Von Nicolas Saurenz

Die US-Märkte schütteln geopolitische Turbulenzen im Nahen Osten mit einer Lässigkeit ab, als ginge es lediglich um eine kurzfristige Netzstörung. Während Europa noch im konjunkturellen Nebel stochert und verzweifelt nach „KI-Fantasie“ sucht, haben S&P 500 und Nasdaq neue Rekorde markiert.

In den vergangenen drei Wochen zeigte die Wall Street eine Art Melt-up. Investoren realisierten, dass der Iran-Krieg in seiner Eskalation wohl begrenzt bleibt, und wurden gleichzeitig von Trumps „Taco-Politik“ zurück in den Markt gezwungen. Wer offensiv short positioniert war, dem konnte ein Trump-Post das Portfolio in kürzester Zeit zerlegen.

Hinzu kamen die Algorithmen. Über regelbasierte Systeme, CTAs und gehebelte ETFs strömten Schätzungen zufolge rund 200 Milliarden US-Dollar in den Markt. Wenn die Volatilität sinkt und Trends drehen, müssen diese computergesteuerten Akteure zugreifen. Dieser Kaufdruck dürfte nun allerdings langsam auslaufen, sodass andere Faktoren wieder die Richtungsfindung übernehmen.

Produktidee: Warrants

Richtung Call
Basiswert AMAZON
Währung CHF
Ausübungspreis 250 USD
Laufzeit Dezember 2026
ISIN CH1511789096

Das KGV-Paradoxon: teurerer Kurs, günstigere Aktie?

Skurril ist derzeit vor allem ein Phänomen im Tech-Sektor. Man würde erwarten, dass Aktien nach einer solchen Rally astronomisch teuer sind. Teilweise ist jedoch das Gegenteil der Fall. Während der Kurs von Amazon seit Jahresbeginn um 14 Prozent gestiegen ist, sank das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 31 auf 28.

Die Gewinne wachsen also schneller als der Optimismus — und damit schneller als der Börsenkurs. Abgesehen von Apple, wo sich der Bewertungsfaktor ein leichtes Plus gönnte, sind Schwergewichte wie Alphabet und Nvidia fundamental betrachtet heute günstiger als zum Jahresbeginn.

Gemeinsam mit Nvidia führt Amazon die Performanceliste der Mag 7 an. Die Aktie ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich das Geschäft verbessert und diversifiziert, während der Kurs jahrelang eher seitwärts lief. Denn nach 2020 war für Amazon-Aktionäre lange Zeit kaum etwas zu holen. Nun hat die Aktie neuen Schwung aufgebaut.

Der Konzern steigerte 2025 den Umsatz um zwölf Prozent auf 716,9 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis kletterte auf 80 Milliarden Dollar. AWS, lange Zeit der stille Gewinnmotor des Konzerns, wuchs auf 128,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Mit dem jüngsten Aktionärsbrief entfachte CEO Andy Jassy nun zusätzliche Euphorie. Jassy schreibt, Amazon habe inzwischen mehr als eine Million Roboter in seinen Logistikzentren im Einsatz und mehr als 200 Satelliten für das LEO-Netzwerk im All. Gleichzeitig dreht die hauseigene Chip-Offensive weiter auf: Die Chips Graviton, Trainium und Nitro kommen laut Jassy bereits auf mehr als 20 Milliarden Dollar annualisierten Umsatz.

Ähnlich wie Nvidia vernetzt sich Amazon damit immer stärker im KI-Rennen. Die Beteiligung an Anthropic macht AWS nicht nur zu einem Cloud-Anbieter, sondern auch zum direkten Financier eines der wichtigsten OpenAI-Herausforderer. Amazon hat bereits acht Milliarden Dollar in Anthropic investiert und legt nun weitere fünf Milliarden Dollar nach. Perspektivisch könnten bis zu 20 Milliarden Dollar zusätzlich folgen. Im Gegenzug verpflichtet sich Anthropic, in den kommenden zehn Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar für AWS-Technologie auszugeben und bis zu fünf Gigawatt Rechenkapazität zu nutzen.

An der Wall Street entfacht diese breite Aufstellung Euphorie. Amazon hat gute Chancen im Jahr 2026 viele zu überraschen.
 

Produktidee: Warrants

Richtung Call
Basiswert AMAZON
Währung CHF
Ausübungspreis 250 USD
Laufzeit Dezember 2026
ISIN CH1511789096