Meine Favoriten: Ein Rückblick auf 2012

Der cash Insider blickt auf die Entwicklung seiner diesjährigen Schweizer Aktienfavoriten zurück.
28.12.2012 14:00
cash Insider
Meine Favoriten: Ein Rückblick auf 2012
Bild: cash

Das laufende vierte Quartal bescherte dem Schweizer Aktienmarkt noch einmal höhere Kursnotierungen. Dem Swiss Market Index gelang sogar ein kurzer Ausflug auf über 7000 Punkte. Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Schuldenkrise europäischer Peripherieländer und das politische Seilziehen rund um die Fiskalpolitik in den USA – sie alle konnten der freundlichen Grundstimmung an den Aktienmärkten nichts anhaben. Darüber hinaus sorgte der «Präsidentschafts-Zyklus» für positive Vorgaben aus Übersee.

In den vergangenen Wochen stand das Handelsgeschehen im Zeichen einer Rückkehr zu den Dividendenpapieren. Einerseits sahen sich institutionelle Grossinvestoren aufgrund der freundlichen Märkte zu einem Ausbau ihrer Aktienengagements gezwungen. Andererseits waren aber auch erste Umschichtungen aus dem Anleihen- und den Aktienmarkt zu beobachten.

Nicht nur am Schweizer Aktienmarkt fiel die Entwicklung in diesem Jahr deutlich besser als erwartet aus. Allerdings wichen jene der einzelnen Aktien und Sektoren hierzulande stark voneinander ab. Dies hatte auch Auswirkungen auf meine vor Jahresfrist kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten.

Um es vorwegzunehmen: Unter Berücksichtigung der ausbezahlten Dividenden konnten meine Aktienfavoriten zwar um ziemlich genau 13,8 Prozent zulegen. Damit entwickelten sie sich allerdings weniger gut als der breit gefasste Swiss Performance Index, welcher gestern um 19,2 Prozent über dem Stand von Anfang Jahr aus dem Handel ging. Am besten schnitten die Aktien von Sulzer mit einem satten Plus von 49,1 Prozent ab. Das Schlusslicht bildeten hingegen die Papiere von Weatherford mit einem Minus von 25,5 Prozent.

Standardwerte:

 

ABB

Die Aktien von ABB blieben im laufenden Jahr hinter dem Gesamtmarkt zurück. Der Geschäftsverlauf wusste in den ersten neun Monaten nicht zu überzeugen, und der Markt fand anlässlich der Ergebnisveröffentlichungen immer mal wieder ein Haar in der Suppe. Erst in den letzten paar Wochen stand der einstige Börsenliebling vermehrt wieder in der Gunst der Anleger. Unter Miteinbezug der Dividende resultierte ein Plus von 12,3 Prozent.

 

Bâloise

Obschon es in den ersten Wochen dieses Jahres nicht sonderlich gut um die Aktien von Bâloise zu stehen schien, wurden die Papiere meinen Erwartungen doch noch gerecht. Nach einem von Sonderfaktoren belasteten Vorjahr konnte das Unternehmen seine wahre Ertragskraft unter Beweis stellen und den Markt positiv überraschen. Prompt erfuhren die Aktien eine Neubeurteilung und -bewertung durch den Markt, was unter Berücksichtigung der Dividende zu einem Plus von 31,2 Prozent führte.

 

Credit Suisse

Den Aktionärinnen und Aktionären der Credit Suisse wurden in diesem Jahr starke Nerven abverlangt. Nach einer mündlichen Intervention der Schweizerischen Nationalbank kündigte die in Zürich niedergelassene Grossbank im Sommer Massnahmen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis an. Schon kurz danach durchschritten die Aktien das Tal der Tränen. Und obschon die Firmenverantwortlichen anders als die Erzrivalin UBS am Investment Banking festhält, resultierte auf Jahressicht letztendlich ein Kursplus von 6,8 Prozent.

 

Novartis

Der Ablauf des Patentschutzes für das milliardenschwere Bluthochdruckmedikament Diovan hinterliess im laufenden Jahr erste Spuren in der Ergebnisentwicklung. Der Markt hatte sich allerdings schon im Vorfeld darauf eingestellt, dass 2012 zu einem Übergangsjahr für Novartis wird. Dennoch gelangen dem Basler Pharmakonzern bei den Entwicklungsprojekten wichtige Fortschritte. Aus heutiger Sicht dürfte das Unternehmen dank den zahlreichen Produktinnovationen bis Mitte des nächsten Jahres auf den Wachstumspfad zurückfinden. Für ein Übergangsjahr kann sich das Kursplus von 12,2 Prozent seit Jahresbeginn sehen lassen.

