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Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Schweizer Aktienmarkt: Nun geraten selbst die Gewinneraktien unter die Räder

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Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche unter anderem: Nun lassen selbst SMI-Gewinner wie Sika oder Holcim den Kopf hängen - Und: Resignation bei den Aktionären der Credit Suisse.

06.04.2023   12:05
Von cash Insider
Logo des Zementkonzerns Holcim.

Logo des Zementkonzerns Holcim.

Quelle: ZVG

Der cash Insider berichtet im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv.

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Nach dem Kursfeuerwerk der letzten Wochen macht sich auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt so etwas wie Katerstimmung bemerkbar. Unter dem Strich erweisen sich die vergangenen Tage für den breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) mehr oder weniger als ein Nullsummenspiel.

Zwei Dinge sind es, die mir auffallen: Zum einen waren die Handelsumsätze zuletzt stark rückläufig. Alleine am Dienstag gingen beim Schwergewicht Roche bis zum Markteintritt der Amerikaner vom Nachmittag für keine 65 Millionen Franken Genussscheine um. Und auch bei den Aktien von Erzrivalin Novartis waren die Umsätze mit gut 80 Millionen Franken mehr als mager. Zum anderen geraten nun selbst die diesjährigen Gewinneraktien unter die Räder.

Besonders arg erwischte es in den letzten Tagen jene von Sika. Ein Ausblick der amerikanischen Investmentbank Jefferies auf die Umsatzveröffentlichung vom 18. April liess die Dämme brechen. Autor Priyal Woolf bekräftigt darin zwar seine Kaufempfehlung für die Valoren des Bauchemieherstellers, wenn auch mit einem etwas tieferen Kursziel von 316 (zuvor 322) Franken. Dass er in Bezug auf die Absatzentwicklung vor einem möglicherweise schwierigen ersten Quartal warnt, lässt allerdings aufhorchen. Der Jefferies-Analyst geht im Jahresvergleich sogar von einem leicht rückläufigen Quartalsumsatz aus.

Aktienkursentwicklung bei Sika seit Januar (Quelle: www.cash.ch)

Zur Erinnerung: Als Sika Mitte Februar anlässlich der Jahresergebnisveröffentlichung mit einem geradezu vor Zuversicht strotzenden Ausblick für dieses Jahr aufwartete, reagierten die Aktien mit einem kleineren Kursfeuerwerk. Ein schwaches erstes Quartal – auch wenn es als das umsatzärmste des ganzen Jahres gilt – könnte Zweifel an der Erreichbarkeit des diesjährigen Ausblicks wach werden lassen. Und das, obwohl Firmenchef Thomas Hasler letzteren rund um die Jahresergebnisveröffentlichung herum sogar als eher konservativ bezeichnete.

Ebenfalls unter Verkaufsdruck standen in den letzten Tagen die Aktien von Holcim. Wie Sika gilt auch der Weltmarktführer aus dem steuergünstigen Zug momentan als eines der Vorzeigeunternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI). Und wie beim früheren Arbeitgeber von Holcim-Chef Jan Jenisch will man auch beim Baustoffproduzenten partout nichts von einem Wirtschaftsabschwung wissen. Man ist auf Wachstum getrimmt.

Doch auch bei Holcim häufen sich im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung die warnenden Analystenstimmen. Gregor Kuglitsch von der UBS etwa geht im Jahresvergleich von einem Umsatzrückgang um 12 Prozent auf 5,7 Milliarden Franken aus, was dem Verkauf des Indiengeschäfts geschuldet ist. Dank prozentual zweistelligen Preiserhöhungen sollte der Weltmarktführer den Umsatz im Jahresvergleich organisch um 6 Prozent gesteigert haben. Der UBS-Analyst rechnet insbesondere im Überdachungsgeschäft mit negativen Folgen eines Lagerabbaus entlang der Vertriebskanäle.

Auch für seine Berufskollegin Glynis Johnson bei Jefferies ist dieser Lagerabbau im Hinblick auf die Ergebnisveröffentlichung ein allgegenwärtiges Thema. Hinzu komme in diesem margenstarken Geschäftsfeld eine zusehends hohe Vergleichsbasis aus dem Vorjahr, wie sie weiter schreibt. Daran ändert auch nichts, dass die Analystin ihr Kursziel für die mit "Hold" eingestuften Aktien auf 63,20 (zuvor 50,90) Franken nachzieht.

