Die Business-Idee

Jeder kennt das Goldvreneli. Die kultige Münze durfte einst bei keiner Taufe, Hochzeit oder runden Geburtstagsfeier auf dem Geschenktisch fehlen. Zwischen 1897 und 1949 brachte die offizielle Münzprägestätte Swissmint mehr als 60 Millionen der 10-, 20- oder 100-Franken-Goldvreneli in Umlauf – als Anlage, Sammler- und Erinnerungsstücke. «So manche Schweizerin und mancher Schweizer hat sicher noch Vreneli daheim oder auf der Bank», sagt André Nisple. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner André Rauch hat er in diesem Jahr, 73 Jahre nach der letzten Prägung eines Goldvrenelis, das Silbervreneli auf den Markt gebracht. «Wir wollen diese besondere Geschenktradition wiederbeleben, und zwar mit einer bezahlbaren Alternative», so Nisple. Scherzhaft nennen sie ihre Münze, die wie gewohnt ein lockiges Vreneli und Schweizer Bergpanorama ziert und zu 99,9 Prozent aus Edelmetall besteht, auch die «jüngere Schwester» vom Goldvreneli. 

Die Gründer

Nisple kommt aus der Versicherungsbranche, Rauch aus dem Finanzsektor und die beiden kennen sich schon rund dreissig Jahre. Schon lange liebäugelten sie mit einer gemeinsamen Firmengründung. Vor rund zwei Jahren hatten sie die Idee zum Silbervreneli. «Zunächst mussten wir abklären, was wir rechtlich überhaupt dürfen», erinnert sich Nisple. Da es sich beim Silbervreneli um eine Münze ohne tatsächliche Zahlkraft handelt, stand der Umsetzung nichts mehr im Weg und auch die Marke ist ohne Widersprüche offiziell eingetragen und geschützt: «Wir setzen voll auf Swissness, haben unsere Münze in der Schweiz designt und geprägt und im Mai die erste Prägung von 500 Stück erfolgreich lanciert.» Eine 2023er-Auflage ist bereits in Arbeit. Die Gründer kümmern sich nebenberuflich um ihr Startup. 

«upbeat» – die Schweizer Startup-Serie

Unsere Startup-Serie «upbeat» porträtiert jede Woche ein Schweizer Jungunternehmen multimedial in Print, Audio und Video. Daneben kommen die wichtigsten Investoren und Akteure der Innovationsszene zu Wort. Bleiben Sie dran, im Format Ihrer Wahl: Text, Bild und unterhaltsame Videos finden Sie jede Woche auf handelszeitung.ch/upbeat oder in den sozialen Netzwerken. Den Podcast, mit vielen Tipps für Menschen, die selber in der Startup-Welt durchstarten möchten, finden Sie auf Apple Podcasts und Spotify – und überall da, wo Podcasts zu Hause sind.

Der Markt

Auch wenn das Vreneli in der Schweiz eine Art Kultstatus besitzt, kommen Münzen mit einem etwas angestaubten Image daher. Investments in Edelmetalle bleiben aber beliebt. Kein Wunder: Während die Märkte weltweit aktuell empfindlich auf Corona-Nachwehen, Leitzinserhöhungen und hohe Energiepreise reagieren, sehen viele in Gold, Silber und Rohstoffen risikoärmere Alternativen. Mit Blick auf die Goldpreis-Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist das verständlich: Anfang 1974 lag der Preis je Feinunze bei 116 Dollar, aktuell schwankt er zwischen 1600 und 1800 Dollar. Im gleichen Zeitraum entwickelte sich der Silberpreis von 3,6 Dollar auf aktuell rund 20 Dollar – die Wertsteigerung ist also auch beim Silber gegeben, wenn auch für den Durchschnittseidgenossen erschwinglicher. «Nichtsdestotrotz spüren wir, dass Konsumentinnen und Konsumenten aktuell durch gestiegene Lebenshaltungskosten weniger bereit sind, im Geschenksegment viel Geld auszugeben», gibt André Nisple zu. «Wir hoffen auf eine baldige Umkehr dieser Entwicklungen.»

Das Kapital

Im November 2021 gründeten Nisple und Rauch die Silbervreneli GmbH mit privaten Mitteln in Hüntwangen ZH. Ein Silbervreneli gibt es im Online-Shop für 99 Franken, im Dreierpack für 283 Franken. Schwebende Rahmen mit personalisierten Botschaften hat das Jungunternehmen ebenfalls im Angebot – «damit das Silbervreneli wie früher das Goldvreneli zu einem ganz besonderen Geschenk für besondere Anlässe wird – etwa für den Göttibub zur Taufe oder Weihnachten», sagt André Nisple. 

Die Chance

Um weiter skalieren zu können, möchten Nisple und Rauch auf Kooperationen mit Kultur- und Tourismusverbänden setzen: «Wir sehen das Silbervreneli im Bereich der hochwertigen Souvenirs in Geschenkboutiquen der Tourismusverbände, zum Beispiel umrahmt von einem Matterhorn-Bergpanorama oder Ähnlichem.» Im kommenden Jahr planen sie, die Anzahl der geprägten Münzen zu verdoppeln oder zu verdreifachen. 

 

Die Schweizer Startup-Serie.
Handelszeitung upbeat

Wöchentliche Interviews mit den innovativen Gründerinnen und Gründern des Landes. Gespräche über Ideen, Risiken und Nebenwirkungen.