Die Krise in der Autobranche holt nun auch den erfolgsverwöhnten Hersteller BMW ein. Die Münchner kappten am Dienstag nach Börsenschluss ihre Prognose und schicken ihre Aktien damit auf Talfahrt. Statt eines moderaten Dämpfers sagen sie für das Gesamtjahr nun einen Rückgang des Vorsteuergewinns um mehr als 15 Prozent voraus. Die für das Unternehmen wichtige Gewinnmarge im Autogeschäft soll bei gerade einmal einem bis drei Prozent liegen, statt der bisher prognostizierten vier bis sechs Prozent. Der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic geht nun auf die Kostenbremse: Er wolle die «laufenden Massnahmen nochmals deutlich intensivieren und beschleunigen», sagte er. «Es geht um Geschwindigkeit und Effizienz.» Ob es zu einem Stellenabbau kommt, liess das Unternehmen offen.
Die BMW-Aktien rutschten am Mittwoch um rund sieben Prozent ab und waren damit Schlusslicht im Dax. Mit 63,40 Euro erreichten sie den tiefsten Stand seit Oktober 2020. «Es ist ein seltener Fehltritt für BMW», konstatierte Stephen Reitman von der Investmentbank Bernstein. Erst Anfang Mai habe BMW seine Prognose bekräftigt. «Hätten wir zu dem Zeitpunkt schon annehmen sollen, dass der neue Chef aufräumt? Vielleicht wurden wir eingelullt von den Fähigkeiten von BMW, den Kurs im laufenden Geschäft zu korrigieren, ohne dass dafür grössere Restrukturierungen mit entsprechenden Belastungen nötig sind.»
«Das ist die Spitze des Eisbergs», sagte der unabhängige Autoanalyst Matthias Schmidt. Er gehe davon aus, dass auch andere Autobauer wie Volkswagen und Mercedes folgen dürften, weil sie «nicht immun gegenüber einem chinesischen Markt sind, der wahrscheinlich viel schlechter läuft als erwartet». Zudem dürften chinesische Autobauer noch stärker auf den europäischen Markt drängen, weil sie unter Druck stünden, die Auslastung in ihren chinesischen Werken hoch zu halten. In Europa fallen zwar Zusatzzölle für Elektroautos aus China an. Dennoch steigern Hersteller wie BYD oder SAIC ihre Absätze derzeit kräftig. Sie profitieren von den hohen Spritpreisen und von staatlichen Förderprogrammen wie der Elektroautoprämie in Deutschland, welche die Nachfrage nach diesen Fahrzeugen ankurbeln.
Chinesischer Markt bricht ein
Der wichtigste Grund für die Probleme bei BMW ist der Kollaps auf dem chinesischen Automarkt. Dort brechen die Verkäufe nach jahrelangem Wachstum ein. Im Mai sackte der Absatz um gut ein Fünftel ab, die Branchenverbände kappten ihre Prognosen deutlich. Der Vize-Generalsekretär des chinesischen Herstellerverbands CAAM, Chen Shihua, sagte, die Nachfrage nach Autos in China sinke stärker als zu Jahresbeginn erwartet, und eine Besserung sei nicht in Sicht. Bei Elektroautos spielen die deutschen Hersteller in China kaum eine Rolle. Der Markt wird von einer Vielzahl heimischer Anbieter dominiert, die mit niedrigen Preisen um die Käufer ringen. Dazu kommt nun das Auslaufen von Förderprogrammen, was den Verkauf dieser Fahrzeuge belastet.
Im zweiten Quartal habe sich der Einbruch in China verschärft, vor allem bei Verbrennerfahrzeugen, erklärte BMW. Hier spielt der Iran-Krieg eine Rolle, der den Spritpreis treibt. Das führe zu einer intensiveren Wettbewerbssituation in China und in den Ländern der Region Asien-Pazifik, der sich BMW nicht entziehen könne. Ein stärkeres Geschäft in Europa und den USA könne den Einbruch in China nicht wettmachen.
Kapitalmarkttag im September
Doch auch ausserhalb Chinas spielt der Iran-Krieg eine Rolle, teilte BMW weiter mit. Er treibe die Energiepreise in die Höhe und drücke auf das Konsumverhalten in zahlreichen Märkten weltweit. In der Folge rechnen die Münchner nun mit einem leichten Absatzrückgang, statt wie bislang vorhergesagt einer stabilen Entwicklung. Bereits im zweiten Quartal sei es zu einem deutlichen Rückgang bei Ergebnis und Barmittelzufluss gekommen.
Viele Investoren hätten im Vorfeld damit gerechnet, dass BMW seine Prognose senke, aber seien nun vom Ausmass überrascht, sagte Philippe Houchois, Analyst bei der Investmentbank Jefferies. Es sehe nun so aus, als ob BMW sein Produktionsmodell überdenke, das bislang darauf basiere, Teile für Verbrennerfahrzeuge aus Deutschland zu exportieren. Denkbar sei nun, Motoren und andere Komponenten verstärkt in Nordamerika und China zu produzieren. Zudem könnte China verstärkt für Exporte genutzt werden. Details sollten auf einem Kapitalmarkttag im September bekannt gegeben werden.
(Reuters)

