SMI-Schwergewichte - Markttechnikexperte: Nestlé und Co. abbauen

Ein bekannter Markttechnikexperte rät dazu, SMI-Schwergewichte zu reduzieren. In einem Punkt widerspricht der Experte sich jedoch. - Und: Amerikanischer Milliardär nur mit kurzem Gastspiel bei Clariant.
07.11.2019 12:30
cash Insider
Markttechnikexperte: Nestlé und Co. abbauen
Bild: fotolia.com

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Ich muss Mensur Pocinci von Julius Bär ein Kränzchen winden. Der bekannte Markttechnikexperte sagte dem Swiss Market Index (SMI) neue Rekorde vorher, als viele seiner Berufskollegen noch mit der Suche nach den nächsten wichtigen Unterstützungslinien beschäftigt waren.

Zudem war Pocinci einer der ersten Experten, der einen direkten Zusammenhang zwischen der Kursentwicklung hiesiger Indexschwergewichte wie Nestlé, Roche und Novartis und der Zinsentwicklung sah. Je tiefer die Zinsen, desto höher ihre Kurse - als ob die Marktakteure die drei Valoren als Obligationenersatz nutzen würden.

Nun macht der Markttechnikexperte Anhaltspunkte für eine Bodenbildung bei der Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen aus. Nachdem die Rendite die Talsohle durchschritten hat, sieht er diese in die Region von 2,2 Prozent vorstossen.

Beeindruckender Anstieg des SMI mit Dividenden-Korrektur über die letzten 10 Jahre (Quelle: www.cash.ch)

In Erwartung höherer Renditen legt Pocinci seiner Anlagekundschaft nahe, aus Obligationen in Aktien umzuschichten. Gleichzeitig rät er, bei den als Obligationenersatz "missbrauchten" Valoren erste Gewinne mitzunehmen - wobei er Nestlé, nicht aber Roche und Novartis namentlich nennt.

Die Trefferquote des Markttechnikexperten und seines Abteilungskollegen Alexis Chassagnade ist schon ziemlich beeindruckend. In einem Punkt widersprechen sich die beiden jedoch: Trotz ihrer negativen Haltung für die hiesigen Indexschwergewichte rechnen sie beim SMI mit weiteren Rekorden.

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Bei manchen Grossinvestoren reicht aufgrund ihrer Bekanntheit oder ihrer Vergangenheit alleine schon der Name, um den Kurs einer Aktie in die von ihnen gewünschte Richtung zu bewegen.

Als ein Hedgefonds aus dem Imperium des amerikanischen Multimilliardärs George Soros Ende Mai beim Vermögensverwalter GAM einstieg, schoss der Aktienkurs innerhalb von weniger als 24 Stunden um nahezu 28 Prozent nach oben.

Was der Kollege Soros kann, kann ich auch, dürfte sich Israel Englander vermutlich gedacht haben, als er vor wenigen Wochen mit gut 3 Prozent beim Spezialitätenchemiehersteller Clariant einstieg. Ein gefundenes Fressen – nicht nur für die hiesigen Wirtschaftsmedien, sondern auch für Trittbrettfahrer.

Prompt wurden Spekulationen laut, wonach Englander sich mit seinem Hedgefonds Millennium Partners im Hinblick auf wichtige Neuigkeiten beim Unternehmen aus dem Baselbiet in Stellung gebracht haben könnte. Diese Spekulationen gipfelten letztendlich gar in einem angeblichen Angebot des Ankeraktionärs Sabic an die übrigen Aktionäre. Auch von einem möglichen Verkauf des Geschäfts mit Masterbatches zu einem attraktiven Preis war die Rede.

Auf und Ab der Clariant-Aktien in den letzten 12 Monaten (Quelle: www.cash.ch)

Bis heute bewahrheitete sich allerdings weder das eine noch das andere. Wer anlässlich der Quartalsergebnisveröffentlichung vom vorderen Mittwoch mit bahnbrechenden Neuigkeiten rechnete, wurde arg enttäuscht.

Und jetzt auch das noch: Wie einer Offenlegungsmeldung entnommen werden kann, hat Englander seine Beteiligung per 29. Oktober wieder auf unter 3 Prozent reduziert. Womöglich zieht er sich sogar ganz aus dem Aktionariat von Clariant zurück.

Aus finanzieller Sicht ging das kurze Gastspiel des amerikanischen Milliardärs zweifelsohne auf. Wieviel Geld unter dem Strich hängenblieb, lässt sich jedoch nicht abschliessend sagen.

Bei langjährigen Aktionären dürften böse Erinnerungen an die einstige Beteiligungsnahme durch Corvex und 40 North wach werden. In der Spitze hielten die beiden Finanzinvestoren fast 25 Prozent an Clariant, mit dem Hintergedanken, den Baselbieter Spezialitätenchemiehersteller in seine Geschäftsbereiche zu zerschlagen und diese an den Meistbietenden zu verkaufen. Die Hoffnung auf das schnelle Geld liess viele Trittbrettfahrer aufspringen.

Doch es sollte alles ganz anders kommen: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion verkauften die Finanzinvestoren ihr Aktienpaket dem heutigen Ankeraktionär Sabic.

Ich warne nicht ohne Grund immer wieder davor, dass Finanzinvestoren gnadenlos ihre Eigeninteressen verfolgen. Ob das Unternehmen mit all seinen Anspruchsgruppen - auch den Mitaktionären - auf der Strecke bleibt, spielt dabei kaum eine Rolle.

 

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