Anlagestrategie - Ist es Zeit für einen Portfolio-Check?

Nach starken Kursausschlägen an den Finanzmärkten nehmen Anleger ihr Portfolio unter die Lupe. Doch nicht immer drängen sich Anpassungen auf. Folgende Punkte sollten Sie beim Portfolio-Check beachten.
16.04.2018 07:51
Von Ivo Ruch
Den Auszug der Bank sollte man dieser Tage genau studieren.
Den Auszug der Bank sollte man dieser Tage genau studieren.
Bild: Pixabay

Wenn es an den Börsen rund läuft, vergisst man das eigene Portfolio gern. Erst wenn es zu Kursturbulenzen kommt, beginnen vielerorts die Alarmglocken zu läuten. Die erhöhte Marktvolatilität der letzten Wochen dürfte deshalb bei manchem Anleger zu einem Hinterfragen der eigenen Strategie geführt haben.

Wertpapiere verkaufen, wenn sie hoch gestiegen sind und kaufen, wenn sie gefallen sind. So einfach könnte das ideale Anlegerverhalten sein. Doch die Umsetzung ist viel komplizierter, weil die Wahl des "richtigen" Zeitpunkts das Schwierigste überhaupt ist. "Rein taktisch gesehen waren die jüngsten Börsenturbulenzen ein guter Zeitpunkt für ein Rebalancing des Portfolios", sagt Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank.

Er empfiehlt allerdings wie viele andere Finanzexperten ein emotionsloses regelbasiertes Anlageverhalten und nicht eines, das sich an kurzfristigen Börsenschwankungen orientiert. Das heisst, die Verteilung verschiedener Anlageklassen wie Aktien, Obligationen, Rohstoffe oder Bargeld findet anhand drei wichtiger Faktoren statt: Anlagehorizont, Risikofähigkeit und Risikobereitschaft. Das ergibt dann eine Portfolio-Struktur, die bei gleich bleibenden persönlichen Umständen einigermassen konstant bleiben soll.

"Hilfreich kann dabei die Definition von fixen Bandbreiten sein, innerhalb denen sich die Portfolio-Zusammensetzung verschieben darf", sagt Anlagespezialist Manuel Rütsche vom Vermögenszentrum (VZ). Wie gross dieser Bereich sein soll, ist wiederum sehr individuell. Bei den passiven Mandaten (basierend vor allem auf Exchange Traded Funds) des VZ haben die jüngsten Marktturbulenzen kein Rebalancing ausgelöst. Auch die Migros Bank hat ihre Aktienquote unlängst nicht verändert. Andernorts wurde die Börsenkorrektur hingegen für eine Aufstockung des Aktienanteils genutzt.

Hyperaktivität vermeiden

Wie sich Wertschwankungen auf die Anlagestruktur auswirken können, zeigt folgende Grafik. Das Portfolio besteht zu Beginn aus 50 Prozent Aktien (rote Linie) und 50 Prozent Obligationen (blaue Linie). Im Verlauf der Zeit legen die Aktienmärkte dann mehr als 40 Prozent zu, während die Performance von Anleihen nur knapp 20 Prozent beträgt. Folglich verschiebt sich die Depotgewichtung auf 45:55 zugunsten von Aktien, was zu einem veränderten Risikoprofil führt. Um zur ursprünglichen Strategie zurückzukehren, ist ein Rebalancing nötig.

Nun stellt sich die Frage, wie oft am Portfolio herumgeschraubt werden soll. "Für Privatanleger reicht es meistens, wenn sie ihr Portfolio quartalsweise oder halbjährlich ausgleichen", sagt Christoph Sax von der Migros Bank. Für VZ-Experte Rütsche reicht in den meisten Fällen gar ein Anpassen der Portfolio-Struktur einmal jährlich.

Wichtigster Punkt sind hier die Kosten: Interveniert man zu oft, sind die verschiedenen Gebühren (Courtagen, Währungsdifferenzen, Produktekosten etc.) rasch enorm. Zudem führt Hyperaktivität bei Anlegern häufig zu Fehlentscheidungen. Klassisches Beispiel ist der Griff ins fallende Messer, also bei sinkenden Kursen zu früh kaufen.

Eine Frage des Risikos

Die Vermeidung emotionaler Fehlentscheide wird denn auch häufig als Vorteil von konsequenten Rebalancing-Strategien angeführt, ebenso die regelmässige Risikokontrolle und das Ausschalten der Psychologie. Chefökonom Sax hat die Erfahrung gemacht, dass Privatanleger zu prozyklischem Verhalten neigten und zu hohe Risiken eingehen würden. Das wird vermieden, wenn Anlageklassen mit positiver Entwicklung systematisch verkauft und solche mit Underperformance gekauft werden.

Die Strategie "Buy and Hold" gilt vielen Investoren als aussichtsreicher in Bezug auf Rendite. Im obigen Beispiel bedeutet dies, dass sich die Aktienquote über die Jahre laufend erhöhen würde, weil Aktien langfristig die besseren Renditeaussichten haben. Entscheidend ist aber, dass sich dadurch auch das definierte Risikoprofil verändert.

Selbst bei professionellen Investoren unterscheiden sich die Ansätze stark: Die einen Fondsmanager verändern ihre Positionen aus Überzeugung selten und verfolgen einen langfristig-konstanten Ansatz. Andere sind auf kurzfristige Opportunitäten aus und betreiben konsequentes Rebalancing mit vielen kleinen Trades.