Politik - EZB sauer auf UBS, Goldman Sachs und Co: Relativ wenig Banker haben London nach dem Brexit verlassen

Einige grosse internationale Banken haben nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) nach dem Brexit keine ausreichende Anzahl leitender Mitarbeiter in die Europäische Union versetzt.
22.05.2022 19:01
Canary Wharf in London mit den Zentralen der Bankengruppen Citigroup und HSBC.
Canary Wharf in London mit den Zentralen der Bankengruppen Citigroup und HSBC.
Bild: imago images / Imagebroker

Die als "Desk Mapping" bekannte Untersuchung der EZB-Bankenaufsicht ergab, dass einige der untersuchten Institute - alle mit Hauptsitz ausserhalb der EU - nicht genügend lokale Kapazitäten aufgebaut haben, um die beaufsichtigten Geschäfte in der Region zu führen. Das berichten Personen, die mit dem Prozess vertraut sind. Ein Grund dafür sei, dass die Führungskräfte ungern von London nach Dublin, Frankfurt oder Paris umziehen wollten, heisst es.

Die EZB wird nun wahrscheinlich darauf drängen, dass die Banken mehr Führungspositionen in die EU verlagern oder das Management vor Ort durch andere Massnahmen stärken, so die Personen. Die Überprüfung war auf Stärke und Präsenz des Risikomanagements gerichtet und nicht vordergründig als Druckmittel für Personalmassnahmen gemeint, hiess es.

Das "Desk Mapping" umfasste US-Firmen wie Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan  und Morgan Stanley, sowie Institute aus anderen Drittstaaten wie Barclays, HSBC oder die UBS.

EZB fürchtet Kontrollverlust

Der Streit mit den Banken darüber, wie viel Geschäft und Personal sie nach dem Brexit in die EU verlagern müssen, dauert bereits Jahre. Der Interessenkonflikt: Die Geldhäuser wandern angesichts der hohen Liquidität und des breiten und tiefen Talentpools nur ungern aus London ab. Die EZB hingegen will die finanziellen Risiken in den Bilanzen der Banken im Auge behalten und fürchtet Kontrollverlust, wenn diese in London geführt werden.

Die mangelnde Umzugsbereitschaft von Führungskräften hat sich als eines der grössten Hindernisse für die Erfüllung der mit der EZB vereinbarten Pläne zum Ausbau der EU-Aktivitäten erwiesen. Viele Mitarbeiter, insbesondere solche mit Familien, wollen nicht in Städte ziehen, die als weniger lebendig und vielfältig als London gelten. Viele führen auch Sprachbarrieren als Gründe an, die gegen einen Arbeitsplatz in Kontinentaleuropa sprechen.

Die EZB hat das "Desk Mapping" entwickelt, um zu ermitteln, wo die EU-Töchter ausländischer Grossbanken wichtige Mitarbeiter beschäftigen und Geschäfte abwickeln. Im Rahmen der Übung mussten die beaufsichtigten Institute der EZB einen detaillierten Überblick über ihre Strukturen geben. Die EZB teilte den Banken vor kurzem die Ergebnisse mit und arbeitet mit ihnen zusammen, um zu entscheiden, wie viel Abhilfe in jedem einzelnen Fall notwendig ist, heisst es.

(Bloomberg/cash)

 
Aktuell+/-%
Bank of America Rg30.88-3.08%
Citigroup Rg45.49-3.42%
Goldman Sachs Gr Rg293.02-3.38%
JPMorgan Chase Rg111.55-3.25%
Morgan Stanley Rg75.27-3.73%
Barclays Rg1.505-3.98%
HSBC Hldg Rg5.293-4.13%
UBS Group N15.190-3.06%

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