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Die Aktien von Meyer Burger bekunden sichtlich Mühe. Gestern Montag wurden zeitweise Kurse von weniger als einem Rappen bezahlt. So günstig waren die Valoren des Solarunternehmens überhaupt noch nie zu haben. Es macht ganz den Anschein, als sei die kürzlich durchgeführte Kapitalerhöhung noch immer nicht ganz absorbiert.

Apropos Kapitalerhöhung: Wie aus einer Offenlegungsmeldung an die SIX Swiss Exchange hervorgeht, hat sich der norwegische Staatsfonds im grossen Stil Aktien angelacht. Neuerdings halten die Skandinavier fast vier Prozent an Meyer Burger.

Interessant erscheint mir, dass die Meldepflicht auf die Tage unmittelbar nach der Aktienzuteilung aus der Kapitalerhöhung zurückgeht. Das wiederum lässt erahnen, dass selbst dann noch munter am Aktienpaket geschnürt wurde.

Eigentlich wird dem norwegischen Staatsfonds ja nachgesagt, eher passiv – sprich indexnah – anzulegen. Doch ab und an machen die Skandinavier auch Ausnahmen. So wohl auch bei Meyer Burger. Man könnte schon beinahe behaupten, sie hätten eine Schwäche für "Spezialsituationen".

Kurszerfall bei den Aktien von Meyer Burger über die letzten Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Verhält es sich bei Meyer Burger wie bei anderen "Spezialsituationen", dann ist auch im Fall des Solarunternehmens bloss von einem kurzen Gastspiel im Grossaktionariat auszugehen. Auf den Einstandspreis der erworbenen Aktien bezogen, sind die Skandinavier womöglich bereits ziemlich in der Miese. Ihre Hoffnung auf das schnelle Geld dürfte schwinden und viel Geduld gefragt sein. Für gewöhnlich dauert es nämlich eine ganze Weile, bis eine Kapitalerhöhung von diesem Ausmass überhaupt "verdaut" ist...

...und für Firmenchef Gunter Erfurt fängt der Produktionsaufbau in Übersee gerade erst an. Erste wertvolle Erfahrungen hierfür konnte er ja in seiner alten Heimat sammeln. Das wiederum sollte ihm nun zu gute kommen, wobei nicht vergessen gehen sollte, dass es sich bei der Produktionsverlagerung nach Übersee ja eigentlich um einen Plan-B für den ursprünglichen Plan-B (Einstieg in die Produktion von Solarzellen und -module) handelt.

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Neuerdings überbieten sich die Banken und ihre Analysten bei uns am Schweizer Aktienmarkt gegenseitig mit immer spektakuläreren Kaufempfehlungen und Kurszielerhöhungen. Ich denke da etwa an eine Erstabdeckung für die Aktien von Leonteq mit einem Kursziel von 70 Franken durch einen Analysten oder für jene der Versandapotheke DocMorris mit einem Kursziel von 130 Franken durch einen Berufskollegen. Das Ganze hat schon beinahe olympischen Charakter, getreu dem Leitspruch: Citius, altius, fortius.

Dem steht man bei Stifel in nichts nach. Denn obschon der Aktienkurs von Rieter im bisherigen Jahresverlauf bereits um fast 50 Prozent zulegen konnte, nimmt der zuständige Analyst Christian Arnold sein Kursziel für die Valoren nochmals kräftig nach oben. Nach einer Erhöhung seiner operativen Gewinnschätzungen um bis zu 21 Prozent kommt er neuerdings auf einen fairen Wert von 180 (zuvor 110) Franken.

Die Aktien von Rieter konnten seit Januar kräftig an Kurswert zulegen (Quelle: www.cash.ch)

Arnold räumt gegenüber seiner Anlagekundschaft zwar ein, dass sich die Textilmaschinenindustrie noch immer in einem Abschwung befindet. Dennoch traut er Rieter im laufenden Jahr ein positives operatives Ergebnis zu und stützt sich hierbei auf Aussagen von Firmenchef Thomas Oetterli ab.

Mitunter ein Grund für die massive Kurszielerhöhung ist auch ein technischer Kniff. Der Stifel-Analyst lässt den Buchwert nicht länger ins Bewertungsmodell miteinfliessen, sondern konzentriert sich stattdessen ausschliesslich auf den abdiskontierten Cashflow.

Angesichts des verbleibenden Aufwärtspotenzials von nochmals knapp 40 Prozent hält man beim Broker an der Kaufempfehlung fest. Die Börse reagierte gestern Montag eher etwas unterkühlt auf die Kurszielerhöhung – beinahe als ob sie solcher Kaufempfehlungen mittlerweile etwas überdrüssig wäre.

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