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Das Rezept ist denkbar einfach: Man verschulde sich günstig in Franken, wechsle die Franken in Euro oder Dollar und lege diese höherverzinst wieder an.

Und sollte der Franken entgegen anders lautenden Vorstellungen doch wieder stärker werden, schreitet die Schweizerische Nationalbank (SNB) ein und verhindert mit Interventionen Schlimmeres.

Noch im Sommer waren solche Zinswetten - im Fachjargon "Carry-Trades" genannt - bei ausländischen Hedgefonds äusserst beliebt.

Wie mir mehrere voneinander unabhängige Londoner Quellen berichten, liefen bis vor wenigen Wochen Wetten in Rekordhöhe gegen den Franken. Der Damm sei gebrochen und ein Vorstoss des Euro auf über 1,20 Franken bloss noch eine Frage der Zeit, so habe es damals geheissen.

Doch es sollte alles anders kommen: Die Angst vor einer Eskalation im Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China, dem zukünftigen politischen Kurs der neuen Regierung im südlichen Nachbarland Italien oder den Währungsturbulenzen in einigen Schwellenländern liess den Franken zuletzt deutlich stärker werden.

In Folge dessen fiel der Euro heute früh im asiatischen Handel zeitweise gar in die Nähe von 1,12 Franken. Auch der Dollar bekundete sichtlich Mühe. Spekulationen, wonach die SNB den Franken im frühen europäischen Handel mit Fremdwährungskäufen geschwächt habe, verhinderten Schlimmeres.

Auffälliges Aufflackern des Euro-Franken-Kurses von heute morgen (Quelle: www.cash.ch)

Es wäre das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, dass sich unsere Währungshüter zu Interventionen hätten hinreissen lassen. Denn wie cash-Chefredaktor Dani Hügli vor wenigen Tagen schrieb, ist der Freiraum der SNB für Interventionen kleiner geworden (siehe Die SNB hat keinen Freipass mehr für unbegrenzte Interventionen vom 4. September).

Die ausländischen Hedgefonds haben sich verkalkuliert. Sie haben den politischen Druck auf die SNB rückblickend betrachtet unterschätzt und viel früher mit Fremdwährungskäufen gerechnet.

Um ein paar Basispunkte Zinsdifferenz einheimsen zu können, nahmen die ausländischen Hedgefonds Währungsverluste in Kauf. Blöd nur, überragen letztere die Zinsdifferenz mittlerweile um ein Mehrfaches.

Ihnen bleibt nun nichts anderes übrig, als zu hoffen - auf dass sich die geopolitischen Wogen möglichst bald glätten und der Franken seine Rolle als "sicherer Hafen" wieder verliert.

Etwas Schadenfreude sei mir an dieser Stelle erlaubt...

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Wer das schnelle Geld witterte, als sich Ceva Logistics im Mai dieses Jahres dem Publikum öffnete, wurde bitter enttäuscht. Auf den damaligen Ausgabepreis von 27,50 Franken bezogen, errechnet sich bei den Aktien des Transportunternehmens ein Minus von fast 30 Prozent (siehe Verhinderten nur Stützungskäufe Schlimmeres? vom 22. Mai).

In den letzten Tagen trat Analyst Neil Glynn von der Credit Suisse eine weitere Verkaufswelle los, als er zum ersten Mal seit der Erstabdeckung von Mitte Juni das Kursziel reduzierte. Nach einer währungsbedingten Kürzung der Gewinnschätzungen liegt es mittlerweile noch bei 22,43 (zuvor 27,06) Franken. Im Zuge dieser Anpassungen werden heute Kurse von bis zu 19,10 Franken bezahlt. Damit notieren die Aktien auf dem tiefsten Stand seit dem enttäuschenden Börsengang im Mai dieses Jahres.

Das Brisante: Es war unter anderem die Arbeitgeberin Glynns, die Ceva Logistics unter der Leitung von UBS und Morgan Stanley an die Börse brachte.

Jüngster Dammbruch bei den Aktien von Ceva Logistics (Quelle: www.cash.ch)

Eines muss man der Credit Suisse und ihrem Analysten aber lassen: Sie sprach als einzige der mit dem Börsengang betrauten Banken keine Kaufempfehlung für die Aktien der Mandatsgeberin aus - anders als die Erzrivalin UBS ("Buy", Kursziel 32 Franken) oder die Berenberg Bank ("Buy", Kursziel 32 Franken) (siehe IPO-Banken überbieten sich mit Kaufempfehlungen vom 27. Juni). Die ebenfalls involvierten Morgan Stanley ("Overweight", Kursziel 34 Franken) und HSBC ("Overweight", Kursziel 30,60 Franken) erhöhten ihre Kursziele erst vor wenigen Wochen entgegen der eigentlichen Kursentwicklung sogar.

Nicht so Analyst Neil Glynn von der Credit Suisse. Er wagte sich bisweilen als einziger an eine Kurszielreduktion. Lorbeeren dürfte er sich damit bei seinen Vorgesetzten zwar keine holen. Zumindest die Anlagekunden der Schweizer Grossbank werden ihm aber dankbar sein. Nur noch ehrlicher wäre gewesen, der Analyst hätte schon zum Zeitpunkt der Erstabdeckung der Aktien von Mitte Juni eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen.

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