Die besten Geschäftsmodelle der Schweiz

Morgan Stanley zeigt sich beeindruckt von fünf bekannten Firmen aus der Schweiz und ihren Geschäftsmodellen. Der cash Insider nennt sie beim Namen und sagt, womit diese Unternehmen punkten können.
29.01.2016 12:30
cash Insider
Die besten Geschäftsmodelle der Schweiz

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Bei einem Blick auf die Weltkarte könnte man die Schweiz glatt übersehen. Und dennoch zählen viele unserer Grossunternehmen zu den führenden auf ihrem Gebiet. Der kleine Binnenmarkt ward rasch erschlossen, weshalb sich nur noch jenseits der Landesgrenze Wachstum erzielen liess. Aus dieser Not wurde eine Tugend und die führte allem Anschein nach zum Erfolg.

Es wäre nicht so, dass Attribute wie die Unternehmensgrösse oder die Marktführerschaft heute nicht mehr zählen würden. Doch alleine schon die technologisch immer aufgeschlosseneren Rivalen aus den Schwellenländern zwingen selbst die mächtigsten unter den hiesigen Firmen dazu, sich laufend neu zu erfinden.

Diesem geradezu erdrückenden Wettbewerb wissen sich nur die Unternehmen zu entziehen, welche ein überzeugendes Geschäftsmodell ihr eigen nennen.

Zu diesem Schluss kommen auch die Verfasser einer Strategiestudie aus dem Hause Morgan Stanley. Darin nennen die Autoren 25 europäische Branchenvertreter mit dem ihrer Meinung nach überzeugendsten Geschäftsmodell. Bankeigenen Berechnungen zufolge hätte man den viel beachteten europäischen Aktienindex von MSCI in den vergangenen acht Jahren mit den Aktien dieser Unternehmen um nicht weniger als 190 Prozent geschlagen. Rückblickend ist man immer klüger - das gilt bekanntlich auch für die Börse.

Aus Schweizer Sicht kommt die Studie einem Adelsschlag für unser Land gleich. Denn von den 25 Firmen stammen nicht weniger als deren fünf von hier. Da staunt nicht nur der Laie.

Bei den Banken zeigen die Experten gerade am Geschäftsmodell der UBS sichtlich Gefallen. Mit ihrer strategischen Abkehr vom kapitalintensiven Handel mit Festverzinslichen, Devisen und Rohstoffen habe die Schweizer Grossbank schon vor Jahren neue Wege beschritten. Ihr werde damit eine Pionierrolle zuteil, so schreiben sie.

Die Studienautoren räumen zwar ein, dass der UBS noch weitere kostspielige Vergangenheitsbewältigung in Form von Rechtsstreitigkeiten und der Veräusserung von nicht zum Kerngeschäft zählenden Bereichen bevorsteht. Dennoch scheint das Unternehmen durch seine strikte Kostendisziplin, der klar definierten Strategie und der Förderung neuer Finanztechnologien zu bestechen.

Bei den Dienstleistungsfirmen fällt hingegen der Name SGS. Als Warenprüfkonzern ist das Genfer Unternehmen in einem von hohen Eintrittsbarrieren geprägten und hochrentablen Geschäftsbereich tätig. Obschon die Konzernleitung als vergleichsweise jung gilt, verfügt sie den Strategen von Morgan Stanley zufolge schon jetzt über eigenen guten Ruf. Das auf eine hohe Effizienz und ergänzende kleinere Übernahmen aufgebaute Geschäftsmodell scheint die Amerikaner überzeugt zu haben.

Nach wachstumsreichen Jahren macht sich auch beim Luxusgüterhersteller Richemont eine Verlangsamung bemerkbar. Darf man den Experten Glauben schenken, dann wähnt sich das ebenfalls in Genf beheimatete Unternehmen mit seinen qualitativ hochwertigen und bestens bekannten Marken jedoch in einer deutlich besseren Ausgangslage als die meisten anderen Anbieter. Richemont werde von einem erfahrenen Management geführt, für welches die Weiterentwicklung der hauseigenen Marken oberste Priorität habe. Die Studienverfasser trauen dem Luxusgüterhersteller daher auch in Zukunft eine führende Kapitalrentabilität zu.

Wenig überraschend ist auch Nestlé auf der Liste der Firmen mit dem überzeugendsten Geschäftsmodell zu finden. Der traditionsreiche Nahrungsmittelhersteller überzeugt den Experten zufolge alleine schon wegen seiner über alle Kontinente hinweg führenden Marktstellung sowie seinem breit abgestützten und daher einzigartigen Markenportfolio. Die Autoren lassen keinen Zweifel daran, dass Nestlé auch in den kommenden Jahren den Umsatz aus eigener Kraft um 5 bis 6 Prozent steigern kann.

Als fünfter Vertreter aus der Schweiz schafft die Partners Group den Sprung auf die Liste dieser herausragenden Publikumsgesellschaften. Das Unternehmen habe sich als führender Anbieter alternativer Anlageprodukte einen Namen gemacht, so die Autoren. Für institutionelle Grossinvestoren gibt es in diesem eher schlecht handelbaren Produktbereich ihres Erachtens kein Vorbeikommen. Das Geschäftsmodell der Partners Group werde den sich laufend verändernden Kundenbedürfnissen gerecht. Als Pluspunkt bezeichnen die Experten auch den guten Leistungsausweis des Managements sowie den Umstand, dass die drei Unternehmensgründer noch immer mitmischen.

Mir ist durchaus bewusst, dass sich von der vergangenen nicht auf die zukünftige Kursentwicklung von Aktien schliessen lässt. In einer von einem immer intensiveren Wettbewerb bestimmten Welt fahren Anleger mit Aktien von Firmen mit einem überzeugenden Geschäftsmodell ganz sicher nicht schlecht. An dieser Stelle sei allerdings gesagt, dass alle diese von Morgan Stanley genannten Unternehmen eine höhere Bewertung als viele ihrer Rivalen aufweisen. Qualität hat halt auch an der Börse ihren Preis.
 

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