Sie lesen:
Roche, AMS Osram und Co.: Aktienanalysten kassieren nun auch langjährige Verkaufsempfehlungen

Teilen

Merken

Drucken

Kommentare

  1. Home
  2. News
  3. Top News
  4. Insider
  5. Roche, AMS Osram und Co.: Aktienanalysten kassieren nun auch langjährige Verkaufsempfehlungen
Marktgeflüster

Roche, AMS Osram und Co.: Aktienanalysten kassieren nun auch langjährige Verkaufsempfehlungen

Teilen

Merken

Drucken

Kommentare

Neuerdings rudern Analysten selbst bei langjährigen Aktienverkaufsempfehlungen zurück. Weitere könnten nachziehen. Und: Hat sich ein US-Fondsriese bei Nestlé zu früh von Aktien getrennt?

21.10.2026   12:00
Von cash Insider
Das Roche-Gebäude in Rotkreuz.

Das Roche-Gebäude in Rotkreuz.

Quelle: Bloomberg

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

+++

Gestern Dienstag vollzog die französische Investmentbank Oddo bei den Partizipationsscheinen von Roche eine geradezu spektakuläre 180-Grad-Wende. In einer umfangreichen Studie über die führenden Pharmaunternehmen hob der Autor Florent Cespedes sein Anlageurteil von «Underperform» auf «Outperform» herauf und sorgte mit 440 (zuvor 300) Franken auch gleich für einen neuen Kurszielrekord.

Der Pharmaanalyst macht damit eine Herabstufung seines Vorgängers Martial Descoutures von Ende September 2020 rückgängig. Dieser stufte die Valoren damals noch unter dem alten Rating-System von «Buy» auf «Reduce» herunter und strich das Kursziel auf 310 (zuvor 390) Franken zusammen.

Cespedes räumt zwar ein, dass sich die Basler in den kommenden Jahren in Sachen Wachstum nicht von anderen Rivalen abheben dürften. Zumindest in Bezug auf die Verlässlichkeit der Gewinnentwicklung stehe Roche im Branchenvergleich jedoch überdurchschnittlich gut da. Auch die Entwicklungspipeline stimmt ihn zuversichtlicher als einst seinen Vorgänger.

Die steigenden Roche-Notierungen lassen einige Marktakteure schier verzweifeln (Quelle: www.cash.ch)

Diese Einsicht kommt reichlich spät, notieren die Partizipationsscheine mittlerweile doch nur noch unwesentlich unter ihrem Rekordhoch vom April 2022. Damals wurden in der Spitze Kurse von etwas mehr als 400 Franken bezahlt.

Nicht weniger spektakulär mutet die Abkehr der Bank of America von ihrer Verkaufsempfehlung für die Aktien von AMS Osram tags zuvor an. Die Londoner Analystin Amelia Banks geht von «Underperform» auf «Neutral» und nimmt beim Kursziel mehr als eine Verdoppelung auf 20,80 Franken vor.

Gerade mal eine Woche zuvor verlieh der zuvor für den Sensorenhersteller verantwortliche Abteilungskollege Didier Scemama seiner Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 8,96 Franken übrigens noch Nachdruck.

Nun rudert man bei der Bank of America also zurück und begründet diesen Schritt mit den guten kommerziellen Aussichten im Zuliefergeschäft für Augmented-Reality-Smart-Brillen und optischer Verbindungstechnologien.

Wie sich meinen Unterlagen entnehmen lässt, geht die Verkaufsempfehlung ursprünglich auf Anfang 2022 zurück. Zeitweise lag das Kursziel der amerikanischen Investmentbank sogar nur noch bei 3,24 Franken.

Soweit mir bekannt ist, ist Analyst Reto Huber von Research Partners der letzte seiner Berufsgruppe, welcher die Valoren des Sensorenherstellers mit «Verkaufen» einstuft – wobei das Kursziel mit 12,35 Franken weit unter den momentanen Notierungen angesetzt ist. Knickt auch er noch ein?

Die Hausse stirbt in der Euphorie, so sagt man. Und wenn Analysten selbst bei langjährigen Verkaufsempfehlungen reihenweise das Handtuch werfen, dann sind wir davon wohl nicht mehr allzu weit entfernt. Interessant erscheint mir auch, dass die Heraufstufung gerade den Valoren von AMS Osram bloss ein kurzes Aufbäumen bescherte. Rückblickend blieb es am Montag bei einem blossen und von Deckungskäufen begleiteten Strohfeuer.

+++

Die Capital Group hat sich bei Nestlé von Aktien getrennt. Das geht aus einer Offenlegungsmeldung des Nahrungsmittelmultis aus Vevey an die SIX Swiss Exchange hervor. Als Verkäufer musste sich der amerikanische Fondsriese nur deshalb zu erkennen geben, weil dabei der Schwellenwert von drei Prozent unterschritten wurde.

Folglich dauerte das Gastspiel der Capital Group im Nestlé-Grossaktionariat etwas mehr als eineinhalb Jahre. Was denn genau für Gründe zur Beteiligungsreduktion führten, ist nicht bekannt. Vermutlich riss den Fondsmanagern kürzlich der Geduldsfaden, erwiesen sich diese eineinhalb Jahre mit Blick auf die Kursentwicklung unter dem Strich doch bloss als ein Nullsummenspiel.

Interessant erscheint mir, dass die Drei-Prozent-Schwelle am letzten Mittwoch unterschritten wurde. Kosteten die Aktien damals noch um die 78 Franken, werden mittlerweile sogar 83 Franken bezahlt. Das wiederum ist mitunter der Heraufstufung von «Neutral» auf «Overweight» durch J.P. Morgan bei einem Kursziel von 100 (zuvor 90) Franken zu verdanken.

Am Donnerstag wird sich zeigen, ob die kursseitigen Vorschusslorbeeren für die Aktien von Nestlé gerechtfertigt sind (Quelle: www.cash.ch)

Mit dem morgigen Donnerstag naht die Stunde der Wahrheit. Dann nämlich wird der Nahrungsmittelmulti seine Umsatzzahlen für die vergangenen neun Monate vorlegen. In Analystenkreisen geht man durchschnittlich von einem Umsatz in Höhe von 65,6 Milliarden Franken bei einem organischen Wachstum von 3,4 Prozent aus.

Das Interesse dürfte vor allem aber dem Mengenwachstum gelten, wobei es 1,4 Prozent zu erreichen, wenn nicht gar zu übertreffen gilt. Denn einige Analysten – ich denke da etwa an Guillaume Delmas von der UBS – wagten sich mit ihren Prognosen jüngst etwas gar weit auf die Äste hinaus. Wie Delmas schreibt, dürfte sich das Mengenwachstum im dritten Quartal nicht zuletzt auch aufgrund der tiefen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr auf 1,9 Prozent beschleunigt haben. Liegt er mit dieser Annahme richtig, müsste das Mengenwachstum in den vergangenen neun Monaten über den durchschnittlich erwarteten 1,4 Prozent gelegen haben.

Weiss Nestlé mit den Umsatzzahlen für die ersten neun Monate zu überzeugen, winken den zuletzt starken Aktien Anschlusskäufe und abermals höhere Kurse. Die Fondsmanager der Capital Group hätten dann wohl erst recht das Nachsehen...

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
Das könnte Sie auch interessieren
 
 
 
 
 
 
 
 
Roche Hldg PS I
NameAktuell+/-%

CHFSWX

390.60

11:45:43

+0.18%

+0.70

CHFSWX

18.90

11:44:54

+3.45%

+0.63

CHFSWX

83.14

11:45:59

+0.04%

+0.03

News