Jagd nach vernachlässigten Aktien

Der cash Insider sagt, welche zurückgebliebenen Aktien letzte Woche wieder entdeckt wurden. Darüber hinaus hat er eine Liste weiterer zu Unrecht vernachlässigter Aktien zusammengestellt.
13.01.2014 12:30
cash Insider
Jagd nach vernachlässigten Aktien

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

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Am Freitagnachmittag wurde am Schweizer Aktienmarkt Geschichte geschrieben: Erstmals kletterte der viel beachtete Swiss Performance Index über die magische Marke von 8000 Punkten. Insbesondere im Lager institutioneller Grossinvestoren sei man von diesem Vorstoss überrascht und auf dem falschen Fuss erwischt worden. So wird mir zumindest aus dem Berufshandel berichtet.

Im gleichen Atemzug heisst es aus denselben Quellen, die Jagd nach vernachlässigten Aktien habe begonnen. Und tatsächlich war im Laufe der letzten Woche der eine oder andere Kursausschlag zu beobachten, welcher diese Vermutung bestätigt. An dieser Stelle sei übrigens gesagt, dass solche Kursausschläge bei vernachlässigten Aktien für gewöhnlich kein gutes Omen für den Gesamtmarkt sind.

Da wären beispielsweise die Aktien von Gurit. Dank einer Empfehlung aus dem Aktienhandel der UBS Investmentbank kamen letztere in der zweiten Wochenhälfte in den Genuss eines regelrechten Kursfeuerwerks. Der von mir sehr geschätzte Initiator der Empfehlung argumentiert, dass der in der Vergangenheit eingeleitete Transformationsprozess schon bald erste Früchte tragen sollte. Darüber hinaus seien die Papiere des Zulieferunternehmens für die Windkraftindustrie in ihrer Entwicklung hinter jenen der beiden Grosskunden Vestas und Gamesa zurückgeblieben.

Am Freitag dann vollzogen die Aktien von Kühne + Nagel einen Kurssprung, nachdem Vontobel eine kurzfristige Handelsempfehlung ausgesprochen hatte. Liegt das Zürcher Bankinstitut mit seiner Vermutung richtig, können sich die Aktionäre des Innerschweizer Transportunternehmens schon bald über eine Sonderdividende und eine Ausschüttung von insgesamt 8 bis 10 Franken pro Titel freuen. Der Markt sei zu negativ und die Aktien im Kurs zurückgeblieben, so hiess es weiter.

Diese Ansicht wird übrigens auch im Aktienhandel der MainFirst Bank geteilt. Obschon die Papiere von Kühne + Nagel offiziell mit «Underperform» und einem Kursziel von 115 Franken eingestuft werden, gelangte auch dieses Bankinstitut am Freitag mit einer Handelsempfehlung an die Anlagekundschaft.

Bei den Bankaktien setzten hingegen die Aktien der Credit Suisse zu einem Höhenflug an. Insbesondere gegenüber jenen der Erzrivalin UBS werden letztere als im Kurs zurückgeblieben beurteilt. Wach geküsst wurden die Papiere vergangene Woche übrigens von Spekulationen, wonach sich auch die kleinere der beiden Grossbanken aus weiten Teilen des Investment Banking zurückziehen könnte.

Aus aktuellem Anlass habe ich mich über das Wochenende mit dem Thema beschäftigt und bin dabei auf weitere im Kurs zurückgebliebene Aktien gestolpert. Allerdings möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass einige dieser Papiere nicht ohne Grund ein Mauerblümchen-Dasein fristen und es sich nicht um eine abschliessende Liste handelt.

Während die Aktien anderer europäischer Industrieunternehmen von einem Mehrjahreshöchst zum nächsten klettern, kommen jene von ABB schon seit Wochen nicht vom Fleck. Überschattet wird das Handelsgeschehen von der Angst vor einer weiteren Ergebnisenttäuschung. Öl ins Feuer goss das Unternehmen dabei selber. Es heisst, ABB habe gezielt Analysten angeschrieben und sie um eine Abwärtsrevision der diesjährigen Umsatzschätzungen gebeten. Zählt man eins und eins zusammen, wird das Unternehmen an der kommenden Jahresergebnispräsentation vermutlich beim Auftragseingang enttäuschen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Aktien danach zu einer Aufholjagd ansetzen werden.

Was ABB im europäischen Investitionsgütersektor ist, ist Holcim bei den europäischen Zementherstellern. Das in der Ostschweiz beheimatete Unternehmen hat zweifelsfrei mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Allerdings geht es sie unter CEO Bernard Fontana proaktiv an. Insbesondere die beiden indischen Tochtergesellschaften ACC und Ambuja Cement bereiten dem hiesigen Mutterhaus Kummer. Die Chancen stehen allerdings gut, dass aus diesem Gegenwind im Jahresverlauf Rückenwind wird. Und für gewöhnlich nimmt die Aktienkursentwicklung eine solche Schubumkehr schon um Monate vorweg.

Auch der Investorentag hauchte den Aktien von SGS gegen Ende des letzten Jahres kein neues Leben ein. Seit einer Umsatz- und Gewinnwarnung des französischen Rivalen Bureau Veritas ist bei den Papieren der Wurm drin. Mit dem Ende der Schuldenkrise und der Rezession in der Schlüsselregion Europa sollten auch die Papiere des Genfer Warenprüfunternehmens vermehrt wieder in die Gunst der Anleger rücken. Alleine bis zu den bisherigen Höchstkursen vom Frühjahr letzten Jahres besteht Luft von knapp 20 Prozent.

Wie sehr sich Sulzer auch anstrengt, das Winterthurer Traditionsunternehmen will einfach nicht aus den Negativschlagzeilen heraus kommen. Eine weitere Enttäuschung anlässlich der Jahresergebnispräsentation kann nicht ausgeschlossen werden. Ausserdem weckt der Verkaufsprozess für Sulzer Metco Vorbehalte in Bezug auf die Corporate Governance. Eine Aufholjagd verspreche ich mir, sollte der Turnaround endlich Formen annehmen oder der Verkaufserlös für Sulzer Metco höher als ursprünglich gedacht ausfallen.

Die Aktien von Syngenta sind schon seit Monaten nichts weiter als ein Schatten ihrer selbst. Verzögerungen bei der Marktzulassung für ein viel versprechendes Produkt im Schlüsselmarkt Brasilien haben Spuren in der Kursentwicklung hinterlassen. Und auch vom am letzten Mittwoch veröffentlichten Quartalsbericht des US-Rivalen Monsanto lassen sich keine allzu ermutigenden Rückschlüsse auf das Saatgutgeschäft der Basler ziehen. Die Papiere von Syngenta waren in den vergangenen Jahren aber immer wieder für eine Aufholjagd gut.

Das hatte sich der US-Milliardär Carl Icahn wohl anders vorgestellt: Bisher erwies sich sein Einstieg bei Transocean als finanzielles Nullsummenspiel. Und das obschon das in der Innerschweiz niedergelassene Ölserviceunternehmen seither die Dividende erhöht und beeindruckende Fortschritte im operativen Geschäft erzielt hat. Irgendwann wird der Markt nicht mehr länger über diese Faktoren hinweg schauen können und die Aktien eine Neubeurteilung erfahren. Und schliesslich haben die Publikumsaktionäre ja immer noch Carl Icahn, der mit ihnen im selben Boot sitzt.