Es sind übrigens nicht die einzigen warnenden Kommentare, die in den letzten Tagen bei mir eingegangen sind. Kürzlich berichtete ich im Insider-Briefing davon, dass bei Givaudan mit Ergebnisenttäuschungen zu rechnen sei. Stein des Anstosses waren entsprechende Aussagen von J.P. Morgan und Jefferies. Unnötig zu erwähnen, dass beide amerikanischen Banken mit "Underperform" zum Verkauf der Aktien des Aromen- und Duftstoffherstellers aus Genf raten.

Die UBS kürzte ihrerseits die Auftragserwartungen an die VAT Group. Mit ihren neuen Annahmen liegt sie weit unter den Annahmen anderer Banken. Und gestern Donnerstag löste die Citigroup eine kleinere Kurslawine aus, als sie die Namenaktien von Schindler in Erwartung einer Enttäuschung beim Auftragseingang und bei den operativen Margen unter negativen Vorzeichen mit einem Kursziel von 192 (zuvor 212) Franken auf die "Catalyst Watch List" setzte.

Ich kann mich nicht daran erinnern, seit der Zeit unmittelbar nach der Pandemie auch nur annähernd einer ähnlichen Häufung von warnenden Analystenstimmen begegnet zu sein. Sollten sich die geäusserten Vorbehalte bestätigen, müssten vermutlich viele andere Berufskollegen ebenfalls ihre Rotstifte zücken. Erste wichtige Anhaltspunkte erhoffe ich mir vom kommenden Donnerstag, wenn Givaudan und die VAT Group bei den hiesigen Unternehmen die Quartalsberichterstattung einläuten. Ob und wie die Börse mit möglichen Ergebnisenttäuschungen umgeht, ist bekanntlich ja auch von der Erwartungshaltung abhängig. Das wiederum macht die Lage noch viel unberechenbarer...

Kursentwicklung der Credit-Suisse-Aktien in den letzten Tagen (Quelle: www.cash.ch)

Die mediale Grossbühne gehörte diese Woche abermals der Credit Suisse. Unter einem erhöhten Sicherheitsaufgebot stellten sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Grossbank ein letztes Mal den Aktionärinnen und Aktionären. Wer eine emotionsgeladene Aktionärsversammlung erwartet hatte, wurde dann allerdings doch enttäuscht. Vielmehr war unter den Teilnehmenden beinahe so etwas wie Resignation zu verspüren.

Verwaltungsratspräsident Axel Lehman rang sich schon früh in seiner Rede zu so etwas wie einer Entschuldigung für die Ereignisse der letzten Wochen durch, was nur bedingt als Balsam für die geschundene Aktionärsseele herhielt. Ansonsten liessen die Aussagen der Grossbankenvertreter jegliche Selbsterkenntnis vermissen. Und wer sich Selbstkasteiung erhofft hatte, wurde sowieso enttäuscht.

Von einer gewissen Resignation zeugte auch der Umstand, dass die Aktionärinnen und Aktionäre den wichtigsten Anträgen von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung zustimmten – wenn teilweise auch nur hauchdünn. Einen letzten Denkzettel für die Verantwortlichen gab es nicht. Die Generalversammlung der künftigen Mutter UBS tags darauf war hingegen reine Formsache.

Als einstiger Lehrling der Schweizerischen Kreditanstalt blutet mir das Herz – selbst wenn meine Lehrzeit gut 30 Jahre zurückliegt. Die Bank war damals noch eine andere, sehr viel Bodenständigere. Die angelsächsischen Einflüsse kamen erst später.

Ich bin nun neugierig, ob nach dem langen Oster-Wochenende weitere Indiskretionen rund um den Kollaps der Credit Suisse und die Zwangsverheiratung mit der Erzrivalin UBS in die Öffentlichkeit durchsickern werden. Mehr dazu am Freitag in einer Woche, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf. Feiertagsbedingt erscheinen das nächste Insider-Briefing und die Kolumne am kommenden Dienstag zur gewohnten Zeit.

An dieser Stelle wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern ein erholsames Oster-Wochenende, auch wenn die Wettervorhersagen wie gewöhnlich nicht gerade vielversprechend sind. Gewisse Dinge ändern sich nie...

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.

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