Jimmy Lai - Solidaritätsaktion für China-Kritiker lässt Aktie in Hongkong um 1500 Prozent steigen

Die Verhaftung des Medienunternehmers und China-Kritikers Jimmy Lai lassen die Mitglieder der Hongkonger Demokratiebewegung nicht einfach so auf sich sitzen. Aus Protest kaufen sie massenhaft die Aktie von Lais Firma.
11.08.2020 10:41
Von Daniel Hügli
Medienunternehmer Jimmy Lai wird am 10. August von der Polizei in Hongkong verhaftet.
Medienunternehmer Jimmy Lai wird am 10. August von der Polizei in Hongkong verhaftet.
Bild: imago images / ZUMA Wire

China geht immer rigider gegen die Demokratiebewegung in Hongkong vor. Im wohl bislang grössten Schlag gegen Kritiker in der ehemaligen britischen Kronkolonie liess China am Montag den Medienunternehmer Jimmy Lai verhaften. Er bekennender Gegner der autoritär-kommunistischen Führung in Peking. Die Polizei in Hongkong wirft Lai angebliche Absprachen mit Kräften im Ausland, Betrug und andere Verstösse vor.

Die Demokratiebewegung in Hongkong wehrt sich auf ihre Weise gegen die Verhaftung Lais. Sie ruft seit Montag in Onlineforen zum Kauf der Aktien von Next Digital auf, die Jimmy Lai zu 71 Prozent kontrolliert. Das Resultat der Solidaritätsaktion: Der Titel legte innert zwei Tagen um 1500 Prozent zu und stieg auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. 

Eine grosse Masse von Retail-Investoren mit jeweils extrem kleinen Aufträgen habe der Aktie zum Aufstieg verholfen, berichten Börsenbeobachter in Hongkong. Die Aktie von Next Digital war am Dienstag an der Hongkonger Börse der zweitmeistgehandelte Titel hinter dem Tech-Giganten Tencent.

Kursentwicklung von Next Digital seit Anfang 2013, rechts der Anstieg in den letzten zwei Tagen (Quelle: Bloomberg).

Die Marktkapitalisierung von Next Digital beträgt nunmehr fast 500 Millionen Dollar. Medienunternehmer Lai hat in seinem politischen Kampf gegen China nun mehr Geld zur Verfügung, sollte er Aktien verkaufen wollen oder müssen, so die Idee der Solidaritätsaktion. Lai ist Herausgeber der Zeitung "Apple Daily", die er mit anderen Medienerzeugnissen in Next Digital zusammengefasst hat. 

Lai wird nicht nur durch Aktienkäufe an der Börse unterstützt, sondern auch durch den Kauf seiner Medienerzeugnisse. Einwohner Hongkongs seien am Dienstag am Kiosken Schlange gestanden, um eine Ausgabe von Apple Daily zu kaufen, berichtet Bloomberg mit Verweis auf lokale Medien. Auf Facebook vermeldete das Blatt einen Anstieg der Auflage auf 550'000 Exemplare von 70'000 zwei Wochen zuvor.

Die Aktionen zeigen, dass die Protestierenden in Hongkong zunehmend auf andere Formen als den Strassenprotest ausweichen. Neben Lai wurden am Montag auch seine beiden Söhne sowie mehrere Mitglieder der Geschäftsführung verhaftet. Rund 200 Beamte durchsuchte die Büros von Next Digital sowie die Räume von Apple Daily. 

Ende Juni hat Peking das umstrittene Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit in seiner Sonderverwaltungszone in Kraft gesetzt. Es ist der bisher weitestgehende Eingriff in Hongkongs Autonomie, und er gibt Chinas Staatssicherheit weitreichende Vollmachten. 

 
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