Sparen - Trotz wenig Zins: Kassenobligationen laufen noch immer

Kassenobligationen geben kaum Zins her – aber sie sind noch immer relativ beliebt. Warum in Zeiten von Negativzinsen ein «Besser als gar nichts» nach wie vor funktionieren kann.
19.05.2019 21:35
Von Marc Forster
Bei Kassenobligationen kann es noch ein Prozent Zins geben - allerdings bei acht Jahren Laufzeit.
Bei Kassenobligationen kann es noch ein Prozent Zins geben - allerdings bei acht Jahren Laufzeit.
Bild: Pixabay

Vor noch nicht allzu langer Zeit wäre ein Ertrag von 600 Franken auf einem Guthaben von 100'000 Franken als äusserst mager bezeichnet worden. Doch aktuell ist das die Rendite-Realität, wenn man bei der Cembra Bank zu diesem Betrag eine Kassenobligation mit zwei Jahren Laufzeit erwirbt. Eine solche wird jährlich mit 0,3 Prozent verzinst.

Das Angebot scheint Anklang zu finden: "Die Nachfrage nach unseren Kassenobligationen ist anhaltend gross", sagt ein Cembra-Sprecher auf Anfrage von cash.ch. Cembra verzinst diese Schuldverschreibungen aktuell am besten. Dies hat damit zu tun, dass das Institut im Konsumkreditgeschäft engagiert ist, das höhere Margen kennt als etwa das Hypothekengeschäft.

Cembra ist bei zwei, drei und fünf Jahren Laufzeit Spitzenreiter, wie folgendes Ranking zeigt. Auch eine Reihe vor allem kleinerer Banken verzinst Geld, das ihnen geliehen wird, noch verglechsweise gut: 

Höchste Verzinsungen von Kassenobligationen nach Laufzeit

Bank 2 Jahre Bank 3 Jahre Bank 5 Jahre
Cembra 0,3 Prozent Cembra 0,4 Prozent Cembra 0,7 Prozent
Regiobank
Männedorf
0,1 Prozent Regiobank
Männedorf
0,25 Prozent Regiobank
Männedorf
0,4 Prozent
Alpha Rheintal
Bank
0,1 Prozent AEK Bank 
1826
0,15 Prozent GRB Glarner
Regionalbank
0,3  Prozent
Clientis BS Bank
Schaffhausen
0,1 Prozent Bank Sparhafen 
Zürich
0,15 Prozent AEK Bank 
1826
0,25 Prozent
GRB Glarner
Regionalbank
0,1 Prozent Clientis Zürcher
Regionalbank
0,15 Prozent Alpha Rheintal
Bank
0,25 Prozent
Appenzeller KB,
Banca Popolare
di Sondrio
0,05 Prozent GRB Glarner
Regionalbank
0,15 Prozent Clientis Zürcher 
Regionalbank
0,25 Prozent

Angaben: Vermögens-Partner, moneyland.ch, Cembra Bank.

Kassenobligationen behalten also eine gewisse Bedeutung für Sparer, auch wenn sie heute unter dem Aspekt eines "geringeren Übels" gesehen werden können: Der magere Zinsertrag ist immer noch höher als das, was man auf einem Sparkonto erhält. Oder dann, was man auf bei einem Bargeldvermögen bei der Bank netto gar verlieren könnte.

Banken wälzen Kosten ab

Denn: Die Negativzinsen, wie sie die Schweiz seit Anfang 2015 kennt, haben die Bankkunden längst erreicht. Ausser die Verzinsung von normalen Sparkonten auf nahe Null zu senken, hat auch das eine oder andere Institut die Gebühren für die Kontoführung erhöht. Die politisch links angehauchte Alternative Bank der Schweiz hat, unter anderem um Gebühren nicht erhöhen zu müssen, als erstes Institut den Negativzins von 0,75 Prozent auf Kundenguthaben eingeführt – ein Schritt, den die Kundschaft offensichtlich akzeptiert hat.

Die staatseigene Postfinance wiederum führte einen Negativzins von einem Prozent zuerst bei Guthaben von über einer Million Franken ein, senkte die Schwelle aber vergangenen Herbst auf 500'000 Franken. Offiziell spricht man von einer "Guthabengebühr", faktisch ist es das Weiterreichen des Negativzinses der Nationalbank.

