«Die Bullen werden weiter rennen»

Die Bullen haben die besseren Argumente als die Bären, sagt Mirabaud-Chefökonom Gero Jung im Gespräch mit cash. Zudem nennt er seine Sektorfavoriten im Schweizer Markt und macht eine Zinsprognose.
29.01.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Gero Jung, Chefökonom Mirabaud, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Die Talfahrt an den Börsen scheint vorerst gestoppt. Am Dienstag gingen die meisten Aktienmärkte positiv aus dem Handel. Doch die Aktien dürften sich laut dem Gros der Marktbeobachter weiterhin volatil entwickeln – zumindest im ersten Halbjahr. Danach sollte es wieder nachhaltiger nach oben gehen.

Guten Mutes für die Aktienmärkte ist auch Gero Jung, Chefökonom bei Mirabaud. "Die Bullen werden weiter rennen", sagt er im Gespräch mit cash. Zuversichtlich ist Jung vor allem für den US-Aktienmarkt. Die Bewertungen befänden sich zwar am oberen Ende, so Jung, aber die guten Aussichten der US-Wirtschaft vergrösserten den Spielraum nach oben.

USA wird über Konsens wachsen

Er prognostiziert ein Wachstum von deutlich mehr als 3 Prozent für das laufende Jahr, während die Konsenserwartungen bei 2,8 Prozent liegen. Mit einer stärkeren Erholung der US-Wirtschaft, werden auch die operativen Margen der Unternehmen weiter steigen. Im Schnitt liegen diese bei 9 Prozent – so hoch wie nie zuvor. Für den Dow Jones rechnet Jung mit einer Hausse von 10 Prozent für das 2014.

Auch im Schweizer Aktienmarkt sieht Jung Chancen und streicht dabei vor allem den Small- und Midcap-Bereich hervor. "Dieser ist bewertungstechnisch attraktiver als jener der Blue-Chips", so Jung, der bei Mirabaud im Anlageausschuss sitzt. Die Schweizer Wirtschaft wird nach den Mirabaud-Schätzungen für 2014 bei 2 Prozent liegen. Damit liegt die Bank am unteren Ende. Die UBS veranschlagt das Wachstum bei 2,1 und die Raiffeisen gar bei 2,6 Prozent.

Eurozone leidet unter Kreditklemme

Für die Eurozone prognostiziert Jung eine Wachstumrate von 1 Prozent - und liegt damit im Einklang mit den Ökonomen der Weltbank. Gebremst wird das Wachstum in der Eurozone wegen der anhaltenden Kreditklemme - sprich die Banken, insbesondere in den Peripheriestaaten, halten sich mit der Kreditvergabe an Unternehmen zurück. Zahlen der Europäischen Zentralbank zeigen, dass ein KMU in Italien oder Spanien immer noch einen deutlich höheren Zins bezahlen muss als ein vergleichbares KMU in Deutschland oder Frankreich.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) hätte theoretisch die Mittel, um die Kreditklemme aufzusperren. Gemessen am Volumen ist die EIB einer der grössten multilateralen Anleiheemittenten und Darlehensgeber der Welt. Die EIB – auch Bank der Europäischen Union genannt – könnte zum Beispiel Unternehmensanleihen aufkaufen. Laut Jung gibt es zwar Diskussionen in diese Richtung, doch noch keine konkreten Beschlüsse.

Zinsen normalisieren sich mittelfristig

Mit der Erstarkung der Weltwirtschaft werden auch die Zinsen weiter steigen. Seit der Ankündigung eines Taperings durch Fed-Chef Ben Bernanke im Mai 2013 sind die Zinsen am langen Ende deutlich geklettert. Derzeit notiert der zehnjährige US-Treasury bei rund 2,7 Prozent. Hierzulande beträgt der Kassazins für Bundesobligationen mit einer Laufzeit von 10 Jahren rund 1 Prozent. Von einem normalen Zinsniveau spricht man bei 4,5 Prozent in den USA beziehungsweise 2,5 Prozent in der Schweiz.

Allerdings werde es dieses Jahr noch nicht zu einer kompletten Normalisierung der Zinsen kommen, so Jung. "Die Produktionslücken sind noch zu gross und in der Folge die Inflationserwartungen zu gering", so der Chefökonom. Mit Zinsen auf normalem Niveau rechnet Jung, der von 2004 bis 2011 für die Schweizerische Nationalbank tätig war, in zwei bis vier Jahren.

 

Im cash-Video-Interview äussert sich Gero Jung zur bevorstehenden Anhebung der Schuldenobergrenze in den USA am 7. Februar. Weiter sagt er, weshalb die US-Wirtschaft stärker als erwartet werde.