvorschlag der Schlichtungsbehörde in Kraft. Gemäss diesem waren die ausgesprochenen Kündigungen ungültig. Die Behörde erachtete die Kündigungen als missbräuchlich. Die Vermieterin begründete die Kündigungen mit einer geplanten Totalsanierung. Konkrete Pläne dafür lagen damals jedoch nicht vor.
Wie es mit dem Rechtsstreit um die Kündigungen weitergeht, ist derzeit offen. Der Entscheid des Mietgerichts kann beim Obergericht des Kantons Zürich angefochten werden.
Die Mieterinnen und Mieter der drei betroffenen «Sugus-Häuser» haben Ende November 2024 eine erste Kündigung erhalten, derzufolge sie per Ende März 2025 hätten ausziehen müssen. In einer zweiten Kündigung Ende Dezember wurde der Auszug per Ende September 2025 gefordert.
Demo gegen Kündigungen
Der Fall erlangte grosse Aufmerksamkeit in den Medien, weil er als besonders drastisches Beispiel einer Leerkündigung galt. An einer Kundgebung gegen die Kündigungen im Dezember 2024 solidarisierten sich mehrere hundert Personen mit den Betroffenen. Auch die Stadt zeigte sich zwischenzeitlich interessiert an einem Kauf der Häuser.
Die unweit des Zürcher Hauptbahnhof gelegenen «Sugus-Häuser» erhielten ihren Übernamen aufgrund ihrer bunten, quadratischen Fassaden. Sie wurden in den 1990er-Jahren vom Immobilienunternehmer Leopold Bachmann gebaut. Er wollte mit dem Bauprojekt preisgünstige Wohnungen anbieten.
Bachmann starb Ende 2021, seine drei Kinder erbten unter anderem die insgesamt neun «Sugus-Häuser». Die drei Häuser, die leergekündigt werden sollen, gehören Bachmanns Tochter Regina Bachmann.
(AWP)
