Die Anleger hatten nach den jüngsten Zinsentscheiden der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst wieder mehr Hoffnung, dass die Zinsspirale bald zu Ende gehen könnte. Diese Hoffnungen bekommen nun aber durch starke Jobdaten aus den USA erst einmal wieder einen Dämpfer. Die Beschäftigung wuchs im Januar viel stärker als erwartet, die Arbeitslosigkeit fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als einem halben Jahrhundert.

"Nach dem Arbeitsmarktbericht dürfte endgültig klar sein, warum die Fed weiterhin von anstehenden Zinserhöhungen im Plural spricht", betonte Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. Das geplante Abbremsen der US-Wirtschaft gelänge der Fed bislang kaum. Stand jetzt könne die US-Wirtschaft noch höhere Zinsen vertragen.

Für die am Vortag stark gestiegenen Aktien der Immobilienkonzerne ging es in der Folge wieder bergab. Der zinssensible europäische Immobiliensektor büsste als schwächster der Stoxx-600-Übersicht 2,3 Prozent ein. Im Dax fiel Vonovia um 2,8 Prozent, im MDax gerieten zudem Aroundtown , LEG und TAG Immobilien sogar noch deutlicher unter Druck.

Auch die jüngste Tech-Rally wurde durch die wachsende Zinsangst gebremst, hinzu kamen enttäuschende Quartalszahlen der US-Schwergewichte Apple , Amazon und Alphabet . Mit dem nächsten Schritt nach oben tut sich der Tech-Sektor damit nun zunächst schwer. "Der Bullenmarkt könnte noch etwas auf sich warten lassen", gibt sich Analyst Jim Reid von der Deutschen Bank vorsichtiger. Chipkonzern Infineon setzte seinen guten Lauf jedoch fort und sprang um 1,6 Prozent in die Dax-Spitzengruppe.

Die Vorzugsaktien des Konsumgüterherstellers Henkel gehörten mit einem Plus von knapp einem Prozent ebenfalls zu den Gewinnern im Leitindex. Händler verwiesen als Stütze auf überraschend gute Quartalszahlen und einen erhöhten Gewinnausblick vom US-Konkurrenten Clorox.

Die Shop Apotheke wurde wiederum von Nachrichten eines Konkurrenten belastet: Die Schweizer Online-Apotheke Zur Rose verkauft ihr Schweiz-Geschäft an Migros und legt so den Fokus auf den deutschen Markt. Laut einem Händler droht der Shop Apotheke damit erstarkte Konkurrenz in Deutschland, was die Papiere des Medikamentenversenders zeitweise um mehr als vier Prozent absacken liess. Letztlich schlossen sie im Nebenwerte-Index SDax aber nur 0,6 Prozent tiefer.

Eine positive Analysteneinschätzung zu SGL gab den Aktien des Kohlefaserspezialisten mächtig Auftrieb, sie gewannen an der SDax-Spitze 12,5 Prozent. Experte Andreas Heine vom Investmenthaus Stifel hob das Kursziel von 9 auf 13 Euro an und sieht damit noch immer fast 50 Prozent Kurspotenzial. Sein Optimismus basiert vor allem auf dem Markt für Siliziumkarbid-Halbleiter, der den Geschäftsbereich Graphite Solutions antreiben sollte.

Ausserhalb der grossen Börsenindizes brachen Leoni um 43,8 Prozent auf 3,39 Euro ein, zeitweise markierten sie ein Rekordtief von 3,15 Euro. Der in finanzielle Nöte geratene Autozulieferer zieht einen Kapitalschnitt zur Sanierung in Betracht. Für Leoni war ein bereits sicher geglaubter Teilverkauf geplatzt, der 400 Millionen Euro in die Kassen spülen sollte. Anfang der Woche hatte Vorstandschef Aldo Kamper seinen Weggang in wenigen Wochen verkündet. Ein Kapitalschnitt wird in der Regel bei hohen Verlusten vorgenommen. Den Aktionären droht nun eine hohe Gewinnverwässerung.

An der Wall Street stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss minimal im Plus. Der technologielastige Nasdaq 100 fiel dagegen um rund 0,4 Prozent. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx schloss 0,40 Prozent höher bei 4257,98 Punkten. In Paris ging es für den Cac 40 um fast ein Prozent aufwärts, während der FTSE 100 in London ähnlich deutlich zulegte.

Der Euro geriet nach den US-Arbeitsmarktdaten unter Druck und kostete zuletzt 1,0825 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0937 (Donnerstag: 1,0988) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9143 (0,9100) Euro. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 2,25 Prozent am Vortag auf 2,15 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,42 Prozent auf 126,49 Punkte. Der Bund-Future sank zuletzt um 0,91 Prozent auf 138,13 Zähler./niw/zb

--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---

(AWP)