Nächster heisser Börsengang - Actelion-Spin-off Idorsia in den Startlöchern

Der cash Insider sagt, ob sich der Spin-off Idorsia auch für Nicht-Actelion-Aktionäre aufdrängt - Und: Auf der Suche nach den Gründen für die jüngste Kursschwäche beim Überflieger AMS.
19.04.2017 12:30
cash Insider
Actelion-Spin-off Idorsia in den Startlöchern
Bild: fotolia.com

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Ein Mediziner hat eine Vision: Jean-Paul Clozel will Medikamente gegen seltene Krankheiten entwickeln. Deshalb heuert er gemeinsam mit seiner Frau Martine bei Roche an. Dort entwickelt das Forscher-Ehepaar den Wirkstoff Bosentan, von dessen Wirksamkeit sie fest überzeugt sind. Doch die Vorgesetzten am Hauptsitz in Basel teilen diese Überzeugung nicht, weshalb die Clozels den Pharma- und Diagnostikkonzern verlassen und gemeinsam mit anderen am Projekt beteiligten Kollegen das Start-up Actelion gründen.

Der Wirkstoff Bosentan erweist sich nicht nur als der erhoffte Durchbruch für Patienten mit Lungenbluthochdruck, er beschert dem Unternehmen über die Jahre auch Milliardenumsätze. Diese ermöglichen es Actelion, noch vor Ablauf des Patentschutzes mit den zwei potenten Nachfolgemedikamenten Selexipag und Macitentan nachzulegen.

Etwas mehr als 17 Jahre nach dem Gang an die Schweizer Börse soll das Unternehmen nun für umgerechnet 30 Milliarden Franken an den amerikanischen Gesundheitskonzern Johnson & Johnson verkauft werden.

Doch bevor es soweit ist, erhalten die Aktionäre die in die eigenständige Publikumsgesellschaft Idorsia eingebrachten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ausgeschüttet. Wieder mit an Bord: Das Forscher-Ehepaar Jean-Paul und Martine Clozel, bereit, das nächste Kapitel ihrer beeindruckenden Karriere zu schreiben.

Der Erfolg von Actelion lässt sich mit Idorsia wohl kaum wiederholen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Johnson & Johnson die Vertriebsrechte auf den vielversprechendsten Medikamentenkandidaten eingeräumt wurden - und das zu ziemlich vorteilhaften Konditionen.

Kursentwicklung der Actelion-Aktien seit April 2007 (Quelle: www.cash.ch).

Am weitesten in der Entwicklung fortgeschritten sind die beiden Wirkstoffe Ponesimod (Multiple Sklerose) und Cadazolid (Antibiotikum). Bis eines dieser beiden Medikamente die Marktreife erlangt, wird Idorsia erst einmal Geld verbrennen.

Wie mir gerüchteweise berichtet wird, sind die Vorbereitungsarbeiten für die Publikumsöffnung bereits angelaufen. In Analystenkreisen wird der faire Wert für den Börsendebütanten zwischen 2 und 17 Franken angesetzt - je nachdem welche Erfolgswahrscheinlichkeiten bei den jeweiligen Entwicklungsprojekten zur Anwendung kommen.

Für langjährige Aktionäre von Actelion ist die anstehende Portfolioausschüttung vor allem eines: eine Gratis-Option auf einen Überraschungserfolg. Wenn die umgerechnet gut 280 Franken je Aktie zur Auszahlung kommen, haben sie nämlich einen guten Teil ihres Heus im Trockenen.

Wer bei Idorsia einsteigen oder zusätzliche Aktien zukaufen will, sollte sich hingegen der Risiken eines auf Jahre hinaus nicht gewinnbringend arbeitenden Pharmaunternehmens bewusst sein.

Jean-Paul Clozel und seine Frau Martine haben zumindest schon einmal bewiesen, dass sie ein Unternehmen zum Erfolg führen können. Ihr Leistungsausweis in der Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe kann sich sehen lassen, was aus Sicht der Aktionäre von Idorsia zu einem wichtigen Aktivposten wird.

Eile zum Einstieg besteht allerdings nicht. Denn schon seit Wochen tummeln sich ausländische Arbitrageure in den Aktien von Actelion. Diese dürften sich zu gegebener Zeit von den ihnen zugeteilten Idorsia-Anteilen trennen - egal zu welchem Preis.

Sollte es in diesem Zusammenhang zu übertriebenen Kursverlusten kommen, fasse ich im Rahmen meiner Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 einen Einstieg ins Auge.

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Eine Woche ist es her, dass die Aktien des Sensorenherstellers AMS ziemlich intensiv mit der Marke von 60 Franken flirteten. Ein Sprung darüber schien bloss eine Frage von Tagen.

Doch es sollte alles anders kommen: Zuerst kündigte die UBS dem Zulieferer mächtiger Kultunternehmen wie Apple oder Samsung die Liebe, dann wurden die Papiere für Ängste rund um den Rivalen Dialog Semiconductor in Sippenhaft genommen. Apple wolle in Zukunft vermehrt Bauteile für Smartphones und Tablet-PC unter dem eigenen Dach fertigen, so war zu hören.

Insbesondere die Herunterstufung durch die UBS wirft bis heute hohe Wellen, bewies der für die Schweizer Grossbank tätige Analyst bei den Aktien von AMS doch schon in der Vergangenheit eine gute Nase. Wie mir aus London berichtet wird, folgten dortige Momentum-Investoren der Empfehlung und nahmen erste Gewinne mit.

In den vergangenen Wochen erwiesen sich Kursrücksetzer stets als günstige Kaufgelegenheiten. Noch muss der Sensorenhersteller aber erst einmal den Beweis antreten, dass das Tagesgeschäft mit der fulminanten Kursentwicklung mithalten kann.

Eine Trendumkehr wie aus dem Bilderbuch, erklärt an den Aktien von Leonteq:

1) Die Aktien steigen exponenziell auf neue Höchstkurse. 2) Gewinnmitnahmen setzen ein, der Kurs fällt etwas zurück. 3) Gelegenheitskäufe sorgen für eine Gegenbewegung. Anleger springen auf, die den Anstieg zuvor verpasst haben. 4) Die bisherigen Höchstkurse werden knapp nicht mehr erreicht. Es setzen Gewinnmitnahmen ein, der "Damm bricht".
 

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