Von Nicolas Saurenz
Software dagegen wurde behandelt wie der große Kollateralschaden der KI-Welle. Die einfache These lautete: Wenn künstliche Intelligenz künftig selbst programmiert, wozu braucht es dann noch klassische Softwarekonzerne?
Zwischenzeitlich hatte der in den USA viel beachtete Software-Sektor-ETF „IGV“ 35 Prozent an Wert eingebüßt. Seit Ende April erleben diese Aktien ein Comeback. Der IGV notiert seit Jahresbeginn wieder im Plus, ebenso wie Aktien von Microsoft, CrowdStrike oder Oracle.
Fundamental ist die Lage weniger düster, als es die Kurse zwischenzeitlich signalisierten. Softwarekonzerne verdienen weiterhin viel Geld, ihre Margen bleiben hoch, und die Bewertungen sind im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgekommen. Adobe wird in manchen Modellen nur noch mit rund dem Achtfachen des erwarteten EBITDA gehandelt, Microsoft mit etwa dem 17-Fachen. Für Qualitätsunternehmen mit hohen Cashflows ist das keine teure Bewertung. Gleichzeitig notieren manche Halbleiterwerte nach ihrer Rally auf Niveaus, die wenig Spielraum für Enttäuschungen lassen.
Produktidee: Warrants
| Richtung | Call |
| Basiswert | Microsoft |
| Währung | CHF |
| Ausübungspreis | 475 USD |
| Laufzeit | Dezember 2026 |
| ISIN | CH1511790557 |
Nvidia CEO widerspricht
Der wichtigste Einwand gegen Software lautet weiterhin: KI frisst Software. Jensen Huang sieht das anders. Der Nvidia-CEO möchte die Debatte nicht zu einseitig führen, schließlich hat er ein Interesse an einer möglichst breiten Anwendung von Künstlicher Intelligenz. Auf der Computex in Taiwan am Wochenende sagte Huang, es sei eine hervorragende Zeit für Softwareunternehmen. Seine Begründung ist plausibel: Agentische KI werde nicht weniger Software benötigen, sondern mehr Werkzeuge nutzen. Software müsse künftig so gebaut werden, dass KI-Agenten sie bedienen können. Mit anderen Worten: Die Benutzeroberfläche verändert sich, der Bedarf verschwindet nicht.
KI kann programmieren. Daraus folgt aber nicht, dass Unternehmen ihre Software-Pakete kündigen. Der Markt unterschätzt bei Unternehmenssoftware regelmäßig die Trägheit der Kunden. In Deutschland zeigt sich das an SAP, in den USA an Salesforce. Beide Aktien sind in Ungnade gefallen – möglicherweise verfrüht.
Kunden agieren träge
Wer einmal erlebt hat, wie lange Großkonzerne oder Behörden benötigen, um eine SAP-, Microsoft- oder Salesforce-Landschaft anzupassen, glaubt kaum ernsthaft, dass ein KI-Agent diese Systeme über Nacht ersetzt. Wahrscheinlicher ist, dass die großen Anbieter KI in ihre Produkte integrieren und dadurch höhere Preise, mehr Nutzung oder stärkere Kundenbindung erzielen.
In den USA war Microsoft das prominenteste „KI-Opfer“, obwohl der Konzern mit OpenAI selbst zu den wichtigsten Akteuren des KI-Rennens gehört. Die Aktie fiel vom Rekordhoch im Oktober 2025 bis April 2026 um rund ein xzrittel.
Dabei ist Microsoft weit mehr als ein Softwareunternehmen. Der Konzern hat sich mit seiner Cloud-Sparte in einem profitablen Segment vorne positioniert, bietet Cybersecurity- und Entwicklerplattformen und die Beteiligung an OpenAI unter einem Dach. CEO Satya Nadella spricht in diesem Zusammenhang von „AI Sovereignty“: Unternehmen und Staaten sollen KI nicht als fremde Blackbox beziehen, sondern innerhalb einer kontrollierbaren Infrastruktur nutzen können. Der Konzern stellt den technologischen Unterbau bereit, auf dem andere ihre KI-Strategien aufsetzen.
Die Zahlen stützen diese Sichtweise. Im dritten Geschäftsquartal 2026 stieg der Umsatz um 18 Prozent auf 82,9 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis um 20 Prozent auf 38,4 Milliarden Dollar. Microsoft Cloud kam auf 54,5 Milliarden Dollar Umsatz und wuchs um 29 Prozent. Azure und andere Cloud-Dienste legten um 40 Prozent zu. Für das laufende Quartal stellte Microsoft erneut 39 bis 40 Prozent Wachstum in Aussicht.
Anleger haben Software-Aktien in den vergangenen Wochen wiederentdeckt. Nach einer monatelangen Durststrecke hat dieser Trade durchaus das Potenzial, weiterzulaufen.
Produktidee: Warrants
| Richtung | Call |
| Basiswert | Microsoft |
| Währung | CHF |
| Ausübungspreis | 475 USD |
| Laufzeit | Dezember 2026 |
| ISIN | CH1511790557 |
