Schweizer Börse - Abenteuerlich hohe Aktienkursziele: Analysten legen bei Empfehlungen jede Zurückhaltung ab

Egal ob beim Tesla-Zulieferer Bossard oder beim Turnaround-Kandidaten ABB: Die Kaufempfehlungen werden immer extremer und die Kursziele immer abenteuerlicher. Ob das wirklich gesund ist?
03.11.2021 12:30
cash Insider
Abenteuerlich hohe Aktienkursziele: Analysten legen bei Empfehlungen jede Zurückhaltung ab
Bild: fotolia.com

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Die Aktien von Tesla stellen an der New Yorker Börse gerade alles je Dagewesene in den Schatten. Mit sagenhaften 1200 Milliarden Dollar wird der amerikanische Elektroautomobil-Pionier dort mittlerweile bewertet. Das sind gut 400 Milliarden Dollar mehr als noch vor vier Wochen und macht Firmenpatron Elon Musk zum reichsten Individuum auf diesem Planeten. So etwas gab es bei einem Unternehmen von dieser Grösse noch nie.

Im Windschatten von Tesla stossen auch die Valoren von Bossard auf eine rege Nachfrage, zählt der Elektroautomobil-Pionier beim Schraubenspezialisten aus dem steuergünstigen Zug doch zu den wichtigsten Abnehmern. Klingelt die Kasse bei den Amerikanern, klingelt sie auch bei Bossard. So zumindest lautet die einfache Gleichung.

Vergangene Woche lud der Schraubenspezialist erstmals in seiner Firmengeschichte zum Investorentag – und wusste prompt zu überzeugen.

Die Tesla-Aktien kennen seit Wochen nur eine Richtung: Die nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Den Firmenvertretern sei die Leidenschaft an diesem Tag anzumerken gewesen, wie sich einem Kommentar der Berenberg Bank entnehmen lässt. Die Autorin Marta Bruska fühlt sich in ihrer Kaufempfehlung bestärkt. Und um dieser Empfehlung trotz dem zuletzt starken Abschneiden der Aktien noch einmal den nötigen Nachdruck zu verleihen, erhöht sie ihr Kursziel gleich auf 460 (zuvor 345) Franken.

Wer nun glaubt, dass die Analystin parallel dazu auch ihre Umsatz- und Gewinnschätzungen kräftig erhöht, der irrt gewaltig. die neuen Annahmen liegen gerade mal um bis zu 2 Prozent über den bisherigen. Bruska begründet ihr neues Kursziel denn auch nicht mit harten Zahlenfakten, sondern vielmehr mit der Firmenkultur bei Bossard. Sie sieht darin einen klaren Wettbewerbsvorteil und einen wichtigen künftigen Erfolgsfaktor.

Mit Stefanie Scholtysik von Mirabaud Securities steht Bruska eine weitere Berufskollegin zur Seite – ob beabsichtigt oder nicht. Auch sie preist die Papiere zum Kauf an, wenn auch "nur" mit einem fast schon etwas bescheiden anmutenden Kursziel von 396 (zuvor 290) Franken.

Auch die Aktien von Bossard schreiben neue Kursrekorde (Quelle: www.cash.ch)

Für regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne dürfte die Berenberg-Analystin keine Unbekannte sein. In den letzten Jahren sorgte sie in den Handelsräumen hiesiger Banken immer mal wieder mit geradezu aufsehenerregenden Aktienumstufungen und Kurszielanpassungen für Gesprächsstoff. Eines muss man ihr bei den Aktien von Bossard allerdings lassen: Ihre erste Kaufempfehlung geht in den Frühsommer 2020 zurück, als die Papiere des Schraubenspezialisten noch für weniger als 145 Franken zu haben waren.

Die beiden Analystinnen sind übrigens in guter Gesellschaft. Erst gestern Dienstag berichtete ich von einer aggressiven Kaufempfehlung aus dem Hause Goldman Sachs für die Aktien von ABB. Analystin Daniela Costa nimmt die randvollen Auftragsbücher zum Anlass, um ihr 12-Monats-Kursziel für die Aktien des schweizerisch-schwedischen Industrie-Urgesteins auf 51 (zuvor 48) Franken zu erhöhen. Sie empfiehlt die Papiere wie bis anhin mit "Conviction Buy".

Die Liste liesse sich beliebig mit weiteren abenteuerlichen Kurszielerhöhungen aus den letzten Tagen und Wochen ergänzen – und zwar sowohl um eine beachtliche Anzahl Analysten und Einzelaktien. Ich kann mich nicht daran erinnern, in all den Jahrzehnten an der Börse schon einmal einer ähnlichen Häufung aufsehenerregender Kaufempfehlungen begegnet zu sein.

Es macht beinahe den Anschein, als ob nur noch derjenige Vertreter dieser Berufsgilde gehört wird, der am lautesten schreit. Fragt sich: Ist das bloss ein Mittel zum Zweck? Schwer zu sagen. Müsste ich eine Prognose machen, dann wohl die, dass diese Entwicklung alles andere als gesund ist und nachdenklich stimmen sollte...

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.

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