Sie lesen:
Kursseitige Bocksprünge: Dies ist die wohl launischste Aktie der Schweiz

Teilen

Merken

Drucken

Kommentare

  1. Home
  2. News
  3. Top News
  4. Insider
  5. Kursseitige Bocksprünge: Dies ist die wohl launischste Aktie der Schweiz
Marktgeflüster

Kursseitige Bocksprünge: Dies ist die wohl launischste Aktie der Schweiz

Teilen

Merken

Drucken

Kommentare

Die Aktie eines in der Schweiz kotierten Sensorenherstellers zieht aufgrund ihrer starken Kursausschläge viel Interesse auf sich. Nicht zuletzt auch komplizierte Derivatkonstrukte erweisen sich dabei als «Brandbeschleuniger».

28.10.2026   12:00
Von cash Insider
Aldo Kamper ist seit April 2023 CEO von AMS Osram.

Aldo Kamper ist seit April 2023 CEO von AMS Osram.

Quelle: zVg

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

+++

Als Aldo Kamper im Frühling 2023 zu AMS Osram zurückkehrte, dürfte ihm durchaus bewusst gewesen sein, dass er kein einfaches Erbe antreten würde. Nicht zuletzt auch aufgrund des erdrückend hohen Schuldenbergs galt der Sensorenhersteller damals als eines der «Sorgenkinder» am Schweizer Aktienmarkt.

Vollends ablegen konnte das Unternehmen diesen Ruf zwar bis heute nicht. Dennoch wandte sich unter Kamper vieles zum Besseren – was sich zusehends auch bei der Aktienkursentwicklung bemerkbar macht. Mit 1,8 Milliarden Franken wird AMS Osram an der Börse allerdings immer noch weit unter den einst für Osram bezahlten 5,1 Milliarden Franken bewertet. Alexander Everke – er gilt als «Architekt» der verhängnisvollen Übernahme – ist schon lange von Bord gegangen.

In den letzten Wochen und Monaten sorgte die Aktie des Sensorenherstellers in hiesigen Börsenkreisen vor allem durch ihre wilden kursseitigen Bocksprünge für viel Gesprächsstoff. Was früher meist nur rund um die Veröffentlichung von Quartalszahlen zu beobachten war, scheint Alltag geworden zu sein. Unverblümt sprechen einige Händler mir gegenüber gar von «der wohl launischsten Aktie der Schweiz».

Schon seit Wochen unterliegen die Aktien von AMS Osram starken Kurs- und Stimmungsschwankungen (Quelle: www.cash.ch)

Zuletzt heizten Fantasien der Aktie ein, wonach künftig auch AMS Osram vom Bauboom bei KI-Datencentern profitieren könnte. Die UBS preist sie nicht zuletzt auch deshalb mit einem Zwölf-Monats-Kursziel von 22 Franken zum Kauf an. In einem erst gestern Dienstag erschienenen Branchenpapier geht der Autor Francois-Xavier Bouvignies für 2028 im Kleingedruckten jedoch nur gerade von einem Umsatzbeitrag aus dieser Ecke von fünf Prozent aus. Lange Rede, kurzer Sinn: Wirklich namhafte Umsätze liegen wohl noch weit in der Zukunft. Das wiederum bietet viel Spielraum für Spekulationen.

Als potenzieller «KI-Profiteur» wird bei AMS Osram den Vorgaben aus New York vom Vorabend jeweils schon im vorbörslichen Handel der Bank Julius Bär Rechnung getragen und darauf entweder mit deutlich höheren oder deutlich tieferen Kursen geantwortet – wobei die Geld- und Briefkurse oft mehrere Prozent auseinander liegen. So übrigens auch heute Mittwoch wieder, als die Aktie vorbörslich mit einem Plus von gut vier Prozent die Gewinnerliste anführte.

Ebenfalls jeweils morgens wird schon vor Börseneröffnung munter in den Derivaten herumspekuliert. Ich zähle denn auch nicht weniger als 233 gelistete strukturierte Produkte und Warrants auf die Aktie des Sensorenherstellers.

Es sind diese vielen Derivate, welche sowohl bei Kursbewegungen nach unten wie auch nach oben wie ein Brandbeschleuniger wirken. Ausserdem wird in hiesigen Börsenkreisen vermutet, dass namhafte Hedgefonds im Hintergrund mittels komplizierten Derivat-Konstrukten mitmischen. Und dann wären da noch die Leerverkäufer mit ihren Wetten gegen AMS Osram. Schätzungen aus dem Handel zufolge liegen diese momentan bei knapp acht Prozent aller ausstehenden Titel – Tendenz steigend.

Aktienkursentwicklung von AMS Osram im mehrjährigen Verlauf (Quelle: www.cash.ch)

Auch wenn Firmenchef Aldo Kamper es vermutlich nicht gerne hören wird, gehe ich davon aus, dass die Aktie seines Arbeitgebers auch künftig ein Spielball der Spekulanten bleibt – alleine schon ihrer vergleichsweise guten Handelbarkeit wegen.

Selber verharre ich bei AMS Osram bis auf weiteres an der Seitenlinie. Für mich lässt sich nämlich noch nicht zuverlässig abschätzen, ob und ab wann die neuen Absatzmärkte zum erhofften Wachstumstreiber werden. In den letzten Jahren haben sich selbst Grossinvestoren schon gehörig die Finger an dieser Aktie verbrannt.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
Das könnte Sie auch interessieren
 
 
 
 
 
 
 
 
ams
NameAktuell+/-%

CHFSWX

19.20

13:19:45

+2.56%

+0.48

CHFSWX

38.54

13:20:13

-0.77%

-0.30

News