Von Nicolas Saurenz

An der Börse hat diese Transaktion längst ihr eigenes Etikett bekommen: "Stupid German Money". Wieder einmal kaufte ein deutscher Konzern in den USA groß ein, zahlte einen hohen Preis, unterschätzte das amerikanische Rechtsrisiko und wunderte sich anschließend über die Rechnung. Bayer ist damit in eine Reihe deutscher Fehlgriffe gerutscht, die Rechtsrisiken oder Kulturunterschiede unterschätzten. So endeten auch Ausflüge von Mercedes oder Adidas verfrüht.

Bei Monsanto kam jedoch hinzu: Die Glyphosat-Debatte war bekannt, die Klagerisiken waren sichtbar. Trotzdem zog Bayer durch. Bayer wollte sich in einem Markt positionieren, der langfristig tatsächlich wichtiger wird: Saatgut, Pflanzenschutz und Agrartechnologie. Die Weltbevölkerung wächst, der Bedarf an Nahrungsmitteln steigt, gleichzeitig werden Anbauflächen durch Klimawandel, Dürren und Extremwetter knapper.

Die Folgen sind bekannt. Seit der Übernahme hat Bayer zehntausende Roundup- und Glyphosat-Klagen abgearbeitet, Milliarden für Vergleiche und Rückstellungen gebunden und einen erheblichen Teil der Managementenergie in Gerichtssäle statt in Forschung, Pharma-Pipeline und Wachstum gesteckt.

Produktidee: Warrants

Richtung Call
Basiswert Bayer
Währung CHF
Ausübungspreis 50 EUR
Laufzeit März 2027
ISIN CH1546062055

Deshalb ist das jüngste Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA so wichtig. Analysten sprechen von einem „Gamechanger in der Causa Glyphosat“. Der Supreme Court entschied im Verfahren Monsanto gegen Durnell zugunsten von Bayer beziehungsweise Monsanto und stärkte damit die zentrale Argumentationslinie des Konzerns.

Der Glyphosat-Streit ist mit dem Urteil noch nicht beendet. Bayer strebt weiterhin die finale Genehmigung des angekündigten Sammelvergleichs an und verfolgt eine mehrgleisige Strategie zur Eindämmung der Roundup-Rechtsstreitigkeiten. Der vorgeschlagene Vergleich über 7,25 Milliarden Dollar muss noch endgültig durch die zuständigen Gerichte.

Für Konzernchef Bill Anderson ist das Urteil dennoch eine Bestätigung seiner Arbeit. Anderson hat einige unbequeme Entscheidungen durchgedrückt, den Konzern verschlankt und zeitweise Schulden abgebaut. Für 2026 stellt der Konzern bei den zum ersten Quartal geltenden Wechselkursen einen Umsatz von 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro in Aussicht, das EBITDA vor Sondereinflüssen soll zwischen 9,4 und 9,9 Milliarden Euro liegen.

Die Aktie bleibt allerdings kein Selbstläufer. Bayer trägt hohe Schulden, die Pharmapipeline muss liefern, und die Monsanto-Übernahme bleibt ein Mahnmal. Aktionäre setzen nun darauf, dass das Schlimmste im Kurs eingepreist ist und der juristische Nebel sich lichtet. Für deutsche Anleger steckt in Bayer damit eine größere Lehre. Größe allein ist keine Strategie, und ein hoher Kaufpreis ist keine Eintrittskarte in die Weltspitze. Das Supreme-Court-Urteil kann nun der Beginn eines Comebacks sein.

Produktidee: Warrants

Richtung Call
Basiswert Bayer
Währung CHF
Ausübungspreis 50 EUR
Laufzeit März 2027
ISIN CH1546062055