Angeschlagene SMI-Schwergewichte - «Schweizer Aktien sind im freien Fall»

Julius Bär findet keine guten Worte für die Schwergewichte aus dem Swiss Market Index. Der cash Insider verrät weshalb. - Und: Haben die Erben des Spielzeugimperiums Lego bei Landis+Gyr die Notbremse gezogen?
11.06.2018 14:30
cash Insider
«Schweizer Aktien sind im freien Fall»
Bild: fotolia.com

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Seit Wochen präsentiert sich den Aktionären und Genussscheinhaltern von Roche ein zermürbendes Bild: Auf der Suche nach dem Boden fällt und fällt der Kurs.

Gut 200 Punkte kostete das Indexschwergewicht den Swiss Market Index (SMI) alleine im laufenden Jahr. Seit Dezember vor drei Jahren beläuft sich der Gegenwind für das viel beachtete Börsenbarometer sogar auf fast 500 Punkte.

Damit wird dem Pharma- und Diagnostikkonzern aus Basel nicht nur die wenig dankbare Rolle des Schlusslichts unter den Vertretern aus dem SMI, sondern auch die des Spielverderbers für den ganzen Börsenplatz Schweiz zuteil - womit sich Roche in prominenter Gesellschaft befindet: Auch die Aktien des Rivalen Novartis sowie jene des Nahrungsmittelherstellers Nestlé kosteten den SMI in den vergangenen Monaten so manchen Punkt.

Von "Schweizer Aktien im freien Fall" berichtet Mensur Pocinci von Julius Bär. Seit nunmehr drei Jahren entwickle sich der Schweizer Aktienmarkt kontinuierlich schlechter als der Weltaktienindex, so der bekannte Markttechnikexperte.

In den letzten Tagen erfuhr dieser Trend sogar noch eine Beschleunigung. Schuld an der Misere: Die Valoren von Nestlé, Roche und Novartis, an welchen Pocinci denn auch kein gutes Wort lässt. Er sagt allen drei eine auf lange Sicht unterdurchschnittliche Entwicklung vorher.

Bewertung des MSCI Switzerland Index im relativen Vergleich zum MSCI Weltaktienindex (Quelle: Credit Suisse)

Eines muss man dem Markttechnikexperten lassen: Er riet seiner Kundschaft schon Mitte Februar zu Umschichtungen aus den Indexschwergewichten in den Nasdaq-100-Index (siehe "«SMI-Schwergewichte sterben einen langsamen Tod»" vom 16. Februar) - und lag damit goldrichtig.

Angeblich befinden sich seit Wochen mächtige angelsächsische Grossinvestoren auf dem Rückzug aus den Indexschwergewichten. Das zumindest berichten mir mehrere voneinander unabhängige Londoner Quellen (siehe auch "Weltgrösster Vermögensverwalter schichtet kräftig um" vom 5. Mai).

Bei mir weckt der Kurszerfall bei den Valoren von Nestlé, Roche und Novartis unschöne Erinnerungen an die Wochen unmittelbar vor dem Platzen der Technologieblase von anfangs der Nullerjahre. Damals wie heute zogen Grossinvestoren Milliarden von Franken aus den vermeintlich "langweiligen" Schweizer Indexschwergewichten ab, um nahe der Höchstkurse dort zu investieren, wo die Musik spielt.

Wohin die Milliarden diesmal fliessen, liegt geradezu auf der Hand: Amazon, Netflix & Co. lassen grüssen...

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Noch bis vor wenigen Wochen sah alles danach aus, als ob die "Aktionäre der ersten Stunde" bei Landis+Gyr mit einem blauen Auge davonkämen. Die Aktien des Stromzählerherstellers aus Zug flirteten intensivst mit dem seinerzeitigen Ausgabepreis von 78 Franken.

Doch es sollte bei einem blossen Flirt bleiben: Wenige Tage vor der Veröffentlichung des Jahresergebnisses vom vergangenen Dienstag rissen aggressive Leerverkäufe die Kurse in die Tiefe (siehe "Nehmen Leerverkäufer «Börsen-Urgestein» ins Visier? " vom 30. Mai). Innerhalb von weniger als 48 Stunden gingen gut 10 Prozent des Börsenwerts in Luft auf.

Eine kräftige Kurserholung am Tag der Ergebnisveröffentlichung erwies sich rückblickend als ein Strohfeuer, gingen die Aktien von Landis+Gyr am späten Freitag doch auf den tiefsten Stand seit Ende Oktober aus dem Handel.

Seit Wochen kranken die Aktien von Landis+Gyr an einem mysteriösen Kurszerfall (Quelle: www.cash.ch)

Damals verhinderte nur der Einstieg von Kirk Kristiansen, Schlimmeres. Der dänische Milliardär und Erbe des Spielzeugimperiums Lego kaufte sich in zwei Schritten mit 5,13 Prozent beim Stromzählerhersteller ein.

Obwohl den Sitz des Family Office von Kristiansen und den Hauptsitz von Landis+Gyr nur wenige Kilometer trennen, dürfte die Beteiligung rein finanziellen und nicht strategischen Charakter haben.

Gut zwei Millionen Titel haben während den letzten sechs Handelstagen die Hand gewechselt. Das entspricht immerhin fast 7 Prozent aller ausstehenden Aktien und weckt damit verständlicherweise Spekulationen, wonach sich auch der dänische Grossaktionär von Titeln getrennt haben könnte.

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