Schweizer Aktienmarkt - Wenn Anleger den Kaufempfehlungen nicht länger Folge leisten

Der cash Insider macht eine weitere interessante Beobachtung: Selbst spektakuläre Kaufempfehlungen finden nicht länger Gehör. - Und: Daumen runter für die Aktien von UBS und Credit Suisse.
29.01.2020 12:30
cash Insider
Wenn Anleger den Kaufempfehlungen nicht länger Folge leisten
Bild: fotolia.com

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Aktienanalysten greifen bei ihren Kaufempfehlungen immer tiefer in die Effektkiste. Je spektakulärer die Geschichte hinter der Empfehlung, desto besser lässt sie sich nach aussen hin verkaufen. Und wo keine Geschichte ist, wird kurzum eine solche geschaffen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Höher, weiter, lauter - so scheint die Direktive.

Diese höchst ungesunde Entwicklung beobachte ich hierzulande seit Wochen mit Sorge - genauso wie jene, dass immer öfter schon ein paar wenige Franken Kurspotenzial eine Kaufempfehlung wert sind.

Und gleich noch etwas fällt auf: Anleger leisten selbst spektakulären Kaufempfehlungen immer seltener Folge. Quasi als ob sich langsam aber sicher ein Sättigungseffekt einstellen würde.

Dass der Risikokapitalspezialist Partners Group eine Erfolgsgeschichte ist, die hierzulande ihresgleichen sucht, dürfte unbestritten sein. Dennoch liessen sich kaum Käufer finden, als der Citigroup-Analyst Jens Ehrenberg vor wenigen Tagen die Abdeckung der Aktien mit "Buy" und einem ansprechend hohen Kursziel von 1079,70 Franken aufnahm und die Papiere des Erfolgsunternehmens zum europäischen Sektorfavoriten erklärte.

Auch als sein Berufskollege Roger Degen von Julius Bär gleichentags sowohl die Kaufempfehlung als auch das 1000 Franken lautende Kursziel bekräftigte, blieb diese weitestgehend ungehört.

Trotz aggressiven Kaufempfehlungen konnten die Aktien der Partners Group noch nicht wieder zum Rekordhoch aufschliessen (Quelle: www.cash.ch)

Wer nun denkt, das seien Einzelfälle, der irrt. Ähnlich verhalten reagierten die Anleger, als der Vontobel-Analyst Michael Foeth seiner Kaufempfehlung für die Aktien von Temenos noch einmal Nachdruck verlieh. Daran änderte weder das attraktiv hohe Kursziel von 226 Franken, noch der Umstand, dass der frühere Abteilungsleiter Foeths mittlerweile Finanzchef der Genfer Bankensoftwareschmiede ist, etwas.

Geradezu bescheiden kommt da die Heraufstufung der Aktien von Novartis von "Hold" auf "Buy" durch Mirabaud daher. In Erwartung eines jährlichen Umsatzwachstums von etwas mehr als 3 Prozent über die nächsten fünf Jahre und eines um jährlich 1,4 Prozent höheren operativen freien Cash Flow sieht der für die Genfer Privatbank tätige Analyst Olav Zilian die Papiere auf 105 Franken steigen. Ob das wirklich Zuwachsraten sind, aus denen Anlegerträume gemacht sind, darüber lässt sich durchaus streiten.

Die Liste liesse sich fast endlos weiterführen und würde unter anderem auch Julius Bär (Kaufempfehlung durch Jefferies), GAM (Kaufempfehlung durch die UBS) und Adecco (Kaufempfehlung durch Oddo) umfassen.

Auf der einen Seite begrüsse ich sehr, wenn Anleger nicht gleich jeder aggressiven Kaufempfehlungen blind Folge leisten. Auf der anderen Seite heisst das aber auch, dass die Banken nicht mehr bereit sind, in den empfohlenen Aktien "für Musik" zu sorgen. Noch weiss ich nicht so recht, was ich mit diesem Puzzleteil anstellen soll und wo genau es sich ins momentane Bild des Marktgeschehens einfügt.

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Langjährige Aktionäre von UBS und Credit Suisse dürften mit mir einig sein: Als langfristiges Investment taugen die Valoren der beiden Schweizer Grossbanken kaum - selbst wenn die attraktiv hohen Dividendenrenditen etwas ganz anderes vermuten liessen.

Das will nicht heissen, dass es nicht doch immer mal wieder Phasen gibt, in denen sich mit diesen Aktien Geld verdienen lässt. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass aus dem Flirt nicht eine etwas längere Liaison erwächst.

Dem scheint Mensur Pocinci von Julius Bär beipflichten zu wollen. In der aktuellen Ausgabe der Publikation "Technical Investment Strategy" stellt der bekannte Markttechnikexperte seine Positionen in den beiden Grossbankaktien überraschend wieder glatt. Bei den Papieren der UBS kaufte sich Pocinci in den ersten November-Tagen ein, bei jenen der Erzrivalin Credit Suisse sogar erst Mitte Dezember. Unter dem Strich erwiesen sich diese beiden Positionen für den Markttechnikexperten als ein Nullsummenspiel. Was ihn zur Glattstellung bewegt, darüber schweigt er sich aus. Bekannt ist bloss, dass sich Pocinci – wie das zu erwarten wäre - auf charttechnische Gegebenheiten abstützt und stattdessen neuerdings auf die Aktien von Idorsia und Clariant setzt.

Regelmässige Leserinnen und Leser wissen, dass ich die Valoren der beiden Schweizer Grossbanken gerne als "vorauseilende Indikatoren" für den hiesigen Aktienmarkt hinzuziehe. In den letzten Jahren liess sich in entscheidenden Phasen regelmässig von diesen Papieren auf die zukünftige Gesamtmarktentwicklung schliessen.

Da frage ich mich bloss, wie Pocinci zwar den Daumen über den Aktien von UBS und Credit Suisse senken kann, gleichzeitig aber mit einem raschen Vorstoss des Swiss Market Index (SMI) auf über 11'000 Punkte rechnet...

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
 

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