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Für hiesige Aktienanlegerinnen und -anleger kamen die letzten Tage einer Achterbahnfahrt der Gefühle gleich. Am Swiss Performance Index (SPI) gemessen, notierte der Schweizer Aktienmarkt am Dienstagvormittag in der Spitze fast zwei Prozent über dem Schlussstand vom vergangenen Freitag. Allerdings war die Freude über diese Gewinne nicht von Dauer, ging dieses Plus im weiteren Wochenverlauf doch vollständig wieder verloren.
Mit Stand vom Freitagmittag steuert das breit gefasste Börsenbarometer nun sogar auf eine negative Wochenbilanz zu. Ohne die beiden Schwergewichte Roche und Novartis wären die Vorzeichen wohl noch viel negativer. Mit einem Plus von je knapp zehn Prozent seit Januar zählen die beiden Pharmawerte zu den diesjährigen SMI-Gewinnern, gleich nach ABB (+35 Prozent) und dem Aufsteiger Sandoz (+22 Prozent). Seit Januar 2025 liegen die Valoren von Roche (+41 Prozent) und Novartis (+35 Prozent) sogar noch deutlicher im Plus.
Die geradezu beeindruckende Kursbilanz der beiden Schwergewichte bringt Profis immer öfter an den Rand der Verzweiflung. Denn nicht eben wenige sind bei diesen Pharmawerten sträflich unterinvestiert. Das Erfolgsrezept früherer Jahre, nämlich den Valoren von Roche und Novartis ein geringeres oder gar kein Gewicht im Aktienportefeuille einzuräumen und stattdessen auf solche von wachstumsstärkeren Unternehmen zu setzen, geht nicht mehr auf. Ganz im Gegenteil: Seit Januar 2025 kostet es im Vergleich zum hiesigen Gesamtmarkt viel Rendite.
Mal schauen, ob künftig wieder vermehrt Gelder in Richtung der beiden Schwergewichte fliessen.
Die Partizipationsscheine arbeiten sich langsam nach oben (Quelle: www.cash.ch)
Kommen wir an dieser Stelle auf Alcon zu sprechen. Egal ob Vontobel, die UBS oder Jefferies – man findet kaum eine Bank, welche die Aktien nicht lauthals zum Kauf anpreisen würde. Geholfen hat dies den Valoren des Ophthalmologieunternehmens allerdings herzlich wenig. Mit einem Minus von fast 17 Prozent seit Januar finden sie sich auf der diesjährigen SMI-Rangliste auf dem drittletzten Platz wieder. Nur gerade jene von Amrize (-28 Prozent) und der Partners Group (-38 Prozent) schneiden noch schlechter ab.
Die Zuversicht seiner Berufskollegen in Sachen Alcon kann der für die Bank of America tätige Londoner Analyst Julien Ouaddour allerdings so gar nicht teilen. Er verleiht seiner «Underperform» lautenden Verkaufsempfehlung mit einer weiteren Reduktion seines Kursziels auf 48 (zuvor 50) Franken nochmals Nachdruck.
Der Analyst äussert die Befürchtung, dass das in der ersten Jahreshälfte gesehene Wachstum bis ins kommende Jahr hinein an Dynamik einbüssen könnte. Er begründet das mit einer möglichen Kannibalisierung bisheriger durch neue Produkte. Im Geschäft mit Kontaktlinsen komme erschwerend eine Verschärfung des Wettbewerbs und damit verbundener Preisdruck hinzu. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Analyst liegt sowohl mit seinen Umsatz- als auch mit seinen Margenerwartungen fürs kommende Jahr unter den durchschnittlichen Annahmen seiner Berufskollegen bei anderen Banken.
Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass den Aktien der Partners Group, Amrize und Alcon gleich drei mehrfach genannte Favoriten der Banken fürs Börsenjahr 2026 die undankbare Rolle der diesjährigen SMI-Schlusslichter zuteilwird. Im Wissen, dass auch ich damals die Partners Group und Amrize in der Favoritenrolle wähnte, sollte ich, der im Glashaus sitzt, allerdings nicht mit Steinen werfen.
Erst am Montag berichtete ich von Anpassungen einiger Banken und Broker bei den von ihnen favorisierten Aktien. Dabei fiel seitens Octavian neben vier anderen Titeln mit Blick aufs Schlussquartal auch der Name Kuros. Die zuständige Analystin Laura Pfeifer-Rossi glaubt, dass der Börsenüberflieger von 2024 seine diesjährigen Finanzziele übertreffen wird. Sie selber geht von einem Umsatzplus von 40 Prozent bei einer operativen Gewinnmarge (EBITDA) von 14,5 Prozent aus, was über dem vom Unternehmen in Aussicht gestellten Umsatzwachstum von mindestens 35 Prozent bei einer EBITDA-Marge von rund 14 Prozent liegt.