Bei den Privatbanken können die Negativzinsen ebenfalls direkt zu Kunden weitergehen. Julius Bär etwa bestraft seit kurzem Kontoinhaber, die ihr Geld in bar halten, ab 500'000 Franken respektive 100'000 Euro mit 0,75 Prozent. Die Genfer Nobeladresse Pictet belastet Grosskunden 0,75 Prozent, und das schon seit über vier Jahren. Negativzinsen betreffen gewisse Kundensegmente – in der Regel sehr reiche Privatkunden und institutionelle wie Pensionskassen – auch bei einigen Kantonalbanken, beispielsweise der Zürcher Kantonalbank. Nicht überraschend behandelt man dieses Thema bei den Staatsinstituten sehr diskret. 

Zusatzkosten müssen beachtet werden

Wer zum Beispiel einen sechsstelligen Betrag nicht anlegen will, sondern lediglich auf einer Bank parkieren will, wird sich vor dem Hintergrund von direkten oder indirekten Folgen der Negativzinsen bei einem Bankkonto durchaus Überlegungen machen. Statt höhere Gebühren auf Barguthaben zu zahlen oder gar von Negativzinsen betroffen zu sein, können Kassenobligationen noch vergleichsweise attraktiv sein. Auch wenn das Geld für die Dauer der Laufzeit nicht ausgelöst werden kann. 

Und doch gibt es ein "aber". Das eingangs genannte Renditebespiel der Cembra Bank stimmt nicht ganz – jedenfalls nicht in Sinne dessen, was effektiv in der Tasche des Bankkunden landet. Zinsen von Kassenobligationen sind verrechnungssteuerpflichtig, also fällt nochmals 35 Prozent vom Ertrag weg.

Zu beachten ist, dass Banken keine Depotgebühren verlangen. Als Nachteil kann auch empfunden werden, wenn eine Bank nur dann eine Kassenobligation verkauft, wenn beim Institut auch ein Konto unterhalten wird. Und: Der Einlagenschutz pro Bank geht bis 100'000 Franken. Wer also höhere Beträge in Kassenobligationen anlegen will, und dies ergibt ja durchaus Sinn, muss auf die Stabilität seiner Bank mittelfristig vertrauen.

Welche Laufzeit ist sinnvoll?

Die immer noch herumgereichte Aussage hingegen, dass bei diesem Investment jeweils eine Emissionsabgabe von 0,6 oder 0,8 Promille der investierten Summe fällig werde, trifft nur teilweise. Verschiedene Banken weisen explizit darauf hin, dass keine solche Gebühr erhoben werde. Andere Anbieter hingegen schlagen in der Tat Kosten im Promillebereich auf eine Kassenobligation drauf.

Stellt sich noch die Frage nach der Laufzeit. Auch bald fünf Jahre nach Einführung der Negativzinsen gibt es keine Anzeichen, dass die Nationalbank das Zinsniveau anheben wird. Im Gegenteil: Nationalbankpräsident Thomas Jordan hat vor einigen Wochen Staub aufgewirbelt, als er gar von einer Ausweitung des Negativzinses sprach. Ökonomen jedenfalls gehen davon aus, dass die Schweiz noch Jahre von einer spürbaren Zinserhöhung entfernt ist. 

Vor schleichenden Verlusten des Barvermögens schützt man sich mit zwei- oder dreijährigen Kassenobligationen gut. Bei längeren Laufzeit besteht das Risiko, dass die Zinsen in der Zwischenzeit wieder steigen: Bei Kassenobligationen ist der heute vereinbarte Zins ja fix. Aber selbst bei einem Horizont von fünf Jahren ist es angesichts der anhaltenden Tiefzinsphase noch denkbar, dass eine Kassenobligation insgesamt immer noch besser rentiert als ein Bankkonto.

Maximal möglich sind in der Schweiz Laufzeiten bis zehn Jahre. Angeboten werden üblicherweise Produkte bis acht Jahre. Auch dort ist übrigens die Cembra Bank Spitzenreiter und verzinst noch mit 1 Prozent, gefolgt von der Regionbank Männedorf und der GRB Glarner Regionalbank mit 0,6 Prozent.