Gold und Silber litten unter robusten US-Arbeitsmarktdaten, die zu einem Anstieg des US-Dollars und der Renditen am Anleihenmarkt führten. Der Jobmarkt in den USA hatte im Mai positiv überrascht, denn die Beschäftigtenzahl war deutlich stärker gestiegen als erwartet. Dies schürte Erwartungen auf Leitzinsanhebungen der US-Notenbank im späteren Jahresverlauf und machte die beiden Edelmetalle unattraktiver, da sie selber keine Zinsen abwerfen.

Der starke Dollar drückte zusätzlich auf die Nachfrage, da Gold und Silber in der US-Währung notieren. Für Investoren ausserhalb des Dollar-Raums werden die Edelmetalle dadurch also teurer.

Bereits seit Wochen sind Gold und Silber wegen hoher Inflationsrisiken im Zuge des Iran-Krieges bei Anlegern kaum gefragt. Insbesondere Gold kann im derzeitigen Umfeld kaum von seiner traditionellen Funktion als «Notanker» in wirtschaftlich schwierigen Zeiten profitieren. Wegen der anhaltenden faktischen Blockade der für die Schifffahrt wichtigen Strasse von Hormus besteht die Sorge, dass der Ölpreis für längere Zeit auf hohem Niveau notieren und so die Teuerung anheizen könnte.

Auch aus markttechnischer Sicht ist Gold derzeit angeschlagen. Der Preis ist leicht unter die viel beachtete 200-Tage-Durchschnittslinie gerutscht, die den positiven langfristigen Aufwärtstrend beschreibt. Sollte der Goldpreis nachhaltig unter diese Linie fallen, sieht Marktstratege Elias Haddad von der Investmentbank Brown Brothers Harriman & Co. das Risiko weiterer Kursverluste.

Unter diesen für Risikoanleihen schlechten Rahmenbedingungen setzte der Bitcoin seine jüngste Talfahrt fort. Die älteste und wichtigste Kryptowährung notierte zuletzt auf der Plattform Bitstamp bei gut 60.700 Dollar und damit in der Nähe des Anfang Februar erreichten Jahrestiefs. In einem ohnehin von geldpolitischer Unsicherheit geprägten Umfeld könnte das jüngste Bekanntwerden des Bitcoin-Verkaufs durch den US-Kryptowährungsinvestor Strategy das Fass zumindest teilweise zum Überlaufen gebracht und die jüngste Schwäche verstärkt haben, schrieb Marktexperte Timo Emden von Emden Research./la/jsl/he

(AWP)