 

Syngenta

Unter den Standardwerten gehören die Aktien von Syngenta in diesem Jahr zweifelsohne zu den Gewinnern. Obschon die im bisherigen Jahresverlauf veröffentlichten Ergebnisse nicht vollends zu überzeugen wussten, konnten die Papiere des Basler Agrarchemieherstellers um nicht weniger als 39 Prozent zulegen. Das Unternehmen profitierte im Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut von rekordhohen Getreidepreisen und vorteilhaften Witterungsbedingungen in Mittel- und Südamerika. Die Bewertung der Aktien liegt nun allerdings am oberen Ende der historischen Bandbreite, was mich vorsichtig werden lässt.

 

Weatherford International

Rückblickend betrachtet haben mich die Aktien von Weatherford International sehr enttäuscht. Das in der Schweiz niedergelassene Ölserviceunternehmen fand wider meinen anders lautenden Erwartungen nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Die Probleme bei der Buchführung zogen sich bis ins zurückliegende dritte Quartal hinein. Gleichzeitig drückten Steuernachzahlungen für die letzten Jahre auf die Gewinnentwicklung. Darüber hinaus erfuhr der in der Öl- und Gasförderung erwartete Megazyklus eine zeitliche Verzögerung, was den gesamten Sektor nach unten riss. Letztendlich resultierte bis und mit gestern ein unschönes Minus von 25,5 Prozent.

 

Nebenwerte:

 

Aryzta

Meine Hoffnung auf eine rasche Abspaltung der an Origin Enterprises gehaltenen Beteiligung musste ich in diesem Jahr ziemlich schnell begraben. Anders als in der Vergangenheit machten die Firmenverantwortlichen bei Aryzta keine Anstalten mehr, sich von dieser nicht zum Kerngeschäft gehörenden Beteiligung zu trennen. Gut möglich, dass das Unternehmen den besten Zeitpunkt dafür bereits wieder verpasst hat, profitierten die Aktien von Origin Enterprises doch vorübergehend von einer Sektorstärke. Im Kerngeschäft mit Backwaren bläst Aryzta derzeit jedenfalls ein eisiger Wind um die Ohren, weshalb es die Aktien nicht mehr auf meine neue Favoritenliste für 2013 schaffen. Das diesjährige Kursplus fiel mit 5,8 Prozent recht mager aus.

 

Gategroup

Die Kursentwicklung der Aktien der Gategroup glich in den zurückliegenden 12 Monaten einer Achterbahnfahrt. In den ersten drei Monaten kletterten die Papiere um über 50 Prozent nach oben. Gleich mehrere Ergebnisenttäuschungen in Folge sorgten dann dafür, dass diese Kursgewinne wie Eis an der Sonne schmolzen. Selbst die vom Wiedereinstieg des Altaktionärs Silver Point Capital ausgehende Fantasie half den Aktien der ehemaligen Swissair-Tochter nicht. Letztendlich resultierte unter Miteinbezug der Dividende ein Plus von 12,6 Prozent.

 

Logitech

Auch für die Aktionärinnen und Aktionäre sah die Welt im Frühjahr noch ganz anders aus: Nach einer positiven Ergebnisüberraschung haussierten die Aktien von Logitech gegen Ende April innerhalb nur weniger Wochen um  nahezu 60 Prozent. Im weiteren Jahresverlauf mussten die Anspruchgruppen des Westschweizer Unternehmens dann allerdings schmerzhaft erfahren, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Denn ab dann enttäuschte die Geschäftsentwicklung nur noch. Unter Berücksichtigung der im Oktober entrichteten Sonderdividende gewannen die Aktien im Jahresverlauf dennoch 8,7 Prozent an Wert.

 

Sulzer

Auch in diesem Jahr machten die Firmenverantwortlichen von Sulzer wieder alles richtig. Dem Winterthurer Traditionsunternehmen gelangen auf operativer Ebene deutliche Fortschritte. Auch der neue CEO kam am Markt gut an. Die Aktien erhielten deshalb Vorschusslorbeeren. Der zunehmend höhere Ergebnisbeitrag aus dem Servicegeschäft bleibt meines Erachtens ein zukünftiger Kurs- und Bewertungstreiber für die Aktionärinnen und Aktionäre von Sulzer. Obschon die Papiere in den letzten 12 Monaten um 49,1 Prozent zulegen konnten, setze ich sie für ein weiteres Jahr auf meine Favoritenliste.

 

Valora

Auch bei Valora hatte ich mir rückblickend mehr erhofft. Die im Rahmen der Wachstumsinitiative «Valora 4 Growth» getätigten Veränderungen im Firmenportfolio brachten nicht die gewünschten Ergebnisverbesserungen. Aufgrund des strukturell bedingten Gegenwinds im Zeitschriften- und Tabakgeschäft wird der in Basel niedergelassene Handelskonzern bei der Dividende wohl zurückkrebsen müssen. Dadurch fällt meines Erachtens ein zentrales Kaufargument für die Aktien weg. Und obschon die Papiere bewertungstechnisch nicht teuer sind, verlangt der Turnaround den Aktionärinnen und Aktionären in den nächsten Jahren wohl noch einiges an Geduld und starken Nerven ab.