Aktien Schweiz - SMI gibt weiter nach - Richemont und UBS unter Druck

Die Stimmung am Schweizer Aktienmarkt ist wieder ins Negative gekippt.
09.11.2018 12:00

Nach dem erwarteten Ergebnis der US-Zwischenwahlen und dem ebenfalls nicht überraschenden Stillhalteentscheid der US-Notenbank rücken bei den Anleger wieder die bestehenden vielfältigen Risiken in den Vordergrund.

Auf die Stimmung drücken gemäss Marktbeobachter die wieder aufflammenden Sorgen um eine Verschärfung des Handelsstreits zwischen den USA und China. Wieder zurück sind auch die Befürchtungen vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft. Grund dafür sind weitere mögliche Zinsschritte in den USA, die sich die US-Notenbank Fed vorbehält. Steigende Zinsen sind für die chinesische Wirtschaft wegen der hohen Verschuldung Gift. In Europa haben die am Donnerstag publizierten Wachstumsprognosen für die Eurozone der Stimmung einen Dämpfer verpasst. Die EU-Kommission geht von einem schwächeren Wirtschaftswachstum in den nächsten zwei Jahren aus als bisher erwartet. Die Konjunktur in der Eurozone hat sich bereits abgekühlt.

Der SMI verliert gegen Mittag 0,6 Prozent auf 9043 Punkte. Der 30 Aktien umfassende SLI gibt um 0,9 Prozent auf 1416 Punkte und der breite SPI um 0,4 Prozent auf 10'652 Zähler nach.

Richemont stürzen nach Halbjahreszahlen ab

Mit einem Minus von 6,4% besonders stark unter Druck sind Richemont. Der Schmuck- und Uhrenkonzern hat am Morgen die Halbjahreszahlen präsentiert. Trotz einer nach wie vor guten Performance im Schmuckgeschäft verfehlte Richemont die Vorgaben der Analysten mit dem Umsatz und dem Betriebsergebnis klar. Darunter leiden auch die Titel des zweiten Uhrenkonzern im SMI: Swatch notieren 4,5% tiefer.

Deutliche Abgaben verzeichnen zudem UBS (-4,2%). Die Aktien leiden darunter, dass der Grossbank gleich in zwei Ländern hohe Bussen drohen. So hat die französische Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend im Prozess in Paris eine Strafzahlung von 3,7 Milliarden Euro gefordert. In der Nacht auf Freitag gab das US-Justizministerium bekannt, dass sie gegen die UBS eine Klage wegen angeblich fauler Hypothekengeschäfte vor der US-Immobilienkrise einreicht.

Im Minus befinden sich auch die beiden anderen SMI-Banktitel. So fallen Julius Bär um 2,5%, CS um 1,8%. Auch an den europäischen Börsen sind die Bankwerte trotz Aussicht auf steigende Zinsen in den USA unter Druck.

LafargeHolcim drehen ins Minus

Im Laufe des Morgens ins Minus gedreht haben LafargeHolcim (-0,8%). Zu Handelsbeginn hatte noch die Hochstufung durch J.P. Morgan und die sinkenden Ölpreise für Auftrieb gesorgt.

Entgegen dem Markttrend im Aufwind dagegen sind Swiss Life (+0,2%). Zurich (-0,2%) dagegen drehte nach Gewinnen am Morgen ins Minus. Am Freitagmorgen vermeldete der deutsche Versicherer Allianz dank geringerer Katastrophenschäden einen unerwarteten Gewinnsprung.

Stabil im Plus notieren dagegen die defensiven SMI-Schwergewichte Roche (+0,6%) und Nestlé (+0,5%). Novartis (-0,1%) geben dagegen leicht nach.

Kuros weiter auf Talfahrt

Im breiten Markt fallen Kuros Biociences (-13,6%) mit weiteren deutlichen Abgaben auf. Am Donnerstag hatte das Biotechunternehmen eine Kapitalerhöhung bekannt gegeben. Die Einnahmen sollen für die Forschung, die Entwicklung und die Vermarktung der Schlüsselprodukte des Unternehmens verwendet werden.

Im Abwind befinden sich auch Aryzta (-3,9%) und Autoneum (-5,0%). Bei Aryzta war am Mittwoch der Handel mit den Bezugsrechten für die Kapitalerhöhung angelaufen. Für den Autozulieferer ist es derweil eine beunruhigende Nachricht, dass angesichts der schwächelnden Konjunktur der chinesische Automarkt in diesem Jahr Gefahr läuft, erstmals seit Anfang der 1990er-Jahre zu schrumpfen. Orior (-2,9%) sind nach dem Ausstieg des Grossaktionärs Ernst Göhner Stiftung (EGS) unter Druck.

Zu den Gewinnern gehören dagegen Implenia (+1,9%). Der Baukonzern hat einen Auftrag für eine Brücke in Schweden im Umfang von rund 60 Millionen Franken erhalten.

(AWP/cash)