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Was die Spatzen in Washington schon seit Tagen von den Dächern pfeifen, ist seit gestern Nachmittag endlich offiziell: Die amerikanische Wirtschaft feuert auch weiterhin auf allen Zylindern.

Am Bruttoinlandprodukt gemessen hat sich das Wachstum im dritten Quartal zwar aufs Jahr hochgerechnet auf 3,5 Prozent verlangsamt. Allerdings wurden die im Vorfeld noch auf 3 Prozent nach oben revidierten Markterwartungen deutlich übertroffen.

Ausserdem lässt sich der Spitzenwert von 4,6 Prozent aus dem zurückliegenden zweiten Quartal mit einem Konsum- und Investitionsstau im Zusammenhang mit dem ungewöhnlich kalten und nassen Witterungsbedingungen während den ersten drei Monaten des Jahres erklären.

Dass sich der Jubel darüber auch hierzulande in Grenzen hielt, sollte nicht überraschen. Denn eine starke amerikanische Wirtschaft bedeutet auch ein Ende der Politik des billigen Geldes durch die mächtigste aller Notenbanken.

Eine glückliche Hand bewies die MainFirst Bank. Nur wenige Stunden vor der Veröffentlichung des amerikanischen Bruttoinlandprodukts, sprach sie eine Kaufempfehlung für die mit "Outperform" und einem Kursziel von 2470 Franken eingestuften Aktien von Belimo aus.

Das in Hinwil beheimatete Unternehmen gehört zu den heimlichen Gewinnern einer an Fahrt gewinnenden amerikanischen Baukonjunktur, insbesondere im Bereich kommerzieller Bauten. Allerdings waren der Öffentlichkeit zumindest die September-Statistiken für die Bautätigkeit zu diesem Zeitpunkt schon bekannt. Und diese geben allen Grund zur Zuversicht.

Der Unternehmensstudie der MainFirst Bank zu Belimo entnehme ich, dass der Hersteller von Antriebsmotoren für Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen rund 31 Prozent des Jahresumsatzes in den USA erzielt. Der Experte rechnet deshalb damit, dass sich die starken Statistiken für die amerikanische Bautätigkeit mit einer zeitlichen Verzögerung von mehreren Monaten auch bei Belimo bemerkbar machen. Darüber hinaus rechnet er mit positiven Folgen des erstarkten Dollars.

Als weiterer Profiteur dieser Faktoren wird Kaba in der Studie erwähnt. Das im Bereich von Zugangssystemen tätige Unternehmen erwirtschafte 27 Prozent des Jahresumsatzes in den USA, so der Verfasser.

Während man zumindest im Aktienhandel der MainFirst Bank den Aktien von Kaba den Vorrang gibt, setze ich aufgrund des beeindruckenden Leistungsausweises der vergangenen Jahre auf die Aktien von Belimo.

An und für sich ist der Schweizer Aktienmarkt als solcher schon eine Wette auf eine starke amerikanische Wirtschaft. Denn gemäss Erhebungen von Morgan Stanley liegt der Umsatzbeitrag hiesiger Unternehmen aus Nordamerika mit 29 Prozent weit über dem europäischen Durchschnitt von 18 Prozent. Nur Irland weist mit 39 Prozent einen noch höheren Anteil auf.

Zu den europäischen Unternehmen mit dem höchsten Umsatzbeitrag aus den USA zählt das amerikanische Bankinstitut hierzulande Sonova (Anteil von 42 Prozent), Zurich Insurance Group (Anteil von 37 Prozent), Swiss Re (Anteil von 36 Prozent) und Credit Suisse (Anteil von 35 Prozent).

Diese vier Firmen und ihre Aktien dürften zwar vom starken Dollar profitieren, aufgrund ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit allerdings nur bedingt von einer besser laufenden Konjunktur.

Meines Erachtens eignen sich Aktien aus der zweiten Reihe wie jene von AMS, Autoneum, Komax oder OC Oerlikon vermutlich besser als Wettobjekte.

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Die Aktionäre von Transocean sind nicht zu beneiden. In Franken betrachtet hat sich bei den Namenaktien ein Minus von 33 Prozent aufgestaut. Bei den im Swiss Market Index berücksichtigten Firmen belegt das in Zug beheimatete Ölserviceunternehmen damit weit abgeschlagen den letzten Rang.

Lange Zeit mussten sich die Entscheidungsträger Vorwürfe gefallen lassen, waren andere Rivalen mit einem nicht von konkreten Neuaufträgen begleiteten Ausbau ihrer Förderflotte deutlich erfolgreicher.

Mittlerweile verfolgt auch Transocean diese Strategie. Blöd nur, entwickelt sich die Nachfrage im Bereich der Ölförderung auf hoher See nicht wie gewünscht. Die Branche plagen Überkapazitäten und Preisdruck.

Einer Studie aus dem Hause Credit Suisse entnehme ich, dass alleine in der zweiten Jahreshälfte 17 neue Förderschiffe oder –plattformen ausgeliefert werden, gefolgt von 30 weiteren im Laufe des nächsten Jahres. Darunter befinden sich auch solche von Transocean.

Es macht ganz den Anschein, als schaufle sich das Ölförderunternehmen mit immer umfangreicheren Überkapazitäten das eigene Grab. Und auch wenn das gedrückte Kurs- und Bewertungsniveau von Transocean geradezu zum Einstieg einladen, sind die Aktien noch immer kein Kauf.