Die Analystin stuft die Aktien schon eine ganze Weile mit «Buy» ein. Das Kursziel beträgt seit wenigen Monaten 33 Franken und liegt damit weit über den zuletzt bezahlten 18 Franken.
Für Gesprächsstoff sorgt in hiesigen Börsenkreisen ein Titelverkauf aus der Chef-Etage des Herstellers von Knochenersatzmaterial. Wie einer Offenlegungsmeldung an die SIX Swiss Exchange entnommen werden kann, wurde ein Block über 30'000 Aktien zu 18,40 Franken je Stück bei einem institutionellen Anleger untergebracht. Mit dem Erlös in Höhe von gut 550'000 Franken will der nicht namentlich bekannte Verkäufer die Steuerfolgen seines Restpakets stemmen. Auch das geht aus der Meldung hervor.
Es ist weniger die Transaktion an und für sich, welche heiss diskutiert wird, als vielmehr der Zeitpunkt des Verkaufs. Denn mit einem Minus von gut 34 Prozent seit Januar zählt Kuros zu den zehn Aktien mit der schlechtesten Kursbilanz in diesem Jahr. Mitte Oktober vergangenen Jahres wurden in der Spitze sogar Kurse von 34 Franken und mehr bezahlt. Vor diesem Hintergrund überrascht es mich nicht, dass die Wogen in hiesigen Börsenkreisen hochgehen.
Beim Thema Kuros bleibe ich bei meinen kürzlich gemachten Aussagen:
Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, sind Kuros Biosciences in den letzten Jahren zweifelsfrei bedeutende Fortschritte gelungen. Das Produktangebot des aufstrebenden Medizinaltechnikherstellers erscheint mir vielversprechend. Wer den Kaufempfehlungen seitens der UBS und der vielen anderen Banken Folge leisten möchte, sollte sich allerdings nicht zu sehr von den teils abenteuerlich hohen Kurszielen den Mund wässrig machen lassen. Ein Einstieg setzt nämlich auch weiterhin einen langen Anlagehorizont sowie ein gewisses Mass an Risikobereitschaft und Risikofähigkeit voraus.
Ein abenteuerlich hohes Kursziel ging diese Woche auch für die Aktien des Laborausrüsters Tecan ein. Sein Absender: Der für die Berenberg Bank tätige Harry Gillis. Obwohl das Männedorfer Unternehmen allein in diesem Jahr rund 70 Prozent an Börsenwert zulegen konnte, sieht der Berenberg-Analyst noch viel Luft nach oben. In einer mir zugespielten Studie veranschlagt er neuerdings ein Kursziel von 300 (zuvor 240) Franken für die mit «Buy» angepriesenen Valoren.
Kursentwicklung der Kuros-Aktien im mehrjährigen Verlauf (Quelle: www.cash.ch)
Dass die Gewinnschätzungen für das laufende und die beiden darauffolgenden Jahre bloss um bis zu 5,9 Prozent nach oben angepasst werden, steht in einem krassen Missverhältnis zu dieser Kurszielerhöhung. Folglich überrascht es mich nicht, wenn Gillis viel KI-Fantasie in sein Bewertungsmodell verpackt. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Kooperationen des Laborausrüsters mit Nvidia und Anthropic und erachtet den geplanten Börsengang von Anthropic als möglichen Kurstreiber für die Tecan-Aktien.
Da lobe ich mir seinen Berufskollegen Elmar Sieber von der Basler Kantonalbank. Wie ich bereits gestern Donnerstag im morgendlichen Insider Briefing berichtete, hat er die Valoren des Laborausrüsters nach dem starken Lauf der letzten Wochen von «Übergewichten» auf «Marktgewichten» heruntergestuft – wenn auch mit einem etwas höheren Kursziel von 240 (zuvor 220) Franken. Wie Gillis sieht auch Sieber ein nicht unbeträchtliches kommerzielles Potenzial auf dem Gebiet vollautomatischer Laboratorien. Er teilt jedoch die Einschätzung des Unternehmens selber, wonach auf diesem Gebiet noch Geduld gefragt ist.
Mit anderen Worten: Bei der Berenberg Bank lässt man (etwas gar) viel Zukunftsmusik ins Bewertungsmodell einfliessen. Ich sehe darin nicht unbedingt eine gesunde Entwicklung für die Börse, wenn Analysten händeringend nach immer abenteuerlicheren Gründen greifen, um bei gewissen Aktien noch höhere Kurse rechtfertigen zu können.
Aber blicken wir doch noch kurz auf nächste Woche. Am Dienstag läuten Givaudan und Sulzer hierzulande die Unternehmensberichterstattung fürs dritte Quartal ein. Mein persönliches Interesse gilt tags darauf vor allem dem Investorentag von Lonza. Der Pharmazulieferer lädt dann ins kalifornische Vacaville. Bei dieser Gelegenheit geben die Basler auch gleich einen Zwischenbericht für das dritte Quartal ab. Mehr dazu am kommenden Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
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