Kräftige Kurszielerhöhung - UBS verliert bei beliebter Schweizer Aktie völlig die Bodenhaftung

Die UBS traut dem Börsenüberflieger SIG Combibloc noch einmal deutlich höhere Kurse zu. Wirklich auf Gehör stösst die Grossbank damit allerdings nicht. - Aufatmen bei Logitech - Und: Mysteriöse Kursflaute bei Zur Rose.
15.10.2020 12:30
cash Insider
UBS verliert bei beliebter Schweizer Aktie völlig die Bodenhaftung
Bild: fotolia.com

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Wer beim Börsengang von SIG Combibloc Aktien aus Emission zugeteilt erhielt, musste ganz schön lange warten, bis der Börsenrückkehrer endlich Fahrt aufnahm. Doch seit wenigen Wochen sind die Papiere des Verpackungsmaschinenspezialisten kaum noch zu bremsen. Ein Kursrekord jagt den nächsten.

Schon früh an den Erfolg des Unternehmens glaubte Analyst Joern Iffert von der UBS. Er preist die Aktien seit Mitte Mai letzten Jahres zum Kauf an. Nun scheint er allerdings völlig die Bodenhaftung zu verlieren, erhöht er das 12-Monats-Kursziel doch kräftig auf 28 (zuvor 18,50) Franken. Und das, obwohl seine Gewinnschätzungen nur unwesentlich über jenen seiner Berufskollegen bei anderen Banken liegen. Das höchste Kursziel hatte zuvor der für Kepler Cheuvreux tätige Torsten Sauter mit geradezu bescheiden anmutenden 21 Franken ausstehend.

Kursentwicklung der Aktien von SIG Combibloc seit dem Börsengang vom Dezember 2018 (Quelle: www.cash.ch)

Der UBS-Analyst argumentiert, dass SIG Combibloc – eigentlich bloss ein Zulieferer – alle Charakteristiken eines Herstellers von Gütern des täglichen Bedarfs aufweist und deshalb auch die Bewertung eines solchen verdient. Dabei orientiert er sich am Schokoladeproduzenten Barry Callebaut. Dessen Aktien werden mit mehr als dem Dreissigfachen des nächstjährigen Gewinns bewertet.

Mir scheint das etwas sehr extrem. Und vermutlich geht das nicht nur mir so, kann Iffert mit seiner kräftigen Kurszielerhöhung momentan doch kaum Käufer hinter dem Ofen hervorlocken. Das mag am heutigen Donnerstag allerdings auch mit dem schwachen Gesamtmarkt zu tun haben.

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In den Fluren von Logitech am Hauptsitz in Lausanne ist Aufatmen aus Erleichterung angesagt. Allen Unkenrufen zum Trotz wartete das amerikanische Kultunternehmen Apple Dienstagnacht nicht mit einer neuen Generation von AirPods auf. Oder besser gesagt noch nicht. Denn es dürfte kein Zufall sein, dass die übermächtigen Amerikaner erst vor wenigen Wochen sämtliche Kopfhörer und Lautsprecher von Drittanbietern aus dem Sortiment kippten.

Mit anderen Worten: Die für andere Anbieter schmerzhafte Produktoffensive von Apple dürfte noch kommen – allerdings wohl erst nach dem lukrativen Weihnachtsgeschäft.

Analyst Torsten Sauter von Kepler Cheuvreux erhöht jedenfalls sein Kursziel auf 75 (zuvor 62) Franken, auch wenn er die Aktien von Logitech bloss mit "Hold" einstuft. Sein Berufskollege Christoph Gretler von der Credit Suisse ist da etwas optimistischer. Er empfiehlt die Papiere wie bis anhin mit Outperform und einem Kursziel von 75 Franken zum Kauf.

Für Gretler ist schon heute so gut wie sicher, dass die Lausanner ihre diesjährigen Zielvorgaben erhöhen, wenn sie nächsten Dienstag ihren Zahlenkranz vorlegen. Und er ist damit nicht alleine. Joern Iffert von der Erzrivalin UBS teilt diese Meinung. Ob man auch bei Kepler Cheuvreux mit einer Erhöhung der diesjährigen Ziele rechnet, ist hingegen nicht bekannt.

In den letzten Wochen floss noch einmal viel Geld in die hiesigen Wachstumsaktien. Davon profitierten auch jene von Logitech. Ob und wieviel einer Erhöhung der diesjährigen Zielvorgaben bereits eingepreist ist, dürfte sich am kommenden Dienstag zeigen.

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Noch im Juli schien die Welt für die Aktionäre von Zur Rose in allerbester Ordnung. Als einer der wenigen Gewinner der Covid-19-Pandemie kannten die Aktien der Versandapotheke nur eine Richtung: Die nach oben. In der Spitze wurden gar Kurse von 300 Franken und mehr bezahlt.

Mittlerweile haben sich die Papiere des diesjährigen Börsenüberfliegers in der Region von 225 Franken eingependelt – wobei bei Kursen über 235 Franken immer wieder grössere Verkäufe in den Markt kommen.

Kursentwicklung der Zur-Rose-Aktien über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

In den Handelsräumen hiesiger Banken erklärt man sich dieses Phänomen mit Berichten, wonach ein Derivatkonstrukt eines mächtigen Marktakteurs höhere Kurse verhindere. Und tatsächlich macht gerade die UBS bei Zur Rose seit Wochen durch grössere Beteiligungsveränderungen von sich reden. Zuletzt hielt die grösste Schweizer Bank 9,72 Prozent der Stimmen und nur knapp die Hälfte davon über die Aktie selber.

Mal schauen, wie am nächsten Mittwoch der Zwischenbericht für das zurückliegende dritte Quartal ausfällt. Je nachdem ist der Zahlenkranz ja ein möglicher Kurstreiber...

 

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