BeteiligungsmeldungenSo positionieren sich bedeutende Aktionäre in der Schweiz

Der cash Insider verrät, bei welchen Aktien Grossinvestoren in der Schweiz jetzt noch einsteigen und wo sie sich zurückziehen - Und: Strategen der britischen Barclays zuversichtlich für Aktien, aber ohne Überzeugung.
21.09.2017 12:30
cash Insider
So positionieren sich bedeutende Aktionäre in der Schweiz
Bild: fotolia.com

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Seit gestern ist es offiziell: Die oppositionelle Aktionärsgruppe White Tale hat ihre Vormachtstellung beim Basler Spezialitätenchemiekonzern Clariant ausgebaut und nennt nun 15,1 Prozent der Stimmen ihr eigen.

Nicht nur bei Clariant, auch bei anderen Unternehmen aus der Schweiz kam es in den letzten zwei Wochen zu augenfälligen Verschiebungen im Aktionariat.

Da wäre einmal der heute früh bekannt gewordene Beteiligungsausbau durch BNP Paribas bei Vifor Pharma. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, stieg der Stimmenanteil von 3,02 auf 3,12 Prozent. Etwas merkwürdig mutet an, dass die Entstehung der Meldepflicht in den Juli zurückreicht.

Angeblich steht dieses Aktienpaket in Zusammenhang mit von der französischen Grossbank ausgegebenen Derivaten, was die starken Beteiligungsschwankungen der letzten Monate erklären würde.

In der jüngeren Vergangenheit profitierten die bei Anlegern nicht gerade sehr beliebten Valoren von aggressiven Deckungskäufen seitens ausländischer Leerverkäufer.

Für Gesprächsstoff sorgte jüngst der Einstieg des finnischen Vermögensverwalters Taaleri mit 3,14 Prozent beim Milchverarbeiter Hochdorf. 2,3 Prozent der Stimmen hält der neue Grossaktionär über die Namenaktien, die Differenz vermutlich über Termingeschäfte.

Nach einem Vorstoss bis auf 340 Franken gelten die Papiere heute gerademal noch 260 Franken. Als belastend erwies sich bis zuletzt das ernüchternde Halbjahresergebnis.

Noch zahlreicher als die Beteiligungserhöhungen waren in den vergangenen Wochen aber die Beteiligungsreduktionen.

Wie eine Offenlegungsmeldung verrät, hat Pictet & Cie die an Comet gehaltene Beteiligung von 8,15 auf 4,82 Prozent reduziert. Rückblickend bewies die Genfer Privatbank eine gute Nase, gehören die Aktien des Halbleiterzulieferers doch zu den Überfliegern in diesem Jahr.

Comet-Aktien (rot) im 12-Monats-Vergleich mit jenen von Vifor Pharma (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Gleich zweimal den Rückzug angetreten hat die Fondssparte der Credit Suisse. Zuerst reduzierte sie ihren Anteil an der Immobilienbeteiligungsgesellschaft Mobimo auf unter 3 Prozent, dann auch jenen bei Swiss Prime Site. Über die Beweggründe lässt sich aus heutiger Sicht bloss spekulieren. Vermutlich reagiert die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken auf die jüngsten Entwicklungen am Schweizer Immobilienmarkt. Während bei den Gewerbeliegenschaften schon eine ganze Weile Flaute herrscht, scheint sich die Situation bei den Wohnliegenschaften nun ebenfalls einzutrüben.

Von einer möglichen Beteiligungserhöhung entweder durch den Grossaktionär Cevian oder aber durch den Gegenspieler Artisan Partners ist gerüchteweise beim Luftfracht-Spezialisten Panalpina zu hören. Schon seit Tagen sind die Aktien der Basler - sie gelten schon seit Jahren als heisser Übernahmekandidat - gesucht.

Selbst wenn grössere Beteiligungsveränderungen immer erst nachträglich bekannt werden, so können sie durchaus Signalwirkung haben. Wenn ich am morgen früh vor 7 Uhr im Büro ankomme, gilt mein Interesse daher immer zuerst den neusten Offenlegungsmeldungen.

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Wie stets gegen Ende eines Quartals melden sich auch in diesen Tagen vermehrt Aktienstrategen zu Wort. Hohe Wellen warf insbesondere ein Strategiepapier aus dem Hause Goldman Sachs. Darin gingen die für die amerikanische Investmentbank tätigen Autoren der Frage nach, wie gross denn die Gefahr eines Börsen-Crashs sei.

Während die Strategen den S&P-500-Index als stark überbewertet betrachten und alleine schon deshalb für rückschlagsgefährdet halten, zeigen sie sich beim Stoxx Europe 600 Index diesbezüglich weniger beunruhigt (siehe auch Kolumne vom Montag).

Die alteingesessenen Börsenprofis unter uns wissen allerdings: Wenn eine Ausverkaufswelle über die Börse in New York hereinbricht, rollt sie rund um den Globus. Nicht selten geraten die Aktienkurse in Europa sogar noch stärker unter Druck. Der Grund: Amerikanische Grossinvestoren neigen bei Börsenturbulenzen dazu, Gelder nach Hause zu holen. Im Fachjargon spricht man in diesem Zusammenhang auch von der "Repatriierung von Auslandsvermögen".

Schon seit Jahren raten die Strategen der britischen Barclays zum Kauf europäischer Aktien - und das mit Erfolg. Von ihrer Empfehlung wollen die Experten angesichts der Belebung bei der Unternehmensgewinnentwicklung partout nicht abkehren. So richtig wohl ist ihnen dabei aber nicht, wie sie selber einräumen. Stein des Anstosses: Der Höhenflug des amerikanischen Aktienmarktes.

Auch mir ist angesichts der Überhitzung an der Börse in New York alles andere als wohl.

Beeindruckender Höhenflug des Nasdaq-100-Index über die letzten 10 Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Die erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Ergebnisse einer monatlich von der Universität von Michigan bei amerikanischen Privathaushalten durchgeführten Umfrage machen die Sache nicht etwa besser.

Nach der zukünftigen Entwicklung des heimischen Aktienmarktes gefragt, gaben rekordhohe 65 Prozent der Befragten an, dass sie über die kommenden 12 Monate mit höheren Kursen rechnen. Zum Vergleich: Selbst unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise der Jahre 2007/08 lag dieser Anteil bei unter 50 Prozent.

Erst im August schrieb die amerikanische Investmentbank J.P. Morgan, dass amerikanische Haushalte Ende März mit knapp 35 Prozent der gesamten Vermögenswerte investiert waren. Das liegt nicht nur über dem bisherigen Rekordwert von 34,6 Prozent vom Frühjahr 2015, sondern auch über den 34,2 Prozent in den Monaten vor Ausbruch der Finanzkrise (siehe Kolumne vom 17. August).

Rückschlagsgefährdete Aktien orte ich bei uns am Schweizer Aktienmarkt insbesondere bei den Nebenwerten. Viele von ihnen haben in den letzten Jahren eine substanzielle Höherbewertung erfahren und sind nun - wie man im angelsächsischen Raum sagen würde - "priced for perfection".

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