Grosskunde auf dem Absprung - Bericht über Umsatzverluste bei Apple rückt milliardenschweren Firmenkauf bei AMS in völlig neues Licht

Der cash Insider kommentiert die Kursverluste, losgetreten durch einen besorgniserregenden Bericht zum Sensorenhersteller AMS. - Und: Analyst warnt vor Führungsvakuum bei der Credit Suisse.
20.04.2021 12:30
cash Insider
Bericht über Umsatzverluste bei Apple rückt milliardenschweren Firmenkauf bei AMS in völlig neues Licht
Bild: © kasto/fotolia.com

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Heute Dienstag spielen sich bei AMS seit wenigen Stunden dramatische Szenen ab. Zeitweise knickten die Aktien des Sensorenherstellers aus dem österreichischen Unterpremstätten um mehr als 12 Prozent ein - begleitet von stark anschwellenden Umsätzen.

Auslöser ist ein Bericht des deutschen Manager Magazins, wonach das hoch lukrative Geschäft mit dem Grosskunden Apple schneller als befürchtet wegbreche. Der zuständige Spartenchef Ulrich Hüwels müsse den Hut nehmen.

Spekulationen rund um rückläufige Umsätze mit den übermächtigen Amerikanern machen schon seit dem letzten Dezember die Runde. Damals berichtete ausgerechnet das kleine Bankhaus Lampe von Anhaltspunkten, wonach sich Apple in Asien nach anderen Lieferanten mit günstigeren Lösungen für die Gesichtserkennungsfunktion umschaue.

Da es AMS vertraglich untersagt ist, sich zum Geschäft mit einzelnen Grosskunden zu äussern, wird es dem Unternehmen nicht möglich sein, klare Verhältnisse zu schaffen. Wichtige Anhaltspunkte verspricht der 4. Mai. An diesem Tag wartet der Sensorenhersteller nicht nur mit dem Zahlenkranz für das erste Quartal, sondern auch mit einem Ausblick für das laufende zweite Quartal auf.

Eine gewisse Genugtuung dürfte Barclays-Analyst Andrew Gardiner verspüren. Er kürzte erst kürzlich sein Kursziel auf 16 (zuvor 19) Franken, um einem möglichen Verlust von Umsatzvolumen bei Apple Rechnung zu tragen. Gardiner ist übrigens der einzige Vertreter seiner Berufsgruppe, der mit "Underweight" zum Verkauf der Aktien von AMS rät.

Die AMS-Aktien stürzen regelrecht ab, obschon die Spekulationen nicht neu sind (Quelle: www.cash.ch)

Sollten sich der Bericht des Manager Magazins im Zuge eines vorsichtigen Ausblicks erhärten, würde das die kostspielige Übernahme von Osram Licht in ein völlig anderes Licht rücken. Die eine oder andere Leserin oder der eine oder andere Leser meiner Kolumne wird sich erinnern, dass ich in diesem Zusammenhang einst sogar so etwas wie eine "Verzweiflungstat" von Firmenchef Alexander Everke vermutete. Zur Erinnerung: Es war die kleinere AMS, die die grössere Osram Licht übernahm. Allerdings hätte ich zu diesem Zeitpunkt nie gedacht, dass sich diese Vermutung erhärten sollte.

Die Kursverluste kommen einem weiteren Schlag in die Magengrube der nicht gerade erfolgsverwöhnten AMS-Aktionäre gleich. Bleibt zu hoffen, dass sich die vom Bericht ausgehenden Wogen rasch wieder glätten. Denn schliesslich gibt es entsprechende Spekulationen ja schon seit Monaten. Da müssten diese doch eigentlich weitestgehend eingepreist sein.

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Die Aktien der Credit Suisse verharren hartnäckig im hohen einstelligen Frankenbereich. Man muss schon in den vergangenen November zurückgehen, um auf ähnlich tiefe Kurse zu stossen.

Das hält den für Mediobanca Securities tätigen Analysten Adam Terelak jedoch nicht davon ab, die Papiere der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken von "Neutral" auf "Underperform" abzustrafen. Gleichzeitig streicht er das Kursziel auf 9,20 (zuvor 12) Franken zusammen.

Terelak warnt vor einem Führungsvakuum. So rückt António Horta-Osório erst Ende April für den abtretenden Urs Rohner an die Spitze des Verwaltungsrats nach. Bis er sich eingelebt hat und der Weltöffentlichkeit seine strategischen Pläne vorlegt, dürften weitere wertvolle Monate verstreichen. Gleichzeitig ist die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Mark Branson.

Die Aktien der Credit Suisse notieren wieder auf dem Stand von Anfang November (Quelle: www.cash.ch)

Wie Terelak weiter schreibt, könnte dieses Führungsvakuum den Aktien der Credit Suisse zusetzen. Seines Erachtens gibt es keinen einfachen Ausweg aus dem Archegos-Schlammassel. Letzteren hält er für eine unausweichliche Folge einer zu aggressiven Wachstumsstrategie.

Auch was eine Stärkung der Eigenkapitalsituation anbetrifft, sind die Möglichkeiten der Grossbank dem Mediobanca-Analysten zufolge überschaubar: Eine Reduktion der mit Eigenkapital unterlegten Risikoaktiven, eine Kapitalerhöhung oder ein Verkauf von Geschäftsaktivitäten – sprich dem erst kürzlich ausgegliederten Asset Management.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Kaum jemand weiss das besser als langjährige Aktionärinnen und Aktionäre der Credit Suisse. Auf ihren künftigen Verwaltungsratspräsidenten António Horta-Osório wartet jedenfalls viel Arbeit. Eine neue Strategie ist das Eine, einen grundlegenden Kulturwandel im Investment Banking zu erzwingen etwas völlig anderes...

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.

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