Übermächtiger Gegner - Gräbt Apple schon bald Sonova das Wasser ab?

Neben anderen Hörgeräteherstellern könnte dem Weltmarktführer Sonova in Zukunft nun auch Apple das Leben schwer machen - Und: Straumann lässt die wohl mächtigste Investmentbank der Welt ziemlich alt aussehen.
08.06.2018 12:30
cash Insider
Gräbt Apple schon bald Sonova das Wasser ab?
Bild: fotolia.com

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Noch bis vor wenigen Jahren spielte Sonova in einer eigenen Liga. In Sachen Technologie schien der Hörgerätehersteller aus Stäfa anderen Rivalen um Längen voraus.

Doch längst haben William Demant oder GN Resound - die ewigen Zweiten oder Dritten im Rennen um die Technologieführerschaft - ihren Rückstand wettgemacht.

Seit bekannt ist, dass sich die einstige Siemens-Tochter Sivantos mit Widex zusammenschliessen will, steht bei Sonova gar die Marktführerschaft auf dem Spiel. Gemeinsam setzen die beiden Unternehmen schon heute mehr Hörgeräte als der Weltmarktführer ab.

Ob der neu entstehende Anbieter anderen Hörgeräteherstellern Marktanteile streitig machen kann, wird sich zeigen müssen. Allerdings lässt sich schon heute sagen, dass das Tagesgeschäft für Sonova nicht einfacher wird.

Und sollte sich bewahrheiten, was in diesen Tagen aus dem Umfeld des amerikanischen Kultunternehmens Apple zu hören ist, müssen sich Sonova und alle anderen alteingesessenen Anbieter warm anziehen.

Denn angeblich lässt das neue Betriebssystem iOS 12 eine sogenannte "Live Listen"-Funktion auf den kabellosen AirPod-Kopfhörern zu. Diese soll es schwerhörigen Nutzern ermöglichen, das iPhone als Hörhilfe zu nutzen.

Kursentwicklung der Aktien von Sonova (rot) im Vergleich mit jenen von Apple über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Noch lassen die gesetzlichen Grundlagen in den Vereinigten Staaten den Verkauf von AirPod-Kopfhörern als Hörgerät im medizinischen Sinn nicht zu. Das schreibt zumindest Lisa Bedell Clive von Bernstein Research.

Die bekannte Medizinaltechnikanalystin schliesst jedoch nicht aus, dass die sich abzeichnende Alternative viele iPhone-Nutzer mit nur leichten Hörbeschwerden vom Kauf eines Hörgeräts abhalten könnte.

Im Zuge der geplanten Lockerung gesetzlicher Grundlagen für Hörgeräte hält Bedell Clive auf längere Sicht gar die Vermarktung von AirPod-Kopfhörern bei Hörschwäche für möglich.

Während sich Apple neue Ertragsquellen erschliessen muss, geht es bei Sonova um nichts Geringeres als den Erhalt der Marktanteile - und das möglichst ohne margenseitige Abstriche. Alleine schon die finanzielle Übermacht der Amerikaner liesse einen Kampf von David gegen Goliath erwarten, sollte es denn zu einem solchen kommen.

Der neue Konzernchef Arnd Kaldowski, ein früherer Kadermann des akquisitionshungrigen Mischkonzerns Danaher, ist gefordert -so oder so...

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Es kommt einer Bankrotterklärung gleich: Die mächtige amerikanische Investmentbank Goldman Sachs stuft die Aktien von Straumann von "Sell" auf "Neutral" herauf - nachdem sie die Valoren des erfolgreichen Dentalimplantateherstellers aus Basel während fünf langen Jahren unentwegt zum Verkauf empfohlen hatte.

In dieser Zeit habe sich der Börsenwert des Weltmarktführers fast vervierfacht und den um 19 Prozent höheren Vergleichsindex klar geschlagen, so rechnet die Medizinaltechnikanalystin Veronika Dubajova selbst vor.

Dubajova räumt ein, die Wachstumsaussichten grundlegend unterschätzt zu haben. Nicht zuletzt dank der cleveren Übernahme von ClearCorrect erhöht sie ihre Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre um bis zu 38 Prozent. Dadurch steigt das 12-Monats-Kursziel auf 660 (zuvor 435) Franken.

Als ich vor vier Wochen über Aktien schrieb, bei welchen die Banken ziemlich daneben liegen, knüpfte ich meine Kolumne an der langjährigen Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs für die Valoren von Straumann auf (siehe "Bei diesen Aktien liegen Banken ziemlich daneben" vom 7. Mai).

Beeindruckende Kursentwicklung der Straumann-Aktien über die letzten fünf Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Damals deutete nichts auf eine bevorstehende Kapitulation hin. Dass in den letzten Tagen weder von grösseren Anlage-, noch von Deckungskäufen zu hören war, lässt tief blicken. Womöglich leisteten nur noch die allerwenigsten Kunden der amerikanischen Grossbank der Verkaufsempfehlung Folge.

Ob nun auch David Adlington von J.P. Morgan das Handtuch wirft, wird sich zeigen müssen. Auch er stuft die Aktien schon seit einer gefühlten Ewigkeit mit "Underweight" ein, zuletzt mit einem unrealistisch tiefen Kursziel von 480 Franken.

Es macht ganz den Anschein, als seien die Aktienanalysten in diesen Tagen ausser Rand und Band (siehe auch "Ein Kursfeuerwerk folgt auf das Nächste" von gestern).

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