Die billionenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) verändern die globalen Anleihemärkte. US-Technologiekonzerne wie die Google-Mutter Alphabet und Amazon nehmen zur Finanzierung ihrer Infrastruktur immer grössere Summen an den Kapitalmärkten in Europa und Asien auf. Sie brechen dabei reihenweise Rekorde, wie aus Daten der LSEG vom Montag hervorgeht.
So platzierte Amazon im März eine Anleihe über 14,5 Milliarden Euro und stellte damit einen Rekord im europäischen Markt für Unternehmensanleihen auf. «Sie nehmen andere Märkte nun deutlich ernster als früher», sagte John Servidea, Manager bei JPMorgan. Die US-Investmentbank hat jüngst Transaktionen für Alphabet und Amazon begleitet.
Die Gründe für diese Strategie sind vielfältig. In erster Linie gehe es darum, die Finanzierungsquellen frühzeitig zu diversifizieren, sagten Banker. Zudem können die Unternehmen mit Anleihen in Fremdwährungen ihre Währungsrisiken aus dem globalen Geschäft absichern. Teilweise profitieren sie im Ausland auch von günstigeren Kreditkonditionen.
«Wenn man sich das Investitionstempo dieser Unternehmen ansieht und zwölf Monate in die Zukunft blickt, werden einige dieser Firmen bereits zu den grössten Emittenten weltweit gehören, egal in welcher Währung», sagte Giulio Baratta von der Pariser Grossbank BNP Paribas, die ebenfalls Emissionen von Alphabet und Amazon begleitet hat.
KI-Anleihen als Chance und Risiko
Das Ausmass der Verschiebung ist bereits sichtbar. Morgan Stanley erwartet allein von den Hyperscalern Euro-Anleiheemissionen im Volumen von rund 50 Milliarden Euro in diesem Jahr. Dies könnte dazu führen, dass die USA Frankreich als grössten Emittenten von Unternehmensanleihen in der Euro-Zone ablösen. Zudem emittieren auch kleinere US-Unternehmen zunehmend Wertpapiere ausserhalb des Dollar-Raums.
«Viele dieser Märkte, darunter auch der Euroraum, haben sich weiterentwickelt, bieten jetzt eine grössere Markttiefe und erlauben eine umfangreichere Kapitalaufnahme», sagte JPMorgan-Experte Servidea.
Investoren greifen bei den Emissionen bereitwillig zu. Sie erhalten so die Möglichkeit, auch an den internationalen Anleihemärkten in den KI-Sektor zu investieren, wo die Technologiebranche bisher kaum vertreten war. Mit dem wachsenden Anteil solcher Anleihen steigt jedoch auch die Abhängigkeit der Märkte von der Entwicklung des Sektors.
Nach nur einer Emissionsrunde war Alphabet Ende April bereits der viertgrösste Emittent im Sterling-Unternehmensanleiheindex von ICE BofA und der sechstgrösste im Schweizer-Franken-Index. «Sollte es Probleme mit der KI geben, wird das wahrscheinlich zu mehr Volatilität führen», sagte David Zahn vom Vermögensverwalter Franklin Templeton.
(Reuters)

